Juni 2005

Salzkartoffeln als Stimmungsmacher, 1,262 Millionen Kilometer Fussschweiss, das Saisonende naht, der Balz geht und MC Anliker als Prof-Single… Gedanken an einem Sommersamstagmorgen, aufgeschrieben mit dem Pentel Sign® Pen!!

…Thun, seid ihr dabei…? da ist Das Bo, da ist Leemann, da ist der Beat, der Uli… der Marc und alle..! Leute, hier geht es nicht um Rap, nein heute nicht…. heute geht es um ein staatlich gefördertes Drogen-Experiment… Leemann hast du noch was im Glas? Prost…! Ja, Leute, wir haben gestern beschlossen, dass wir heute bei unserem einzigen Schweizer Konzert die Leute generell mit <Liebe Schweizer> ansprechen werden… Ja liebe Schweizer, ist auch jemand aus Thun da??  Nun, wir kommen ja aus Hamburg, und das ist die Stadt mit den meisten Brücken Europas, wenn nicht eher der ganzen Welt… und in Hamburg siehst du ja schon am Samstag, wer am Sonntag zu Besuch kommt… ist ja alles flach… Leemann hast du noch Wein?? Prost!! Liebe Schweizer… so und ähnlich ging es gestern Freitag (27. Mai 2005) bei der 2 1/2 Stunden Show von J-Luv and the Pleasure Guaranteed Band mit Das Bo, mit Leemann, mit Dendemann,

J-Luv und den süssen Backing Vocals Chor und der fetten Band auf der MOKKA-Bühne zu und her. Nicht gerade jugendgerecht, werden jetzt ein paar Politiker sagen…. stimmt! Aber, die wirklichen Ausmasse dieses 12 Stunden Besuches des Deutschen Hip Hop’s in Thun läuft definitiv unter nicht jugendfrei! Und darum behalten wir das für uns… ist wohl besser so. Wir betraten auch die fahrende Festung, den 2-stöckigen, dunkelblauen Nightliner, mit dem die 18 Leute seit 10 Tagen unterwegs durch Deutschland sind, nicht… sie sagten nur etwas von…. <riecht halt nach schlafenden Männern, uns tun nur die vier Mädels leid, die mitreisen…> der Bus transportiert seit 12 Jahren Musiker (das /innen können wir uns sparen… es sind eh zu 99% Männer in dieser Branche) durch Europa und hat 1,262 Millionen Kilometer auf dem Zähler… und selten nüchterne Fahrgäste an Board… Rock’n’roll!!!

Es war ganz schön was los an diesem Sommerfreitag an der Allmendstrasse in Thun, zumindest hinter den Kulissen. 18 Leute, die duschen, scheissen, nach Deutschland telefonieren, ihre Mails runterladen, Euros wechseln, Kabel flicken, Suppe essen, Brot mit echtem Schweizer Emmentaler kosten, den <Shadow-Park> besuchen wollen, im Fluss schwimmen, drei Stunden Soundcheck, 5 Stunden Set-Aufbau und ohne Ende Wasser + Café trinken… Als wir ankünden ihnen Salzkartoffeln, echte Salzkartoffeln! zum Hauptgang zu kochen, fangen sie gleich vor lauter Freude an, die Salzkartoffeln zu bereimen, Freestyle pur, kein Wunder, nach zehn Tagen deutscher Nudelpampe! Es war ein sehr schöner, aber zugegeben, ein sehr nahrhafter Tag mit einer ruinösen finanziellen Bilanz, obwohl die Gage für diese fette Crew nicht sehr hoch war… Aber mit 50 zahlenden Gästen macht man nun mal keinen Staat! Dafür ist die Jugendgefährdung auch nicht so arg… Es waren kaum Junge unter 20 im Publikum. Für uns war es der zweite Abend in einer Woche mit so vielen Leuten, die zu betreuen waren, Nightliner und dem oben beschriebenen Rahmenprogramm… Thun hat in diesen Tagen die Spendierhosen an und macht dutzendweise Ausländer glücklich… Am Swiss Economy Forum wurden auch, mit staatlichen Geldern, den ausländischen Gästen alles kredenzt, und viele von ihnen gingen mit einem positiven Gefühl zurück in ihre Heimat…   oh oh… das ist jetzt aber schön gesagt, MC!) Nur, hier wie da, hat das profane Thuner Publikum nichts davon mitbekommen, und mit Kultur und Economy haben die Jungen hier definitiv nichts am Hut, aber definitiv nichts!!!

An so Tagen wird die Diskrepanz zwischen unserem Kulturauftrag und unserem Business-Center so klar sichtbar, dass es einem richtig weh tut. Lauter bedröhnte Kids, die gruss- und bezugslos neben uns verschwitzten Kulturarbeitern vorbeiziehen, auf dem Weg zum ultimativen Glück, zum grossen Kick, der, realistisch gesehen, meistens im Delirium endet. Wir sind aber ganz klar ein Musikclub mit Gastronomie, dessen Kulturteil tendenziell immer weniger konsumiert wird und die Generation von Konsument/innen, die nicht mehr weiss, was MOKKA eigentlich alles heissen kann, ist schon lange Realität. CAFE BAR MOKKA, ein kleines Steinchen im Vergnügungskies der Thuner Jugend… Mühli, Gymer, Schadau, Mäc, K-Stoff, Öli uso…  Bitte versteht mich nicht ganz falsch… ich gebe meine ganze Kreativität in das Gesamt-Kunstwerk MOKKA und dies nicht zu wenig und nicht erst seit dem 12. März 2002… Dass es zwischendurch frustrierend ist, als Fossil in einem falschen Zeitraum zu leben, oder zumindest nicht im gleichen wie die Umgebung, ist ja sicher auch verständlich. Viel Arbeit passiert hinter den Kulissen und um gute Acts mit M-Budget-Gagen nach Thun zu locken und ihnen meistens sehr gute Shows abzutrotzen, hat viel mit Voodoo und sonstigem Zauber zu t(h)un! Das macht niemand mit 0-8-15, niemand!

Mittlerweile wird unsere Hip Hop Crew von gestern in ihrem 1,262 Millionen Kilometer Antik-Liner, 800 km weiter in Kassel auf Pumpernickel-Scheiben vom Vormonat beissen und dazu Nescafé trinken.. Der Bus wird riechen wie Barackenwagen von Frutiger AG in den Siebzigern (das waren die Zeiten, wo Männer noch rochen wie Höhlenbewohner, und wo MC Anliker seine Aversion gegen solch riechende Männer her hat… Welche Bausau baut hier diesen Saubau….?? MC Anliker hat heute noch ein schweres Männertrauma aus seiner Zeit (1973-1976) als Maurerlehrling bei Frutiger und dies führte dazu, dass er auch nicht in der Schweizer Armee mitspielen konnte… schade) und der eine oder andere der am Vorabend grossmundigen Rappern wird vor lauter brummendem Schädel den Schweizer Chardonnay verwünschen… aber vielleicht auch das Feuerwasser aus den ekligen Flaschen aus Teeneessee…. ja, liebe Leser/innen, so wird es sein…!!

Hier in Thun ist es mitlerweile 30 Grad und auf dem Balkon von MC Anliker wird es langsam unerträglich, schon fast Zeit zum Duschen… Es ist 12 Uhr mittags, auf die Minute genau beginnen die Glocken der Stadtkirche zu läuten, ein Rettungshubschrauber bringt einen verunfallten Töfffahrer vom, heute morgen eröffneten, Sustenpass ins Thuner Spital… auch die Glocken der kleinen Kapelle in meiner Strasse läuten mittlerweile, 2 Stöcke tiefer wird die sensible Hauskatze von 2 Therapeuten betreut, und im Garten sind heute morgen die ersten 3 rosa Pfingstrosen aufgegangen… Ein Moment der mich als Blumen-Junkie immer besonders freut… Ja, so muss es sein. Sommer in Thun-City!

Heute Samstag haben wir ein beschränkteres Programm, quasi Ferien. Nur 7 Poetry Slamer, die nur 4 Mikros brauchen und keinen! Nightliner. Ich muss nur noch 16 Seiten Grafik bis Montagmorgen produzieren und diesen Text fertig machen, dazu nur noch eine 10-köpfige Band aus Uruguay am Sonntag, easy man, da wäre doch fast noch Zeit für ein Hobby… hesch eigäntlech kes Hobby, MC??? Oder… machsch immer no so chli im Mogga..??

Meine Lieblingsfrage ist aber: Wie lang wosch eigentlech no im Mogga mache..??? wärs nid ar Zyt ä nöii Generation drah z’lah.. so…. Die reguläre MOKKA-Bühnensaison ist ja in 3 Wochen hinter uns…. die zwei letzten Shows finden im MOKKA-Garten statt, und wir hoffen auf, neben gutem Wetter, ein gut besuchtes Konzert mit der sensationellen, Generationen übergreifenden Mabulu aus dem sehr armen, von 40 Jahren Krieg und Naturkatastrophen geprägten Mosambik. Ein Highlight im MOKKA-Garten! Das ist zu erwarten…

Die letzte Thuner Show von Stiller Has mit dem Urhasen Balz Nill an den Schlagwerken, Ukulelen, Gitarren und Luftorgeln ist jetzt schon sehr gefragt, Tickets gibt es nicht ohne Ende… im Fall… so long Hasi… snüff. Dass ich nie mehr dem Balz helfen darf, die Farfisa-Orgel zu flicken, stimmt mich traurig, aber bringt auch Erinnerungen hoch, an die vielen Konzerte, die wir seit 1988 mit den beiden gemacht haben. Aber wie sangen einst die FEHLFARBEN: Keine harte Pause, Geschicht wird gemacht, es geht voran!! Alles Gute Ueli Balsiger!

Die weiteren Angebote von <Planet MOKKA> findet ihr in unserem Programmheft Juni 05 und auf  HYPERLINK „http://www.mokka.ch“ www.mokka.ch wo sich der <Relaunche> ein weiteres Mal verzögert… aber, was lange dauert wird ewig währen!

In dem Sinn gehe ich morgen auf das Versicherungsamt und melde mich schon mal für die Früh-AHV an… Hey MC hesch eigäntlech o äs Hobby?

Wer nachts schläft muss sich nicht wundern, dass er tags arbeiten muss!!!

Einen schönen Juni wünscht Euch euer

MC ANLIKER

MASTER OF WET T-SHIRT CONTEST

MASTER OF DON’T LOSE ILLUSIONS

MASTER OF A LONG, LONG SOMMER

CAFE BAR MOKKA

Allmendstrasse 14 | 3600 Thun
033 222 73 91
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