Dezember 2002

Massenhochzeit nach Konzertbesuch!! Das Jahr ist vorbei bevor die Bilanz gut ist… Nächstes Jahr muss alles besser werden!! Und <Indoor Pissing> als neues Sonntagsvergnügen!

Worte zum Dezember…

Erst war doch Januar…!! Wahnsinn, wie schnell schon wieder ein Jahr von uns verbrannt wurde… und wir uns wieder fragen müssen: war es ein gutes Jahr? Habe ich in etwa das erlebt und gelebt was ich wollte…?? Habe ich das gesagt, was ich sagen wollte? Und war ich mit den Leuten zusammen mit denen ich wirklich zusammen sein will???

Alle diese Fragen, die wir uns zum Jahresende stellen sind wichtig und müssen gestellt werden! Weil, das Leben ist sowas von komplex, mittlerweile, und nur wer denkt, überlebt und nur wer bewusst lebt, lebt!

Ein paar Gedanken zum Jahresende: Einen Kulturladen wie das Mokka in der tiefsten Provinz zu betreiben, verschlingt Unmengen an kreativer Energie und nach dem Motto <The Show must go on> wird das Publikum während 12 Monaten, ohne Pause, mit Angeboten versorgt, von denen sie, wie am kalten Buffet, die Lachsbrötchen, das Bündnerfleisch und die russischen Eier rauspflücken können, ohne sich je Gedanken zu machen, wo die leckeren Sachen herkommen und wer sie gemacht hat und wie viel Arbeit dahinter steckt… Vorgelebt wird ihnen dies permanent von den Medien, die ja lebend gerne nichtsnutzige Promis, Politiker und Unternehmer in ihren Zeitungen abdrucken, meistens unter der Rubrik: Leute oder People…

Das Bild gleicht sich, überall sieht man schlecht angezogene, ewig strahlende, mit Cüppligläsern rumstehende Menschen, Promis, Cervelatpromis und Sternchen des lokalen Polit-Bizz oder der Finanz- und Sportwelt. Bei gewissen Leuten, die immer und immer wieder in diesen Spalten auftauchen, frage ich mich aber schon sehr ernsthaft, ob die nicht ein Alkproblem haben…? Zwangsläufig! Und wie sie ihre, vermutlich, hohe Gage verdienen können, wenn sie 6x pro Woche ab 17.00 Uhr an so Blabberanlässen rumhängen..? Ich nehme ja auch an, das zuerst noch geduscht wird, dann die Frisur, das Make up… Dann hinfahren, parken, da muss jemand schon um 14.00 Uhr los… Und genau „diese Leute“ stellt man uns werktätigen Idioten jeden Tag auf der letzten Seite, an Stelle von Garfield, vor die Nase! Gaht’s na! Das musste einfach noch vor Jahresende raus, es regt mich immer wieder und immer mehr, sackmässig auf und am liebsten würde ich jeden Tag einen Leserbrief schreiben und diesen BZ Chefredaktoren mitteilen, dass, wenn wir so „Aperölen“ würden, wie diese Promis und „Leaders“ es bei uns nicht einmal lauwarmes Bier geben würde und ein Kulturbetrieb wie ein Mokka schon lange die Bilanzen hätte deponieren müssen…

Klar würde es diese Betonköpfe nicht wirklich interessieren, weil sie ja auch zu dieser Schmarotzer Scene gehören und zudem würde ich meine Arbeit nicht mehr machen können, weil ich dann nur noch Leserbriefe schreiben würde. Vielleicht wäre Leserbriefschreiben zwar mit etwas mehr Resonanz verbunden, als der Schreibkasparjob, den ich da mit diesem Marihuanamischelunterlage, genannt Programmheft Café/Bar Mokka, Thun, Vorwort Schreibjob habe…

Mittlerweile kann ich über die Blonde schreiben, kann den Stadtpräsidenten klassieren, kann gegen das Kampfkiffen, gegen die Jugend und gegen die I.G.T. und weiss ich nicht was alles schreiben… Es gibt keine Reaktionen mehr! Wie „Connecteter“ die Gesellschaft, desto weniger Kommunikation… Würden wir „das Vorwort“ per SMS verschicken, würde vielleicht noch dreimal ein: Hey easy man! Kommen, aber das wäre zumindest etwas!!!

So fragt man sich schon je länger desto mehr, was hier eigentlich noch gemacht werden soll, was noch Sinn macht? Und was man sich abschminken könnte. Wenn ein Laden so alt ist wie das Mokka und der Pausenclown solange dabei ist, wird der Club und der Clown zur Institution! Selbstverständlich sind sie da und bringen immer wieder Unterhaltungen und Attraktionen, mit Pausen, wo dann der Clown zum 3000sten Mal seine Icecream verkaufen kann und das Publikum etwas zum Lachen hat… Es ist ja auch nichts spezielles. Aber, was ist denn heute noch speziell? Was muss ein Club machen, dass er von den Medien und somit vom Publikum noch wahrgenommen wird…? Soll ich jetzt noch anfangen Kinderpornos vom Netz zu laden?? Oder müssen wir auch noch eine Indoor Anlage in Brand setzten? Oder Rausschmeisser haben, die auf ausländische Gäste schiessen??

Selbst den Aufruf die „Schwiss Diäry Food“ mit Drogen zu sanieren, löst keine Reaktion mehr aus… Keine Abo Abbestellung, kein Werbeboykott und keine Leserbriefe… what’s up… People??

Thun, are you ready?? Don’t sleep allways please!

Es ist hart, wenn man spürt, dass man quasi zum Mobiliar gehört, zum Inventar und in der Kategorie erst noch beim Spermüll eingeordnet wird… Gut, so krass, wie unsere Küchentüre werde ich noch nicht behandelt… Die wurde Mitte Oktober an einem Sonntagabend, als ganz wenige Leute im Haus waren, einfach angepisst…! Aber ohni Seich…! Äs isch so…! Irgendein, sehr tilter, Heavymetalfreak aus dem Wallis verirrte sich an die Allmendstrasse und in unseren Keller und beim gehen, holte er vor der Küche schnell den Schwanz heraus und pisste voll an die Küchentüre! Ein sehr konsternierter Wirt, Stefan Ali, musste ihn am weiterpinkeln hindern und mit nasser Hose aus dem Haus weisen… MC Anliker, der zeitgleich aus dem Büro dazu lief, fragte noch blöde, was für Wasser da am Boden sei… So etwas war ihm in 16 Jahren Café/Bar Mokka noch nicht passiert…!

Gut, in all den Jahren ist ja so viel Schiefes passiert in diesem gelben Haus… so viele Menschen gingen hier rein und raus und so viel Seelenmüll wurde hier entsorgt… dass man den Lachenkanal damit füllen könnte… So viele Leute haben sich im Umfeld vom Mokka gepaart, dass man mit Massenhochzeiten den Rasen des Wankdorfstadions voll belegen könnte und ganze Kinderwagenfabriken voll auslasten könnte…

Aber da sind wir immer noch beim gleichen Thema… Diese Leute, die sich hier paaren, sind, sobald die Paarung geglückt ist, von Null auf Hundert nicht mehr Konsumenten/Innen unseres Clubs… Wie Kultur & Begegnung im

Öffentlichen Raum nur etwas für Singles, Verlierer und einsame Säcke sein soll…

Anders sind die schlechten Besucherzahlen bei Lesungen, elektronischen Konzerten und sonstigen, speziellen Anlässen nicht erklärbar. Thun ist nur darum keine Kulturstadt, weil Thun eine Päärli-Stadt ist. Hier stolpern jeden Samstag tausende von Zombiepaaren durch die Fussgängerzone um sich zu beweisen, dass ihre Wahl schon die richtige war… und dass sie doch gemessen an den andere Notfällen, schon einen aufregenden Partner/Partnerin haben… Wow…! Die Thuner Innstadt ist an einem Samstag für einen halbwegs kultivierten Menschen schlicht und einfach nicht mehr ertragbar! Das geht nicht nur mir so… Zum Glück! Was ich, als Single, nicht ganz verstehe, ist der Umstand, dass diese Paare schon im jungen Alter am Samstagmorgen durch diese Konsumöde trampeln… da denkt man doch, wenn sich zwei richtig lieben, können sie doch auch einmal im Bett gammeln, zu zweit…!

Gut, es wird ja wohl auch einen Grund haben, dass ich nicht Paartherapeut geworden bin… Sondern Rock’n’Roller und Institution!!

Aber wie ist das mit den Institutionen: Würde es sie nicht geben, müsste man sie erfinden… und doch scheint es manchmal so, als wären sie gar nicht wirklich nötig, im Zeitalter des Mainstreams, der „Heinecken® Honky Tonk Beizen – Tour“ und von „DRS 3 Ultrasoft“ – Die Rede soll da sein von den örtlich verwurzelten, zum Teil über 15 Jahre existierenden, Schweizer Musikclubs, die es, zum Glück, in vielen Käffern dieses Landes, noch gibt. Als der ehemalige Musiksender DRS 3 noch jeden Samstag die Konzerthinweise richtiggehend zelebrierte, war da ein Bewusstsein vorhanden und Leute aus Käffern wie Thun, Wil, Düdingen, Sommeri und Wädenswil merkten, dass sie auch dazugehörten zu der Glitter und Glimmerwelt des nationalen Show Business. Dazu kam noch, dass die Moderatorinnen und Moderatoren, die kleinen Helden des Äthers, auch wussten, was diese Clubs machen, wo sie sind und wie sie aussehen, weil viele von ihnen auch selber Musik machten und selber auch gerne einen über den Durst tranken, nach den Konzerten in diesen Clubs. Nun, mit dem <Safer-Sex> wurde auch vieles anders. Sehr viel cleaner…!

Die wilden Jahre waren spätestens Mitte der 90er endgültig vorbei. Keinen <Jack Daniels®> mehr zum Soundcheck und keine Veranstalter, die vor lauter Betrunkenheit den Bandnamen nicht mehr richtig hinkriegten bei der Ansage und letztendlich gar keine Ansage mehr. The Spirit of Underground war gone…! Geblieben sind die Clubs und ihre wichtige Funktion im sozialen Netzwerk unserer Gesellschaft. Noch heute spielen jedes Wochenende zig Bands aus nah und fern auf den Bühnen von Clubs wie Ebullition, Fri-Son, Casa Choc, Kammgarn, Kraftwerk Krummenau, Löwen Sommeri, Anker Interlaken, Kiff, Mokka Thun um hier ein paar Namen aus der tiefen Provinz zu nennen. Die Shows geben viel Arbeit, sind finanziell gesehen, risikoreich und sind das, was man von den Clubs gegen aussen wahrnimmt. Im gesamten Arbeitsbereich der Läden, sind aber Konzerte nur ein kleiner Teil. Viel wichtiger ist der Club durch seine Konstanz und durch die Funktion des offenen Hauses und als Partnervermittlungs-Institut, auch noch und immer mehr in der Zeit von <Orange – we connect people…!> Die Clubs werden zwar immer mehr in die Ecke des Lückenfüllers gedrängt, sind in der Gunst der <Party People> und der <Beauties> nicht wirklich angesagt… Aber wenn der sichere Wert, das reale und <ein Gefühl von Heimat> sein muss, dann führt kein Weg neben den Clubs vorbei.

Und das zu wissen, reicht um immer und immer wieder die Kraft zu haben an unserem Ding zu arbeiten und die nötige Energie aus dem All zu holen! Darum ist es eigentlich auch sehr egal, ob das Jahr am Anfang oder am Ende ist… Wir haben das Bestreben, das ganze Jahr ein gutes Programm anzubieten und… Full House könnte somit eigentlich ruhig öfter sein…

Bitte beachtet auch die Anlässe ausserhalb unseres Clubs (Sa. 14. Dez. 02) und kommt doch zum Jahresende und Jahreswechsel in Massen vorbei… Die Geschenke könnt Ihr in der Küche abgeben.

Wir machen dieses Jahr eine familiäre Silvesterparty nach alter Schule… das heisst: Gepflegtes Erscheinen ist sehr gerne gesehen…!! Und, ab anfang Dezember gibt es Tickets für Stiller Has (25. Jan. 03 im Hotel Freienhof) die sich gut als Weihnachtsgeschenk eignen.

Liebe Chiller, ich wünsche Euch allen eine gute Zeit und hoffe, Euch auch im Januar 2003 auf diesen Seiten begrüssen zu dürfen…

Keep on snowing, white and cold hold on your candles, it’s winter…

                                                                                      MC Anliker

Master of Hanging in the Mokka Office Day and Nightlong

Master of Livemusic Culture

Master of a Happy New Year

CAFE BAR MOKKA

Allmendstrasse 14 | 3600 Thun
033 222 73 91
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