April 2012

FEHLGELEITETE GESELLSCHAFT UND WERBER OHNE MORAL.

Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich mich in meinem Job dauernd mit Werbung befasse, auf alle Fälle kann ich mich noch immer tödlich aufregen, wenn ich idiotische Werbung zu sehen bekomme, was in der letzten Zeit immer häufiger vorkommt. Im Februar buhlte beim Aarezentrum ein grosses dreiteiliges Plakat der Jungfrau-Bahnen um Kunden für ihre Bergarena, das dümmer gar nicht sein kann: Das Jungfraumassiv in strahlender Sonne, was sonst?, davor zwei Partyfuzzies in Festlaune… der Mann mit nacktem Oberkörper, die Frau mit einem Bikini- Oberteil knapp bedeckt, beide einen Longdrink in der Hand und dazu ein trümmliger Spruch, den ich zum Glück schon vergessen habe… Geits no?? dachte ich, als ich mein Fahrrad davor abstellte. Die Botschaft ist so etwas von blöde und die Stossrichtung dieser Werbung  komplett falsch. Alkohol und Skisport? Berge als Funpark zum abkonsumieren? Unbedeckte Körperteile auf 2700m? Das ist doch einfach nur Schrott und holt genau die Menschen in die Berge, die diesen Kathedralen der Besinnlichkeit nicht gerecht werden können. Eigentlich wollte ich der Direktion der Jungfrau-Bahnen ein Mail schicken, aber wir sind ja mittlerweile sowas von abgeschliffen, wenn es um Verblödung geht, und so blieb es beim Wollen, schade.

Nun ist die Tage wieder so eine Super-Scheiss-Werbung in den Medien geschaltet.. ALTE STELLE LOSWERDEN-TIPP 7, Jobs, in die man sofort wechseln will! Eine Kassiererin sitzt an einer Kasse, wo denn sonst?, auf dem Band eine Mischung eines Billigsortimentes aus einem kasastakischen Tankstellen-Shop. Die Produkte sind zum Teil mit Schweizerkreuzen nachbehandelt, der Laden sieht nach Aldi aus, das Gilet der Kassiererin aber klar nach Coop. Die Frau hat die nackten Füsse auf dem Band, die Lebensmittel fallen zum Teil ab dem Band, und da ist die Superidee eines Creativ Directors… Die Frau lackiert sich die Fussnägel, zwischen den Lebensmitteln… Ich könnte kotzen ab soviel Blödheit auf einen Blick, unglaublich. Der Kern der Botschaft ist klar: Arbeiten ist Scheisse! und mit lackierten Fussnägeln wird Frau dann sicher Model oder Creativ Director.. Auf der einen Seite ist shoppen heute das grösste Hobby des Westeuropäers, aber an einer Kasse sitzen ist sowas von uncool wie noch nie. Wir alle arbeiten im Schnitt zwar 30% weniger als noch vor 40 Jahren, haben aber so etwas von Kompensations bedürfnis ab unserer <harten Arbeit> wie nie zuvor. Wer in den letzten Tagen Nachmittags über den Mühleplatz ging und diese Hundertschaften von abhängenden, Alkohol trinkenden, meist jungen Menschen sah, fragt sich doch zu Recht, wer hier eigentlich noch arbeitet. Aues easy, chli chille, s`chli pflege… Das kann es aber nicht sein. Was kommt denn nach dieser fehlgeleiteten Gesellschaft?

Irgendwann werden die Menschen merken, dass sie vom heutigen System des totalen Konsums betrogen werden, dass ihnen das Resthirn abgeschliffen wird, weil es um Marktanteile der Multis geht und nur darum. Sie müssen merken, dass diese sinnlose Tool-Herunterladerei Humbug ist, dass nicht alles mit Tastendruck gelöst werden kann, dass ein Medienzentrum mit einem Flatscreen als Lebensmittelpunkt noch kein Büchergestell und keine Plattensammlung ersetzen kann und 300 TV-Sender nichts anderes anbieten als Ablenkung, Verdrängung und Verblödung. 26 Sekunden ist die Durchschnittszeit, die ein moderner Konsument heute einem Song an Aufmerksamkeit schenkt.. Niemand weiss mehr genau, was er da auf seiner Festplatte gebunkert hat und niemand weiss, wieviel Engangement hinter den Produkten nötig sind. Hey modern Media Society Boys and Girls.. Don’t forget: Selbst der lackierte Maurerlehrling aus Uetendorf, der aus DSDS (oder so), sowenig er wirklich kann, muss arbeiten wie ein Mühleross, sicher das doppelte Arbeitspensum eines Maurerlehrlings, und ob er dann wirklich eine grosse Karriere machen wird, liegt in den Sternen. Übrigens: Würde der Fernseh-Jung-Star mit seiner Schminke bei uns im Club arbeiten, dann müsste er sich dauernd anhören: Hey Man, bisch Schwul.. hey.. Aber eben, Fernsehen hat mit dem realen Leben sehr wenig zu t(H)un und noch scheinen wir die Spitze der Hohlheit nicht erreicht zu haben.. Ich warte schon auf die nächste, noch dümmere Werbekampagne und die wird so sicher kommen, wie bei Euch der Osterhase.     

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