Oktober 2009

DER SOMMER 2009 IST GESCHICHTE, DIE GESELLSCHAFT LEIDET AN VERBLÖDUNGS DICHTE UND WIR RAUCHEN IMMER NOCH… GEDANKEN ZUM SEPTEMBER 2009…

Pünktlich zum Schreiben eines Textes über den ausklingenden Sommer 2009, über die Befindlichkeit in der Boom Town Thunesien, über die ersten Erfahrungen mit dem seit Juli 2009 geltenden Rauchverbot, die Aussichten auf die nächsten Monate und anderes, hat der Herbst  hier am Rande der grossen Alpen Einzug gehalten und den Himmel mit einer trüben Hochnebeldecke überzogen… Es soll mir recht sein, ich fühle mich sowieso so was von neben den Schuhen und das ist bei Schuhgrösse 46 und gepflegtem Schuhwerk kein gutes Zeichen…. Professionell wie ich sein muss, werde ich aber trotzdem diesen Text termingerecht abliefern, die Schatten auf der Seele ignorierend, frei nach dem Motto: Ein Schreiber der nicht schreibt, schreibt nicht..!!!

Mit dem Sommer 2009 können wir zufrieden sein, er war besser als ihr ihn in Erinnerung habt…
Er war nicht so euphorisch, nicht so, dass alle nur noch in Superlativen schwelgten.. Hey das Wätterli isch krass, huere pflegig, d`s Sünneli jede Tag.. geil.. Nein, er war genau richtig.. mit vielen Wolken, die unseren Himmel in immer neue Kunstwelten verwandelten, mässig Regen, so dass er für die wetterabhängigen Anlässe wie MOKKA SUMMERDANCE VOL. 1+2/09 und für unser Sommerfestival AM SCHLUSS 09 nie Gross zum Problem wurde. Die Betriebszahlen stimmen, klar haben wir nicht mehr das Volumen von den fetten Jahren 1998-2003 erreicht, aber damals gab es auch noch keinen Mühleplatz und die Club Kundschaft war treuer und konsumierte bewusster in IHREM CLUB. <Lämpetechnisch> war der Sommer 2009 durchaus normal, wer direkt betroffen wurde, sieht das natürlich  anders… Das Festival AM SCHLUSS 09 war sehr gut besucht, die Künstler/innen waren alle Happy, die Wirte (mit einer Ausnahme) waren mit ihren Umsätzen zufrieden…. ( was wichtig ist, denn die Gastronomie auf dem Mühli wurde von der Stadt Thun heilig gesprochen und dazu müssen wir Eindringlinge Sorge tragen..) die moralische Spendenpflicht ist immer besser umsetzbar und so können wir mit schwarzen Zahlen rechnen. Inhaltlich war der Anlass für mich dieses Jahr wirklich sehr schön, denn 12-15`000 Personen mehr oder weniger glücklich zu machen ist eine befriedigende Aufgabe und der Umstand, dass die ganzen 11 Abende ohne einen Ansatz von Gewalt waren, setzt dem ganzen noch den Federschmuck auf…..

Nicht alles ist aber so golden wie es glänzt….  die nächsten paar Monate werden wohl knallhart werden… Wir haben wieder Konzertsaison mit Eintritt für Disco und Konzerte und haben keine Erfahrungswerte mit dem neuen Rauchverbot… halten wir nicht bis zum Gefrierpunkt unsere Aussenbar offen, werden wir wohl massive Umsatzeinbussen erleiden, haben wir aber die Bar offen, konkurenzieren wir den Kulturbetrieb… Scheisse..!!! Natürlich haben wir uns das nicht selber gemacht, nur ausbaden müssen wir das selber. GANZES HAUS RAUCHFREIE ZONE !! Die Direktion…  Wir sind heute die Handlanger der Politik und Kulturarbeit ist heute Dienstleistung auf der Stufe von Rail-Clean, nur dass wir schönere Kleider tragen und wir unsere Bahnhöfe umfassender betreuen müssen. Wenn wir mit der gleichen Ignoranz, wie heute der öffentliche Raum teuer verwaltet wird, unsere Clubs führen würden, gäbe es uns nicht mehr, weil wir von einer Krisensitzung in die andere wechseln müssten und zum Arbeiten keine Zeit mehr hätten. Wenn irgend ein Idiot an einem Freitagabend aus dem nichts bei uns im Garten auftaucht und seinen Krieg auf uns ausweiteten will, sind wir zu dritt 1-2 Stunden beschäftigt und für anderes blockiert. Wenn Integration nicht passiert und Ausländer, z.B. aus dem Balkan nirgendwo willkommen sind, sind wir, mit dem Auftrag ein offenes Haus zu führen, <The Place to be…> und haben dann die frustrierten Kids, die mit dem ….vic am Ende ihres Namens, die bei der Berufswahl mittlerweile nahezu Null Chancen haben, mit leeren Taschen und dem grossen Frust im Bauch, in 20ziger Gruppen bei uns vor dem Haus, auf der Suche nach einer Frust abbauenden Schlägerei.

Das wiederum schadet dem Geschäft, weil ja unsere Kundschaft nicht weniger rassistisch ist als anderswo. Wir sind mittlerweile dauernd am Abwägen, diskutieren das für und wider baulicher Massnahmen, analysieren Betriebsabläufe und beruhigen unser Personal, das hin und wieder nach dem erneuten Aufstellen von Securitys ruft, etwas was nicht die Lösung sein darf.

Es sind aber ganz klar nicht nur die Aussenstehenden Secondos, die uns Probleme machen, nein, ganz klar nicht, es ist die gesamte Verrohung unserer Gesellschaft, die das Betreiben eines offenen Hauses immer schwieriger machen. Der fehlende Anstand und Respekt gegenüber einer Institution, die immer noch probiert eine Art Insel im Meer der totalen Abzocke zu sein und ihren Kunden/innen menschlicher begegnen will, ist mittlerweile so gross, dass wir als Betreiber von den Kunden/innen als störend empfunden werden, weil wir eben auch mal Grenzen setzen und jemanden zurecht weisen. Unser Nachbar, in etwa der innovativste Restaurateur der Stadt, macht sich bei den Kids damit beliebt, dass in seinem Garten alles erlaubt ist was gefällt, vom Nazigruss, über auf den Boden spucken, DJ`s mit Steinen bewerfen bis Leute zusammenschlagen, das volle Programm, Hauptsache man hat einen guten Bierumsatz.

Manchmal möchte ich Zaubern können oder so Kräfte haben wie Obelix…. aber das ist halt schon nur Traum… und der Zaubertrank fehlt mir definitiv….Wenn ich spüre wie viel Kraft jemand freisetzen kann, der wirklich voll bewusst verletzen will, bin ich dann noch Stunden später innerlich Aufgewühlt und meine Hilflosigkeit bringt mich fast um den Verstand. So Typen machen….sagg… und du bist nur noch am Schaden begrenzen…  und es geht immer so schnell..!!! Scheiss Macho Style! Leider sind aber auch die jungen Frauen am zulegen, wenn es um Verblödung und Verrohung geht  ..Hey die Saufotze machi chaut.. di mues nid meine..!!! Saufen t(h)un sie fast soviel wie die Männer, Bierbäuche und Furzen ist bei Jungen Frauen mittlerweile akzeptiert und Standart. Wir können heute auch nicht mehr davon ausgehen, dass die Frauen deeskalierend wirken, wie noch vor 5 Jahren, heute ist eher das Gegenteil der Fall…. wenn wir einen Kunden beruhigen wollen, chunt sicher no sini Lämpebrut  cho Öl id`s Füür schütte..  Manchmal Glaubt man fast nicht, was da alles an einem einzigen Abend an Scheisse bei uns abgeladen wird. Das Frustpotential unserer Kids ist hoch und es muss verdammt viel kompensiert werden im Ausgang, was eine klare Sprache spricht: Wir sind mit unserem Bildungswahn auf den Holzweg, solange wir all diesen, jahrelang in devoter Kriecherhaltung durch unsere Bildungsinstitute gejagten, jungen Menschen nicht wirkliche Zukunftschancen geben und davon sind wir leider weit entfernt.

Wir streichen bei der Schul-Sozialarbeit soviel, dass es am Schluss nur noch eine Alibi Stelle ist, in einer Zeit in der auf Thuns Pausenplätzen zunehmend die Hölle los ist und die Gewalt regiert, dafür leisten wir uns Wirtschaftsförderung ohne Wirkung und einen der teuersten Verwaltungsräte in der Schweizer Stadtregierungs Scene… Schwimmen für alle Schüler/innen hat Priorität, weil wir doch das schönste Strandbad Europas haben… alle Schulen ans Netz, weil ja Microsoft weiterhin Software verkaufen will…  und die ganzen a-sozialen Probleme tun wir schön reden… Eine Drogenabgabestelle für 1.7 Millionen umbauen und kein Geld in die Jugend investieren…… Aber alles ist gut.. das Dampfbähnli im Schadaupark hat einen Riesenerfolg und wer das je bewilligt hat, werden wir sowieso nie erfahren.. was vielleicht auch besser ist. Diese Zeilen  werden aber sicher wieder Konsequenzen haben, weil wir hier alles andere als frei in der Meinungsäusserung sind… Frei sind wir nur im Konsumieren, im Verblöden und im Arschkriechen. Irgendwann müssen wir wieder radikaler werden, uns  wieder einmischen, der Politiker Kaste auf die Finger schauen, unsere Angestellten in der Verwaltung in die Pflicht nehmen, genau nachfragen warum geschnittene Hecken wichtiger sind als Schul-Sozialarbeit, Jugend und Gesellschaftsarbeit…??? Und noch viel mehr..!!!!

Eigentlich fangen wir unsere neue Konzertsaison an, das Old School Programmheft aus dem Hause Mokka gibt Informationen zu den Auftretenden Künstler/innen und auf  WWW.MOKKA.CH gibt es zu den farbigen Bildern auch noch den Ton und viele schöne Foto Galerien mit Titeln wie: Wolkensommer 09 oder  Munimärit 08…

Wir hoffen auf gut besuchte Shows, auf glückliche Kundinnen und Kunden, auf entspannte Runden und schicken euch die besten Wünsche für einen schönen Herbst 2009

Euer MC ANLIKER      1. STELLVERTRETENDER FACITILY SOLUTION  MANAGER MOKKA THUN

CAFE BAR MOKKA

Allmendstrasse 14 | 3600 Thun
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