August 2003

100’000 laufen im Kreis… Gedanken zum Thuner Stadtfest

Nun klettern sie wieder Leitern rauf und runter, rollen Kabel aus, hängen Stromgirlanden auf Brücken, montieren Orange und Blaue Stromverteiler an allen Ecken und Enden der Stadt… Endlich können sie ihr Festmaterial, das für die 2 Trümmligsten Tage des Jahres eingelagert ist, an die frische Luft bringen, wacker Überzeit machen, die dann im Winter bei Skitouren kompensiert wird…  Die Rede ist von der eingespielten Crew der Energie Thun AG, ohne die ein kollektives Stadttrinken ein der heutigen Zeit nicht mehr möglich wäre.
Da mues no ä Schtromer cho… ist bei der Installationsphase des Thuner Innenstadtfestes ein vielgehörter Satz. Jahr für Jahr gleicht die Stadt Thun in den ersten Tagen des Augustes einem Bastelkurs für Profihandwerker, an dem, neben dem Stromern, auch die Crew des Bauamtes Thun eine Hauptrolle spielt. Fahrni Ernst, der Chef der Equipe, ist ein alter Fuchs und er ist bekannt „Im Stettli, aues eine wo de scho luegt…“ Seine Handynummer ist gehüteter als der Thuner Stadtrodel…!

Was 1975 mit dem Zweck, eine neue Fussgängerverbindung zwischen Bälliz und dem Rathausplatz zu finanzieren begann, hat sich in all den Jahren zu einem Finanzierungsmodell für Thuner Vereine und Innenstadtwirte entwickelt.
An 2 Tagen probt die Feldschlösschen AG, die Carlsberger Vertretung und Bähler Tinu eine Art unkoordinierten Irakfeldzug im Gastrobereich. Da werden Ausschanktresen an Bratwurststände, Glücksräder an Glacestände und mobile Pizzaöfen an Kebabstände gestellt in der Hoffnung, dass am Fest das Wetter stimmt, dass Petrus mitspielt und dann gut verkauft wird. Für ein zünftiges Stadtfest ist das Wetter entscheidend… Gut ist es, wenn es nicht zu heiss aber ohne Regen ist. Der diesjährige Sommer ist selbst für ein Stadtfest zu heiss und für all die Vereinsmitglieder, die zum Vorbereiten schon gerne einmal „äs Bierli zwöi“ nehmen, könnte das verheerend  werden…
Wenn es aber regnet… de guet Nacht am Sächsi, da geit de d’Chiubi hingeuse, de louft de grad gar nümm u de geit de ds’Chaos los, u de mues de nid nume dr’Stromer sofort cho, nei de müesse de aube no die vor Führwehr cho… Das isch de Chatzenjammer pur… Aues isch für d’Chatz, gopfertaminonemau, he äs isch ämu wahr.

Das Symbol des Thunfests ist seit Jahren das Riesenrad, das aber schon anfangs Juli gestellt wird und sich täglich, sehr schlecht beschallt, um seine Stahlachse dreht. Wir Einheimischen haben noch nicht herausgefunden von was der Betreiber lebt…klar sieht man zwischendurch einmal ein paar Touristen oder ein paar Familien denen der Eintritt in den <Mystery Park> zu teuer ist oder die beim Grossmärit nicht dabei sein konnten. Familien in den Ferien sind ja schnell einmal dankbar wenn sich nur etwas dreht.

Am Fest laufen dann die Uetendorfer, die aus Feuterseuy, die Interlakner, Frutiger, Sillacher, Burgdorfer und Bieler zu tausenden im Kreis und vorallem die Seeländer….die vo Ipsach, u die vo Pieterle…kommen dann nach Thun. Sie hält nichts zu Hause, auch wenn es jetzt ein paar Wochen keinen Nebel hatt. So im Kreis laufen gibt Durst… u für das hett ja de dr FC Rotschwarz Chüeuschränk..wo d`Schtromer am Fritig hei agschlosse…..
Das Festende ist meistens abrupt und unsentimental…es ist einfach Feierabend und fertig lustig…
ein paar Alkoholleichen liegen noch den Putzmaschinen im Weg.. aber um 9 Uhr hat  die Equipe des Bauamtes die Stadt desinfiziert und wir Einheimischen, die wir vor dem Fest geflohen sind, kommen dann mit dem 9`40 ICE nach Hause und T(h)un so als währe nichts gewesen……

Das grösste Highlight des Stadtfestes ist aber der Abbau des Riesenrades am Sonntag… Und man munkelt, das die Sattelschlepper mit dem zusammengefallteten Rad, an der Autobahnauffahrt Thun Nord an hunderten von Einheimischen vorbeifahren, die ihnen zurufen : Tschou zäme, u göht doch nächscht jahr uf  Ipsach…..!!!

Thunfest 2003 / www.thunfest.ch / das grosse Stadtfestival in den Strassen und Gassen… so fängt der offizielle Werbeslogan des Organisationskommites an, das Plakat hat,mit einem neuen Organisationskommite im Rücken, ein markantes Facelifting durchgemacht und ist erstmals lesbar und informativ und kommt ohne das Schloss Thun aus, obwohl ja letztendlich genau das Programm nicht so wichtig ist, weil: Kultur ist ein dünner Lack, der sich durch Alkohol leicht auflöst.

MC ANLIKER MONSTER OF CEREMONIES
CAFE BAR MOKKA THUN/ JULI 2003

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AUGUST 2003

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