Freitag 23. August 2024, 20.00 Uhr
DAY ONE

SELVE FEST MIT AMARILLO BRILLO

SHINING STARS FOREVER LOVE - 30 JAHRE SELVE-JUBILÄUMS-SHOW!

SELVE FEST

Was sich in den Hallen der ehemaligen Selve zwischen 1989 und 2007 abspielte, war dermassen unkontrolliert und frei, dass es sich dabei um viel mehr als eine von den Besitzern angedachte Zwischennutzung handelte: es war ein blühendes Leben und Ausleben einer Utopie, das Ausloten eines Zusammenseins unterschiedlichster Menschen mit den verschiedensten Projekten und Lebensentwürfen. Bands fanden billige Räume zum Proben und Abhängen, Autoflicker bastelten in riesigen Hallen an alten Karren herum, einer hatte eine umfangreiche Vogelvolière, die, wie noch so einige andere Räume, eines Nachts abbrannte, Künstler*innen konnten sich in ihren Ateliers, die im Winter mehr schlecht als recht mit Elektro-Öfelchen geheizt wurden, uneingeschränkt austoben. Und dann, ab 1991, fanden die Parties ihren Weg in die Hallen, die Tanzfreudigen und auch die Bierseligen strömten an den Wochenenden zu Tausenden aufs Areal. Jüre Schweizer hatte hinter der Halle 6 beim jetzt noch vorhandenen Kamin seine erste Bar und Disco aufgemacht, das «Opus», sehr illegal- aber es war ein Dammbruch, bald organisierten die Roy’s ein unbewilligtes Konzert in der Halle 6 selber, aber von Bewilligung sprach hier eigentlich bald niemand mehr wirklich, die Behörden kamen vorbei und liessen machen. Das Mokka, direkt hinter dem Areal gelegen, hatte wesentliche Vorarbeit geleistet: die Menschen waren unterwegs und wollten sich ausleben, kreativ sein, und feiern.

Der Freiraum konnte ab 1988 entstehen, nachdem Werner K. Rey die Liegenschaften an der Scheibenstrasse verkaufte und die Metallproduktion schrittweise nach Uetendorf verlegt wurde. Der grosse Knall kam 1991, als Rey’s Finanzimperium zusammenbrach, er auf die Bahamas flüchtete und die Metallwerke Selve geschlossen wurden. Für die alternative Szene von Thun und Umgebung tat sich Raum auf für ein Paradies, und nicht nur für sie: Kleingewerbler konnten in billigen Räumen ihren Geschäften nachgehen, in einer grossen Halle wurde eine riesige Rollschuhbahn eingerichtet, und die Event- und Gastro-Lokale schossen aus dem Boden. Die Bands, die irgendwo in einem Selve-Räumchen probten oder einfach feierten, sind ungezählt: Merfen Orange, La Grande Sensation Del Giggerigi, Hynx, Under Her Black Wings, Fuckadies, Roy & the devil’s motorcycle, Amarillo Brillo, Alboth!, So Nicht, und nicht zu vergessen natürlich die Selve Blasmusik mit Arbeitenden aus den Selve-Werken.

Jetzt also ein grosses Jubiläum, der Moment perfekt: vor 30 Jahren, Ende August 1994, haben die Brillos und ihr Umfeld mit vielen befreundeten Bands und unzähligen Freund*innen nahe der Bahngeleise ein OpenAir veranstaltet, das vor allem den Spirit feiern sollte, den sie in der Selve seit einigen Jahren erlebten- mit einem Querschnitt über die damalige Szene: SelveQuer hiess das Open-Air bei den Bahngeleisen daher, die Konzerte fanden auf einer legendären Holzbühne von Daniel Zimmermann statt, eine wahre Skulptur, Ali hat das Ganze überhaupt zum Tönen gebracht, und die Bilder, die Christian Helmle geschossen hat, sind Ikonen. Die Polizei fand sich zehn vor zehn ein und zog Punkt zehn Uhr den Hauptstecker, soviel Ordnung musste dann schon sein- es kümmerte sie dann aber auch nicht weiter, als die Brillos ihr Konzert nach kurzem Unterbruch fortsetzten.

Wenn mensch heute die Scheibenstrasse entlang spaziert, kann bei der altehrwürdigen Halle 6 noch etwas von der Selve-Luft atmen, eine Ahnung davon bekommen, wie hier einmal die Bässe gestampft haben, genagelt und geschraubt wurde- wenn mensch will, kann immer noch ein Prickeln von Abenteuer und Freiraum wahrgenommen werden. Wärmstens empfehlen wir den fantastischen Bildband «Selve» von Christian Helmle, mit Bildern aus den 1970ger Jahren bis in die heutige Zeit, und einem super spannenden Abriss über die mehr als hundertjährige Geschichte der Selve. Von Christian Helmle sind auch die hier abgebildeten Fotografien – ganz herzlichen Dank hierfür, Sand!

Das alles jetzt dreissig Jahre später im Mokka zu feiern, macht Sinn: eine so unkonventionelle Entwicklung in der Selve wäre ohne Bädu und seinem Club gar nicht erst denkbar gewesen: die Stadt hatte nach acht Jahren Mokka, und dem nachhaltigen Insistieren von Bädu für die Kultur im Allgemeinen, begriffen, dass es allen gut tut, wenn mensch sich leben lässt und dafür Raum einnehmen kann. Auch dafür soll dieses Jubiläumswochenende stehen: ein Feiern einer Entwicklung einer Vision, die, einmal in Fahrt gekommen, wunderbare Kurven genommen hat, weiter am Blühen ist und dahin gehen will, wo alles Liebe ist: und Frieden.

AMARILLO BRILLO

Sommer! Liebeslieder! Viel Wind vom See im zerzausten Haar- die hoffnungsvollen und unverbesserlichen Romantikerinnen der Brillos lassen für Euch Ihre Herzen bluten: das Feuer!! Von innen nach aussen. Zusammen sein. Es geht um alles: es geht um die Liebe. Man weiss nie genau, wie es herauskommt. Wie sie spielen. Manchmal komnmt es gut. Henry verheddert sich in der Lametta, und und sie alle lächeln, und biegen in die nächste tieftraurige Akkordeonmelodie ein: der Raum ist gefüllt mit Liebe. Wie singen sie in einem ihrer schönsten herzergreifenden Lieder: «get your stars out / get your shine on / and your heart is beating on» – um nicht sogar zu sagen: «shining stars / all around you»….. Bei den Konzerten sind die Brillos eher noch ungestümer als zu den ganz wilden Anfangszeiten, Henry’s Sprünge noch höher und tänzerischer, seine Kostüme immer noch glitzernder- schweben und treiben auf brechenden Echos.

Auch wenn Henry eigentlich ununterbrochen am Hits Schreiben ist- die wenigsten davon trifft man je in einem Brillos-Repertoire oder gar auf Tonträger an, da ist er dann doch zu lazy oder auch zu wenig ehrgeizig oder auch zu wenig talentiert, um die Songs wirklich auf den Punkt und zu Ende zu bringen. Wie geht das Lamento der Brillos: die Songs wären grossartig, wenn nur Henry schöner singen, besser Gitarre spielen, zwingender arrangieren würde. Die Veröffentlichungen der Brillos sind sehr überschaubar, genau gesagt sind es drei Platten: zu Selve-Anfangszeiten haben sie im Mokka bei einem Konzert Ende 1991 die legendäre «Tundra Wind»-EP aufgenommen, dann ein Jahr nach dem Selve Quer 1994 in Schaffhausen bei Olifr Guz Mauermann selig die wundervolle Platte «Sixteen Moons», auf welcher einige Stücke zu finden sind, die auch heute noch einen Teil der Konzerte ausmachen. Und dann natürlich «is a river», aufgenommen in der heutigen Besetzung und vor 12 Jahren erschienen, gespickt mit den zauberhaftesten Brillos-Klassikern. Die jüngsten Hits kennt mensch von den Auftritten, auch von Henry&Didier im fulminanten Lovesongs-Duo.

Dieses Konzert jetzt hier im Mokka: zum Feiern der Zeit in den Neunziger Jahren in der Selve, vor 30 Jahren im August 1994 haben die Brillos zusammen mit ihren Freund*innen ein Open-Air mit einigen der damals in der Selve beheimateten Bands veranstaltet: das SelveQuer, ein Happening, ein Zusammensein. Die Brillos hatten da schon einige Jahre ihr Rüümli in einem fahrlässig brandgefährdeten Dachstock über den Giessereihallen: aus einer ursprünglichenTöffli-Clique gegründet, nachdem sie im Mokka von Bädu mit der Live-Musik sozialisiert worden sind, die im Underground spielte, dislozierten sie im Herbst 1988 aus ihrem miefigen Raum im Kühlhaus beim Bahnhof in diesen staubigen Estrich. Nach den Mokka-Abenden zog man von nun an jeweilen weiter in die Selve, staunte in den Hallen, wie die heavy Arbeiter Metall gossen, und hängte sich mit den Freund*innen im Übungsraum in die Sofas, während die, die noch konnten, irgend etwas an den Instrumenten ausprobierten. Beim bald folgenden „Werner K. Rey“-Fest in einer stillgelegten Selve-Halle versuchte Bädu mit Miller beim Brillos-Auftritt  die PA-Boxe aussen links am Herunterfallen zu hindern- nach der Show fragte er sie für ein Konzert im Mokka, und alles nahm seinen Lauf.  Lasst uns also feiern! Eine verträumte Sommernacht lang- das Abendrot am Himmel, die Pailletten poliert, das Mokka herausgeputzt! Come on, you Brillos! Sparkle & shine forever love!

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