Samstag 22. Oktober 2011

EVELINN TROUBLE

DÜSTERE BEATS EINER JUNGEN FRAU...

EVELINN TROUBLE mag böse Überraschungen. Und EVELINN TROUBLE mag Lärm. Die süssen Popmelodien ihres Debuts „Abitrary Act“ sind kaum verklungen, da schickt die 21jährige Zürcherin ein zweites Album an den Start, das die alten Schubladen und Vergleiche per Arschtritt ins Jenseits befördert. „Television Religion“ ist ein Befreiungsschlag, strotzend vor Wut und Energie und gleichzeitig sanft und düster. Als EVELINN TROUBLE vor drei Jahren die Musikszene enterte wurde sie noch in einem Atemzug mit Sophie Hunger und Heidi Happy als Singer/Songwriter – Nachwuchshoffnung gehandelt. Ihr Erstling, in Eigenregie aufgenommen und vertrieben bescherte ihr eine treue Fangemeinde, Kritikerlob und eine Schar von illustren Bewunderern. Eine davon war besagte Sophie Hunger, die Evelinn Trouble kurzerhand als Backingsängerin mit auf Tour nahm. Doch diese Zeiten sind vorbei. Im Duo mit dem Bassisten Flo Götte hat sich Frau Trouble neu erfunden – indem sie zu ihren Wurzeln zurück- gekehrt ist. Zum Rock und Grunge ihrer allerersten Band LORRY, mit der sie durch Bars und besetzte Häuser zog um sich ihre pubertären Leiden vom Leib zu schreien. Und auch zurück zur Wut, zur Disharmonie und zum Protest.

Man hat sie die uneheliche Tochter von Patti Smith und Thom Yorke genannt. Auf ihrem neuen Album zeigt sich, dass der Vergleich berechtigt ist: „Television Religion“ ist ein Bastard aus Progrock und zornigem Postpunk. Über den stolpernden Beats der Drum-Machine kämpfen giftige Synthiespuren mit Flo Göttes brachialen Bassläufen, auf tanzbare Elektro-Rock Hymnen folgen verführerisch kühle Balladen à la Twin Peaks – und mittendrin steht EVELINN TROUBLES unverkennbare Stimme und besingt die Widersprüchlichkeiten der humanen Existenz. Ein Album wie Starkstrommasten, gebaut aus Krach und Groove. Musik, die man am besten hoch auf einem Berg in voller Lautstärke hört, Musik für die letzten Tage auf dem Planeten Erde, verzweifelt und überschwänglich: „Television Religion“.

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