Sonntag 26. März 2006

BOUBACAR TRAORE

SPIELT DEN MALI BLUES

Grossartige Geschichten aus Afrika :

BOUBACAR TRAORE aka Kar Kar ist ein harmonischer Widerspruch, ein Musiker, dessen Kunst und Biografie weniger durch Balance, als vielmehr durch Extreme auffallen. In den sechziger Jahren ein Idol für die ganze afrikanische Westküste, in den siebzigern vergessen, in den achtzigern wieder entdeckt und in den neunziger Jahren auf ausgedehnten Tourneen durch Europa und Amerika. Er wurde mit vielen Popgrössen verglichen. Elvis Presley musste als Vergleich ebenso herhalten wie Johnny Hallyday oder Chuck Berry. Und man betitelt seine Musik als Blues – alles Vergleiche, die andeuten, dass es beinahe ein Ding der Unmöglichkeit ist, die Lieder von Kar Kar zu definieren.
Hören wir in den westlichen Industriestaaten den Begriff „Blues“, hören wir auch gleich hunderte von Beispielen in unserer Erinnerung durcheinandertönen – aber solche Musik macht Kar Kar nicht. Er ist auch nicht funky wie der Godfather of Soul James Brown, mit dem er auch hin und wieder verglichen wird. Dies sind alles nur Statusangaben, welche zeigen, in welchem Masse er zuhause in Mali von Musikerkollegen und Landsleuten verehrt wird. Seine Musik tönt ganz anders. Nimmt man „Blues“ nicht als Musikform, sondern als Gefühlsbeschreibung, kommt man der Sache schon einiges näher.
Kar Kar ist ein Geschichtenerzähler und seine Weigerung, diese Geschichten zu erklären, zu deuten, macht es uns Bilder-Hungrigen nicht einfach, deren Sinn oder Hintergrund zu begreifen. Er erzählt von afrikanischen Traditionen, die den Weissen in ihrer Symbolik und Exotik oft verschlossen bleiben. Er besingt die Liebe mit all ihren menschlichen und tragischen Schattierungen, die Liebe zu seiner verstorbenen Frau, zu seinen Kindern, ohne dass der Schmerz über das tragische Schicksal dieser Liebe seine Songs schwer oder leidend macht.

BOUBACAR TRAORE ist kein Musiker, dessen Lieder man erklären kann, dessen Bilder und Stimmungen man analysieren muss, man muss sich ihnen aussetzen. Dann erlebt man vielleicht ein Afrika jenseits von Klischees und Vorurteilen.

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