August 2008

WETTER, WIRTSCHAFT, WERBUNG UND ANDERES ZUM SAMSTAG

Jedem und jeder seine/ihre Party, das ist heute so was von normal, der öffentliche Raum als Spielboden für alles und jeden… Im Sommer, der jetzt Wirklichkeit wird, zum Beispiel  die Strasse als grosser Kampfraum ohne Einschränkungen, geleaste Kampfmaschinen als Spielzeuge für schwanzfixierte Vollidioten, die mittlerweile nicht einmal mehr Anzahlungen an ihre Brennstoff-Vernichter zahlen müssen, weil die Autoindustrie um jeden Kunden mit vollem Einsatz wirbt. Lange dachten wir, dass ein Umdenken stattfinden wird, dass der Mensch vernünftiger und eher zum Verzicht bereit werden wird.. denkste.. in den letzten Jahren sind die ganzen Errungenschaften von 20 Jahren Bildungs- und Sensibilisierung Arbeit im Bereich Umwelt und Gesellschaft egalisiert worden und die viel besprochene Klimaveränderung ist heute eine Tatsache, die ich hier in Thun am kleinen Mikrokosmos meines 3 Quadratmeter kleinen Balkons täglich beobachten und spüren kann…  der Balkon hat am Morgen, bei schönem Wetter, extrem viel Sonne und  ist zudem sehr Wetter exponiert. Vom Wind und massiver Sonneneinstrahlung sind die Pflanzen dauernd ausgetrocknet oder sie faulen nach drei Wochen Regen, um dann nach zwei Tagen Sonne wieder am Vertrocknen zu sein. Extreme Wetterwechsel, die nicht nur meinen Balkonpflanzen zu schaffen machen… Aber eben, unser hoher Luxus-Lebensstandart ist so auf Konsum ausgelegt, dass wir gar nicht zurückstecken wollen… zurück ist Niederlage, das lernte uns die Wirtschaft in den letzten 20 Jahren und irgendwie ist es doch immer gegangen… und war das Wetter nicht schon früher so…??  Hey Mann, mach itz ke Schtress, itz weimer doch zersch mau d’EM fire u de chunnt de no d’Olympia u nähr chöimer de mau luege was mer chönnte mache…

Die Signale, die von der Wirtschaft und der Politik via Werbung in unsere Hirne gesendet werden, sind so was von unverantwortlich geworden, dass ich heute soweit bin darüber nachzudenken, ob wir nicht einfach Ethikkomissionen für die Werbung brauchen, Einschränkungen, eine Art Tabuzonen… Keine Offroader, die durch Wüsten brettern und die völlig sinnlos im Takt mit dem Tennisspiel von Raphael Nadal, sliden und Vollbremsungen vollführen, keine Salatköpfe mehr, die aus Migros-Filialen katapultiert werden, keine Werbung mehr für Telekommunikations-Produkte, von denen man genau weis, dass damit viele gerade junge Leute voll in die Schuldenfalle tappen und die öffentliche Hand via Sozialdienste die Zeche zu Bezahlen hat, oder das Verursacherprinzip wieder anwenden, z.B. Gratiszeitungen für die Entsorgung ihrer Junkblätter zahlen lassen oder der UEFA den ganzen Aufwand für ihre Fussball EM berechnen… usw. Das würde viel Geld sparen das dann anderswo wieder zur Verfügung stehen würde, in einer Zeit, wo in Gemeinden wie Thun ganze Stäbe von Hobby- und Berufspolitiker/innen alles und jedes nach Spareffekt durchleuchten und die dann selbst bei der eigenen Grossmutter noch Spareffekte ausmachen. <Weniger Staat>  ist eines der  Lieblingswörter der Wirtschaft, das genau solange gilt, wie die Wirtschaft die Gewinne einfahren kann, für die Entsorgung der wegrationalisierten Menschen sind dann die staatliche Invalidenversicherung und die örtlichen Sozialdienste zuständig. Aber easy, Firmen müssen halt heute pro Jahr 10-15% zulegen, sonst sind sie nichts Wert und Wachstum hat halt auch seinen Preis, das ist das Diktat der Finanzwelt und dafür müssen wir kleinen Fische Verständnis haben, weil wir doch auch gerne zwischendurch ein Lindorkügelchen als Belohnung auf unserem Frühstücksteller haben… ämu mindeschtens am Sunntig… näbe dr Züpfe…