Dezember 2012

WENN DER GLANZ DES HERBSTES WEG IST, WIRD ES MANCHMAL SCHWIERIG. 

Wenn der Glanz der Sonne weg ist, sieht vieles plötzlich wieder sehr öde, grau und trashig aus, viel öder noch als vor ein paar Tagen, als die letzten goldenen Herbsttage ihre ganze Pracht entfalteten und die Augen nur so gestreichelt und gefüttert wurden von diesem Traumlicht…. Irgendwie schlägt mir das voll auf die Seele und beim morgentlichen Blick aus dem Fenster, in die erste Nebelbank dieses Herbstes, wird die Leere und die drohende Kälte so gross, das man aus Verzweiflung am liebsten das Duvet essen würde in der Hoffnung, dass es einem von innen warm gibt… Diagnose Herbstdepression… irgendwie habe ich davon auch schon gehört… Gestern haben wir alle nicht winterfesten Pflanzen vom Club zusammengestellt, damit sie heute in das Treibhaus zum Überwintern transportiert werden können, und jetzt herrscht natürlich auch hier grosse Öde. Selbst die nicht endenden Aushubarbeiten auf dem Gerberareal wirken jetzt, trotz Gelb leuchtenden Baggern, viel trister als vor Wochen. Ich wundere mich sowieso schon lange, das diese Bagger noch nicht in Ougadougou / Burkino Faso rausgeröhrt kamen… So oder so, für einen Minergiebau ist schon verdammt viel Energie verbraucht worden und wenn man die Lärm-, Staub- und Abgas-Emmissionen auf ein Konto speichern würde und dann in einer Vergleichsbilanz mit dem zukünftigen Friktionspotential Wohnen-Musikclub verrechnen würde, dann könnte CAFE BAR MOKKA noch sehr lange die wildesten Partys feiern, an der Allmendstrasse 14.

Da wir aber wissen, das Investoren nicht allzu grossherzig sind, wenn es um Nachbarn geht,

haben wir im August 2012 eine Petition lanciert, die die Stadt Thun auffordern wird, alles in ihrer Macht stehende zu t(h)un, damit wir, als Musikclub, nicht unmittelbar nach Bezug des neuen Wohnraumes an der Allmendstrasse, das Messer am Hals haben. Die Sammlung der Unterschriften lief sehr gut, so gut, dass wir nach 60 Tagen die stolze Anzahl von 9500 Unterschriften zusammenhaben. Nun liegen diese Papierberge hier bei uns zur Übergabe an die Thuner Behörden parat… Das gibt ein schönes Bild ab. Schade ist, das jetzt unser Briefkasten wieder zum normalen Ablagefach für Werbung wird… Die vielen Briefchen mit ausgefüllten Petitionsbögen und Postkarten mit aufmunternden Worten, die in den letzten Wochen bei uns ankamen, werden definitiv fehlen. Es war so eine Art: The Return of the Postbox… Mir hat das gefallen, auch das Engangement der vielen jungen Menschen, die das Komitee <This City needs> bildeten und dabei viel positive Energie freisetzten, etwas, was in der heutigen <Knöpflein-drücker> und <runter-saug> -Zeit nicht mehr so selbstverständlich ist. Auch für das Komitee wird nach der Petitionsübergabe alles wieder anders, und was sie aus dieser Zeit mitnehmen, wird sich zeigen.

Eine Reise durch das neblige Mittelland nach Zürich Oerlikon, wo ich beim Glattpark einen Medientermin wahrzunehmen hatte, hob meine dunkle Grundstimmung in keiner Weise… wie sollte es auch? Pro Mensch unter 22 Jahren kommen heute 4 Dosen Energie Drinks, 1 Smartphone und ein paar Turnschuhe und das Mittelland ist voll von Kids unter 22. Das Medium, das ich besuchen musste, ist zufällig spezialisiert auf die Jugend, und so war der ganze Laden auch voller solcher Kids. Im gleichen Gebäude befindet sich noch eine Schule für… das war eben nicht ganz ersichtlich, aber alle Mädchen sahen gleich aus und zwar so, als möchten sie Models werden… und so war mein Wochenbedarf an Jugend wiedereinmal gedeckt, und das noch vor der Wochenendarbeit in einem Musikclub, der von junger Kundschaft lebt…… In solchen Momenten ahne ich, dass ich wirklich langsam Alt werde.

Und dann definitiv auch noch: Too old to die young!!! Ja, was macht man da.? Man geht in sich, kratzt an der Lebenserfahrung und weiss dann, dass morgen wieder ein neuer Tag kommt und dass der sicher besser werden wird als der heutige, und dass Tiefs zum Leben gehören wie der Nebel zum Herbst und der Schnee zum Winter… Hold the Line..!!