April 2015

WENN DER FRÜHLING DANN KOMMT… KULTUR KMU`S IM ABSTURZ… GITARRISTEN SIND IDIOTEN UND ANDERES VON MC ANLIKER  ZUM APRIL 2015

Unglaublich wie der Frühling wirken kann… kaum kann man die Bürofenster wieder offen haben

wird das ganze plötzlich sehr quirlig, bewegt und nervös. Man sieht dann in der Wohnung, im Büro, im Club all den Staub, den Mief der letzten Monate und man weiss, das einem nun wieder ein neues, riesiges Problem zentnerschwer im Nacken liegt… Ich höre schon die Stimmen in mir: Hey MC sötsch de öppe d`Wohnig putze… Scheisse..!! Wir leben ja sonst schon in der Zeit des ewigen <Versagens> und dem Gefühl des allem hinten nach rennens.. zumindest mir geht das so. Ich bin den ganzen Tag <online> und erhalte dadurch soviele Informationen von weiss nicht was allem, von wo auch immer, das mein Hirn irgendwann so deformiert ist, dass ich gar nicht mehr weiss, warum und wesshalb ich dies oder das andere mache und nicht das andere und dies..!!! Es gibt Shows bei denen man sich fragt, warum man diesen Act gebucht hat und nicht irgendetwas anderes… vielleicht, etwas was mehr Erfolg gehabt hätte, wobei durchaus nicht mehr klar ist, was Erfolg haben könnte.

Was aber funktioniert heute noch richtig?? Die grossen Acts sicher besser als die No Name Geschichten, die wir auf unserer Bühne machen, denn für diese Geschichten braucht es Menschen die sich für Musik interessieren; und sich für Musik interessieren, hat wenig mit Musik streamen oder downlouden zu tun. Äs Chnöpfli drücke u nüt drfür zahle isch z`billig..!!! Musik wird so zur Billigware, überall und immer verfügbar, in der seelenlosen Mp3 Qualität über das Telefon… total emotionslos.. Wenn Leute dann einmal an ein Konzert, z.B. im MOKKA Thun gehen, dann kostet es Eintritt, es hat sehr wahrscheinlich wenig Besucher/innen, die Band spielt mehr als den Hit, den man sowieso nicht kennt und dann flickert vielleicht noch der rechte <Front of House> (FOH) Lautsprecher… so Scheisse + unattraktiv kann live Musik sein… und dazu verdammt frustrierend für Besucher, Veranstalter und Künstler… zum Glück ist es ja vielfach auch mit wenig Besucher/innen eine schöne Sache. Hey MC äs isch guet… nimmsch haut chli Johannischrut..!!! eine gute Meldung habe ich aber noch: Wir haben das <Fullhouse> immer noch gut im Griff, obwohl es dieses Jahr erst 1 x richtig voll war und 2 x gut besucht… der Rest geht unter Wohnzimmer-Konzerte… Was machen wir falsch..??? Für mich persönlich kann ich sagen: eigentlich nichts… unser Programm ist wie immer von guten Eltern, nur wer will schon etwas von den Eltern…

Als Booker vergleicht man seine Arbeit und das daraus entstehende Programm, dauernd mit Programmen von anderen Clubs und Kulturzentren. Das war schon immer so, aber seit man online ist, vergleicht man mit noch mehr Angeboten, europaweit, weltweit. Das ist im Fall die Hölle.. das macht auf dauer krank, depressiv und vorallem unzufrieden… Die vielen Läden und Clubs sind nämlich in keiner Art und Weise miteinander vergleichbar… jeder Ort, jede Stadt, jede Region tickt anders. Provinz ist nicht Grossstadt, Bern ist nicht Zürich… Zürich ist nicht Berlin… Thun ist nicht Bern… und die Deutschen verstehen uns sowieso schon ewig nicht… In der Provinz kannst du zwar in Ruhe arbeiten, hast aber mehr Mühe das Produkt zu verkaufen… da Thun definitiv nicht Zürich ist… können wir hier aktuellste, Avangarde bringen und der Laden ist leer. Wenn jemand in Zürich in eine Ecke pisst und das gut deklariert, ist der Event schon gut besucht… wenn jemand in Thun auf dem Mühleplatz einen I-Pod in eine Anlage steckt, ist der Erfolg sicher grösser, als wenn wir eine angesagte Indie-Band aus Manchester auf unserer Bühne präsentieren.

Für ein Programm wie wir es anbieten, sind in einem Kulturzentrum im Vorarlberg /Österreich 3-4 Booker, ein Büroteam und eine Haustechnik Crew angestellt … in den USA gibt es Clubs die pro Woche 40-50 Bands durchreichen und vielleicht nicht einmal einen Booker haben… beim Auschecken der Bands für unser Festival AM SCHLUSS 15 wird es dann noch perverser… da sieht man Grossproduktionen mit 150 Moving Heads am Bühnenhimmel aufgehängt, die Bühne grösser als die gesammte Fläche unseres Hauses inkl. des Gartens… davor 20.000 gutgelaunte Menschen die alle eigentlich nur Party wollen… alle sind vom 1. Ton an am hüpfen und yeah..!!! Ich kann mir realistisch vorstellen wie kompliziert die technischen Raider der Bands sind, wie kompliziert der Produktionsleiter  sein wird und wie hoch in etwa die Gage sein wird!!! Meistens muss ich dann sagen: MC, vergisses..!! Wir müssen an unserem Festival um 20.00 Uhr mit den Shows beginnen… die Sonne, wenn sie scheint, leuchtet die Bühne so krass aus, das man eine Sonnenbrille braucht… unsere Lightshow wirkt meistens erst ab 21.30 Uhr so richtig, eine halbe Stunde vor Showende..!!! Die Videos auf denen ich die Bands checke sind aber alle in der tiefen Nacht gedreht und viele Acts und ihre Effekte wirken nun einmal in der Nacht besser, weil in der Nacht vieles im Dunkeln bleiben darf… und das ist gut so!!!

Zur Nacht hat Ariane von Graffenried, nach ihrem grossartigen Auftritt mit Fitzgerald & Rimini am Donnerstag 19. März 2015, vor 25 Besucher/innen, folgende Zeilen in meinen Mac getippt:

…Das Aderwerk der Strassen tickte, Nachtschwärmer nickten glücklich ein. Und irgendewo in einer schicken Carloft küsste ein müder Kunde einen Callboy. Dreissig Euro kostet ein Schäferstündlein der Republik of Fun.

Mit der ersten Sonne flog ein Falke über das Plateau. Eichen rauschten am Saum des Waldes. Wir lauschten, wie sie komponieren und hofften auf eine Zeit, an die wir unser Herz verlieren.

Und dann sagte René: „24 Stunden sind kein Tag.“ Und André: „Was steht unter dem Strich?“ Und wie lange dauert dann ein Leben?“, fragte ich. TEUFELSBERG, FITZGERALD & RIMINI, 2015

Nicht schlecht wenn man Schriftsteller/innen zu Gast hat.. finde ich. Merci Ariane.

Man könnte den Verstand verlieren,wenn man einen hätte… Das habe ich vor Jahren einmal gedichtet und natürlich noch viel mehr, in all den Jahren… und diese Jahre machen es eigentlich aus und die grosse Erfahrung und die grosse Geschichte von CAFE BAR MOKKA und… hart im nehmen musste ich eigentlich schon immer sein. Die lange Clubgeschichte war und ist kein Sonntagsspaziergang mit …chli chille u chli grille… Der 29. Frühling unseres Clubs kann ja durchaus noch eine grosse Sache werden… wer weiss?!!! Bis zum Bühnen-Saisonende im Juni 2015 sind ja noch einige richtige und wichtige Namen am Start, das sollte mich eigentlich zuversichtlich stimmen… zumindest langweilig wird es mir nicht wirklich werden in den nächsten Wochen. Denn die Arbeit für eine Show ist die gleiche, ob sie von 20 oder von 200 Leuten besucht wird und: Besiege deinen inneren Schweinehund, Tag für Tag! ist auch eine Art Zen Buddismus und erst noch produktiv… Die Showbranche ist immer sehr Emotional, an einem Tag kann <Fullhouse> sein, am nächsten Abend sind dann wieder normale Zahlen zu vermelden, das heisst der Raum ist fast leer und damit muss man umgehen können. Auch Technisch kann immer wieder etwas passieren, was in all den Jahren noch nie passiert ist.. und man muss dann sofortige Lösungen suchen und natürlich auch finden. Man kann noch so grosse Erfahrung haben, zwischendurch steht man aber einfach mit einem Blackout im Raum und immer dann, wenn man denkt: heute wird es easy, quasi ein Sonntagsspaziergang.. geht die Scheisse ab. Künstler/innen sind ja vielfach auch ziemlich beschränkt und die wenigsten haben einen Blick für das ganze..

Wir als Veranstalter aber müssen ganz klar den Blick für das ganze haben, weil wir sind die, die auch am nächsten Tag noch da sind, wenn die Musiker schon längst irgendwo ihr unwesen treiben

oder sich zuhause 2 Tage erholen, von den Strapazen des Rock`n`Rolls`s… Meine Lieblings-spezies der Musiker sind immer noch die Ignoranten Gitarristen, die zum Teil wirklich nur Gitarre spielen können und zudem mit ihren Gitarrenverstärker ziemliche Macht ausüben… Mit ihnen habe ich mich schon viele Stunden in meiner MOKKA Karriere rumgestritten. Gut, wenn ANLIKER-THE MONSTER OF CEREMONIES mit dem langen Küchenmesser, mit dem er in der Küche gerade Gemüse schneidet, vor der Bühne steht und sehr bestimmt den Gitarristen auffordert seinen Verstärker mindestens 3 Punkte zurück zu stellen, löst das natürlich sofort Kastrationsängste bei diesem zarten Gewächs aus… Generell ist der Lautstärkenregler am Gitarrenverstärker die Potenz des Spielers und weniger Lautstärke ist dann weniger Potenz! und das geht natürlich gar nicht. Wir aber  können auf diese Männerprobleme wenig Rücksicht nehmen, weil wir die Lizenz für den Betrieb besitzen und Verantwortung für uns und unser Publikum tragen.

…Wenn eine Strassenbahn einmal aus der Schiene springt, kommt sie nie mehr wieder Und wenn ein Kontrolleur dich laufen lässt, tut er das auf eigne Faust Wer die Monatskarte hat, sollte besser nicht am Monatsanfang sterben Und hier ist Endstation, hier geht es nicht mehr weiter, hier steigen alle aus. …Komm mit mir woanders hin, ich weiss noch einen Weg Denn kann man nicht alleine gehen, und ich hab mir überlegt dass alles, was ab jetzt geschieht, mich nicht meht interessiert wenn du darin nicht vorkommst, bitte bleib bei mir… Element of Crime <BITTE BLEIB BEI MIR> auf dem Album: Immer da wo du bist bin ich nie.

Also, das währe es wieder einmal gewesen mit der Schreibe aus dem Hause CAFE BAR MOKKA…

Liebe Leute, macht uns glücklich und reich!!!! Auf einen erfüllten Monat April 2015!!!!

HERZLICHSTE GRÜSSE AUS DER KLEINEN STADT AM RANDE DER GROSSEN ALPEN.. SCHICKT EUCH MC ANLIKER  HÜTER DER TRADITIONEN CAFE BAR MOKKA THUN