Mai 2015

UNSITTEN, DIE NERVEN… VELOFAHREN ALS ZEN BUDDHISMUS… U DE NO ÄS SCHÖNS TÄGLI… GÄUET..!!

Bekanntlich bin ich ja ein bekennender Velofahrer, habe nie eine Autoprüfung gemacht und noch nie in meinem Leben ein Auto gefahren… in Anbetracht der schlechten Wetterprognose für diese Woche, verliess ich am Montagabend mein Büro früher als normal und stieg auf mein geliebtes Velo. Thun ist ja nicht gerade die Velometropole an sich, aber wenn man unerschrocken und ortskundig unterwegs ist, kann man <easy-going> einige Kilometer fahren und dabei die Gedanken kreisen lassen. Eine neue Scheissmode, die mich extrem stresst, beschäftigte mich bei dieser Fahrt. Neuerdings wird mir von jungen Serviceangestellten und Verkäuferinnen immer: Äs schöns Tägli… gewünscht, ich überbeisse jeweils fast und wenn es dann noch, wie in Beizen oftmals üblich, im Altersheimton daher kommt, ist mein Tag jeweils dahin, obwohl es erst Mittag ist. Hey Anliker, tue nid schwirig..!! Ich kann mir aber noch so gut zureden, es nervt!! Ein Tag ist für mich ein Tag, eine Einheit und jeder Tag gibt mir eine neue Chance, ein besserer oder erträglicher Mensch zu werden… oder was auch immer. Verniedlichungen haben ja vor allem bei legalen Drogen eine grosse Tradition… Äs Haubeli… äs Chübeli… äs Schtängeli… äs Fläschli… sind gängige Bezeichnungen bei der Droge Alkohol, äs Pilläli… äs Tablettli… sind weitere. Klar sind auch die Kiffer nicht besser… äs Tütli… äs Jointli… und dann: Äs schöns Tägli!! Vom Missbrauch von Alkohol kann man aber eine Leberzirrhose kriegen und nicht ein Leberzirrhöösli… und vom Kampfkiffen kriegt man definitiv einen THC-Schaden und nicht ein THC-Schädeli..!! Alles klar??? Denn: Ohne Klarheit in der Sprache ist der Mensch nur ein Gartenzwerg… Das textete einst mein Freund Sven Regener, Sänger der Band Element of Crime aus Berlin und Recht hat er.

Ich fuhr also an diesem schönen Montagabend, von der Allmendstrasse, der Aare entlang zum Bahnhof, die Seestrasse hoch, durch den Schadaupark (illegal-scheissegal), Rougemontweg, sah mir den tristen Budeler an, weiter zum Strandbad, Baustelle Seespiele, Lindermatte, Campingplatz, Bonstettenpark, Schoren Dorf, Bostuden, Robinsonspielpatz, Sustenstrasse, Feldstrasse, Talackerstrasse, durch diverse kleine Wege, zurück an die Allmendstrasse… entlang an hunderten von bewirteten Gärten ohne Menschen. Auffallend viele rasende Autos, mit extrem agressiv tönenden Motoren, begleiteten mich auf diesen geschätzten 8 Kilometern. Auch eine Mode, die ich als extrem zunehmend wahrnehme!! Idioten, die mit den neuen Euro-Rabatten und tiefen Leasing- Raten noch günstiger zu diesen Potenz-Schleudern kommen. Eine unnötige Entwicklung, aber scheinbar durchaus akzeptiert. Röhrender Motor = Potenter Mann! Quasi geleastes Viagra!!!

  

So eine Fahrt durch die kleine Stadt am Rande der grossen Alpen ist vor allem auch eine Fahrt durch das Hier und Jetzt und regt die Gedanken, über was hier genau geht, an.  Und da ich stelle mir schon zwischendurch die Frage: Wie geht es euch da draussen  eigentlich? Ihr schaut meistens so unglücklich aus, zu Tausenden lauft ihr mit Blick auf euren mobilen Knochen, plan- und kopflos durch die Welt, kaum mehr seid ihr im Hier und Jetzt, nehmt eure Umgebung nicht mehr wahr und seid für gar nichts mehr offen. Eure, vielleicht zu viele, Freizeit verbringt ihr auf der Suche nach noch mehr, z.B. Ablenkung… nach noch fetteren und süsseren Lebensmitteln oder nach noch billigeren Verblödungs-Tools. Wir haben als Gesellschaft so an Gewicht zugelegt, in den letzten 4–5 Jahren, dies aber leider nur physisch, viele Menschen hier lassen ihre Ärsche und Bäuche so schamlos wachsen, wohl auch, weil die Kleiderindustrie immer billiger und ausbeuterischer produzieren kann und es mittlerweile keine Rolle mehr spielt, ob 1 oder 2 Quadratmeter Stoff für eine Hose, die Fr. 19.90.- kostet, verbraucht wird. Hauptsache: U de äs schöns tägli..!!

In Sachen zu- und abnehmen, weiss ich sehr gut, wovon ich spreche. Die Versuchung, weisse Pasta, weisses Brot und andere, für mich ungesunde Lebensmittel, zu konsumieren, lockt an jeder Ecke… Food-Corners wohin das Auge reicht und die Nase riechen kann… die durch einen erbarmungslosen Preis- und Positionskampf in der Lebensmittelbranche stetig sinkenden Lebensmittelpreise sind für Menschen, die ihr Gewicht unter Kontrolle haben sollten, pures Gift. Zunehmen ist schnell gemacht, aber Abnehmen ist härteste Willenssache und da nützt dann auch kein: äs schöns Tägli…  denn abnehmen tut man nicht in Tagen… und schon gar nicht in Tägli… nein, das dauert meistens Wochen, Monate oder Jahre!!!  Bei mir sind es jetzt dann schon 4 Jahre, in denen ich mich täglich mit den Versuchungen rumschlage… dabei das Gewicht, seit 3 Jahren in der Toleranz von 1–3 Kilo, aber auf einem zu hohen Wert, stabil, labil.