Juni 2007

TSCHÜ…TSCHÜ…TSCHÜ… ÄS ISEBÄHNLI CHUNNT, FREAKS U MÜNDEGI BÜRGER GÖHT UF ZITE… ROTE WÜRFEL MIT VIEL WERBUNG WERDEN WIR IN ZUKUNFT SEHEN… WO BLEIBT DA NOCH PLATZ UM DIE SEELE BAUMELN ZU LASSEN..???? DER JUNI 2007 BRINGT DIE INNOVATION FÜR THUN

Nun soll es also wahr werden, was ich bis jetzt für einen schlechten Aprilscherz gehalten habe… Ein paar stadtbekannte Nostalgiker wollen doch wirklich im Herzen des Entspannungsortes  Schadaupark eine nostalgische Dampfbahn bauen, ein Isebähnli, das an Wochenenden im Sommer jeweils durch den Park tuckert und zur Erfreuung der Dampffetisch= isten alle 2 Minuten Üüüüüüühhhhh.. Üüüüüüühhhhhh…. macht. Vorne wird ein Student einer technischen Hochschule im Nostalgie-Lokführer-Outfit sitzen und den Grosis und Opas zuwinken, so härzig. Als ich das zum ersten Mal hörte, dachte ich: Das darf nid wahr si… so öppis hett doch ke Chance bewilliget zwärde. Nun lese ich aber <im Blettli> das der Gemeinderat der Stadt Thun quasi seine Einwilligung zum Projekt der Vaporama-Fundis gesprochen hat, und diese sich schon um eine Baubewilligung für das Bähnli bemühen. Sic..!!! Da bleibt mir doch fast ein wenig die Spucke kleben und, was noch schlimmer ist, es ist weit und breit keine Opposition in Sicht, keine grünen Politiker/innen, keine Sozialdemokraten / innen die finden: hey geits no, sicher nid im Schadaupark. Ich mag ja den Dampffreunden ihre Libidosteigerung durch das Tschüüüü.. Tschüüü..Üüüüühhhhhhhhh durchaus gönnen, aber der Schadaupark ist eine Art heiliger Ort, eine grosse Kathedrale der Seelenmassage und sollte unbedingt gebührend behandelt werden, als Ort der allen gehört und der möglichst ohne fixe Installationen, als Freifläche, ohne Eintritt und ohne Konsumzwang genutzt werden kann. Was in unserer Konsum und Plastikwelt immer wichtiger wird, sind Freiflächen und Freiräume als Orte, wo der Mensch auch einmal zur Ruhe und zur Besinnung kommen kann, falls er das Bedürfnis danach hat, und dies ohne das Ticket, 5 Monate zum voraus im Vorverkauf für 55.– CHF  gekauft zu haben.

Zugegeben, der Park musste in den letzten Jahren einiges ertragen und erleiden, die Horden von erholungssüchtigen Stadtbewohner/innen lassen einiges an Respekt gegenüber diesem wunderschönen Platz vermissen und ein Sommertag in der Thuner Woodstock Hochburg gehört mittlerweile auch nicht mehr in mein Wunschprogramm, weil ich Hippies heute schlicht und einfach nicht mehr ertrage, weil Hippiekultur auf Egoismus gebaut, langweilig, rückständig ist und Flaschen leeren und konische Tüten abbrennen sehr viel einfacher ist, als dem Leben in die Augen zu sehen… WIEVIELE RANDSTÄNIGE ERTRÄGT THUN……????? Aber, eine Dampfbahn für Familien passt genau sowenig in diesen Park wie ein RED BULL AIR RACE in Bönigen zur aktuellen Klimadiskussion… Thun hat seit ewigen Zeiten den Hang, sich mit Mittelmässigen (ihr wisst schon welche ich meine….) bis peinlichen Innovationen nationale Berühmtheit zu schaffen, und dies nicht erst seit wir ein Stadtmarketing haben.  HALLO LEUTE, WIR HABEN 2007!!!
Eine weitere Schnapsidee wird  im Stillen zur drohenden Realität… Die Roten-Werbe-Würfel! Seit die Thuner Seespiele ihren Gründer, Visionär und Regisseur Ueli Bichsel relativ charme- oder wohl eher schamlos in die Wüste geschickt haben, ist eines klar: Die Wüste lebt…immer mehr..!!! Mitte Mai wurde die neue Strategie von WÜRFEL 10, einer am Thunersee Ufer, zwischen dem Dampf-Bähnlipark und dem Gwattzentrum an allen irgendwie zugänglichen Uferpartien geplanten, grossen OHA (Oberländische Herbstausstellung), die im Sommer 2010 in grossen roten Würfeln 1 Million SVP-Wähler an den Thunersee locken soll, vorgestellt.

Mit dem Richard Gere von Sigriswil, dem SVP Nationalrat und Hobby Architekten Adrian Amstutz wird ein national bekannter und, zugegeben, erfolgreicher Lobbyist probieren, die Ausstellung auf ein grösseres Fundament zu stellen. Nun, wenn WÜRFEL 10 realisiert wird, haben wir in 5 Jahren den ganzen Naherholungsraum der Region zugebaut und alles, ohne eine Nachhaltigkeit erzielt zu haben. Die Ausstellung braucht Erschliessungsinfrastrukturen rund um die Stadt und wird auf alle Fälle mehr Land nachhaltig überbauen, als man das im Moment kommuniziert. Was so Grossprojekte einer Region wirklich bringen, zeigt uns die EXPO 02, von der kaum mehr ein Mensch noch weiss, wann sie war und was da genau abging.

In den Thuner Quartieren werden ja im Moment, für alle sehr gut fühlbar, noch die letzten Meter Land verdichtet und überbaut und das ganze wird immer mehr zu einem Aargau oder zu einer Art grösserem Heimberg. Es wird verdammt eng… hier an diesem schönen See und darum sollte man im Moment extrem aufpassen, was da ein paar Strategen auf den Festplatten ihrer Compis abgespeichert haben… denn, es geht um Freiflächen, um öffentliche Räume, die uns allen gehören.Soweit zu Themen, die mich nebenbei auch beschäftigen, weil ich doch jeden Tag hier in dieser Stadt lebe, atme und arbeite und, weil ich diesmal keinen Bock hatte über die, nun zu Ende gehende, letzte Konzertsaison zu schreiben, die schlicht unter jeder Sau war, publikumsmässig.

Aber, das ist am 17. Juni 2007 dann definitiv Schnee von gestern und interessiert weder dann noch heute wirklich. Die neuen Kulturen haben mit dem, was wir machen null und nichts zu T(h)un und das ist die Realität! Unser Sommerprogramm ist gastronomisch-musikalischer Art und unser Nachbar in Woodstock stecken geblieben……. So ist es und mit dem Leben wir, auch 2007 .!

AUF EINEN SOMMER DER SANFTEN ART, MIT NICHT ZUVIELEN GEHIRNAMPUTIERTEN  HEBEN WIR DAS  WASSERFLÄSCHLI..!!!!!!
LIEBE GRÜSSE AUS THUNESIEN SCHICKT EUCH EUER

MC ANLIKER
MASTER OF  EASY SUMMER
MASTER OF DIRTHY OLDHIPPIES
MASTER OF CROSSING THE BRIDGE