Juli 2013

TRADITIONEN SIND MANCHMAL SEHR SINNVOLL… EIN FESTIVAL OHNE HANDY- LADESTATION UND ERST UNTER DEM ASPHALT KOMMT DER SCHLAMM.. WORTE VON MC ANLIKER ZUM FESTIVAL AM SCHLUSS 13

Von Weitem sieht das Plakat des FESTIVALS AM SCHLUSS 13 aus wie immer….! Langweilig blau mit dem Handörgeler, wie all die Jahre vorher und darauf Bandnamen, die Mann/Frau nicht kennt, weil Mann und Frau sich schon lange nicht mehr mit Musik aus dem Hier und Jetzt befasst. Zudem kommt die Werbung für das Festival immer sowas von spät… und in den Kultur-Sommer- Tipps der Sonntagszeitung, des Sonntagsblicks und von Good News, dessen Magazin jede/r erhält, der Bon Jovi-Tickets im Internet bestellt hat, liest man ja auch nie etwas über das Festival AM SCHLUSS… Für heutige Verhältnisse steht also dieser Anlass auf der ganzen Ebene ziemlich im Schilf… sind wir ehrlich..  aber genau das macht wohl die Sache so stark, ein Anlass für die Leute von hier und jetzt, unterschätzt und kaum wahrgenommen von den Medien der nahegelegenen Hauptstadt, dafür aber geliebt und gut besucht vom Publikum… ein Fixpunkt des Thuner Sommers, auf den man nicht mehr verzichten mag.

Liebe Leser/innen, 15 Tage vor Beginn des Festivals bei Musik von Rosenstolz, einer Flasche Rotwein, an einem stürmischen Sommerabend in der Küchenveranda ein Festival-Editorial zu schreiben und dabei zuzuschauen, wie sich Wolkenwände im Oberland verteilen, wie der Niesen plötzlich aussieht wie im November, und zuzuhören wie die Blüemlisalp beim Einlaufen in den Hafen hornt, als sei sie auf ihrer letzten Fahrt…. (ich wohne einen Steinwurf vom Schifffahrtskanal entfernt), das hat auch noch etwas mit Lebensqualität zu t(h)un. Das Festival ist wie immer eine nahrhafte Geschichte und am heutigen Tag gibt es noch sehr viel Unerledigtes und Unklares, aber schon Ende Woche sieht das wieder anders aus, dafür werden eventuell neue Probleme zu lösen sein…. Ich lasse mich da überraschen und hoffe auf das Glück des Tüchtigen..

Wir wissen heute, Dienstag 9. Juli 2013: Wieviel Gagen wir den Künstler/innen zahlen, wieviele Nächte in welchem Thuner oder Heiligenschwendiger Hotel gebucht sind, wann wir mit dem Aufbau beginnen, wer Transporte macht, wer für diesen und jenen Teil des Aufbaus engagiert ist, wir haben ein schönes Programm am Start, wir wissen in ungefähr, wer in unserer Gastronomie wann arbeitet, wer zuständig dafür ist… und wir wissen weiter.. und das ist für mich das Wichtigste.. dass da draussen ganz viele Menschen sind, die sich auf das Festival freuen, und das schon lange..!!! Egal, ob sie das Programm des Festivals studiert haben oder nicht, sie waren schon die Jahre vorher an diesem Anlass und haben erlebt, wie es sein kann, wenn gute, aktuelle und lebendige Musik in die Stadt kommt.. Ihr als Publikum seid unser Kapital und mit dem Wissen, dass wir für Euch ein Programm machen dürfen, das auch etwas Spezielleres zulässt, werden auch wir glücklich. Es ist für mich als Clubbetreiber, der immer unter Ausschluss der Masse seine Arbeit macht und der Jahr für Jahr, Monat für Monat, Woche für Woche musikalische Perlen <den Schweinen zu Frasse vorlegen muss>, jeweils schön, den Blick von der Bühne ins Publikum schweifen zu lassen und am Ende des Abends meistens glückliche Gesichter zu sehen.. und: ich habe nie an einem Konzerttag so früh Feierabend wie am Festival… spätestens um 01.00 Uhr bin ich zu Hause, das ist fast wie Ferien… Hallo..!!!!

Das und noch einiges anderes wissen wir, aber unklar ist dafür anderes: Wie gehen wir damit um, dass der Kanton Bern mit seinem Amt für Kultur das Festival erstmals in der Geschichte des Anlasses nicht unterstützt? Werden wir diese fehlenden Fr. 15`000.- so einfach beim Publikum einsammeln können? Was für ein Publikum wird auf den Platz kommen? Wird es auf dem Mühleplatz so friedlich wie in den Vorjahren bleiben? Wird das Festival AM SCHLUSS 13 eine Oase bleiben? Wird die 11. Ausgabe ein guter Jahrgang? Am Sonntag, 4. August 2013, werden wir auf all diese Fragen wohl auch Antworten haben, und ich kann dann wieder in meine Agenda schreiben: Es ist vollbracht!!!! Das ist jeweils ein erhabener Moment.

Und noch ein Detail: Einige wache Zeitgenossen/innen haben sich sicher gefragt, warum das Festival in diesem Jahr eine Woche später stattfindet?? Die Antwort ist einfach: Das Gurtenfestival hat seine Daten eine Woche nach hinten geschoben und das Gurtenfestival ist ganz klar auch ein Thuner Festival und wenn der Gurten ruft, ist in Thun eher tote Hose, Punkt fertig. Warum aber das Gurtenfestival eine Woche nach hinten verschoben hat, ist auch mir rätselhaft, aber ich nehme mal an, das dies mit der Verfügbarkeit eines grossen Acts zu tun hat. Die Toten Hosen und ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum, zum 30. Jahr Gurtenfestival??? Das könnte passen. Für uns ist natürlich ein Festival mit einem Vorabend des Nationalfeiertages und dem Nationalfeiertag selber schon nicht wirklich erste Wahl.. eher Vollrisiko! Zum Beispiel Feuerwerk.. da habe ich den Vollbammel, weiss ich doch als langjähriger Pyromane über die Gefahr von Feuerwerk in der Nähe von Menschen… Ave Maria, Santo Spirito, Amen!!!!!

Mit dem Engagement von STILLER HAS am 1. August haben wir aber inhaltlich einen starken Programmpunkt gesetzt und zudem haben wir der offiziellen Bundesfeier der Stadt Thun Gastrecht auf dem Festivalgelände gegeben, somit findet am 1. August 2013 die Bundesfeier der Stadt Thun zwischen 19.00 – 20.00 Uhr auf dem Mühleplatz statt.

Eine ähnliche Situation hatten wir schon einmal, das war vor 5 oder 6 Jahren. MOKKA RULES!!!!  Hey! Nicht wirklich schlecht für eine Institution, die erst 27 Jahre am Start ist….!!!!!

Den Faktor Wetter können wir natürlich in keiner Art und Weise beeinflussen.. und das Wetter war ja in diesem Jahr schon ein einnehmendes Thema. Während meiner Schreibe ist es nun draussen Nacht und recht kühl geworden.. man munkelt ja, dass der Sommer 2013 irgend an einem Tag zwischen Mitte Juli und Ende September an einem Nachmittag zwischen 14.30 und 17.00 Uhr stattfinden soll… vielleicht haben wir ja das Glück und dieser Tag fällt genau in die Zeit des Festivals.. wer weiss?? Wir haben aber AM SCHLUSS immer den grossen Pluspunkt, dass wir auf befestigtem Boden spielen und so nie in den normalen Open Air Groove kommen, und uns auch 2-3 Regentage nicht wirklich killen können. Auch nehmen wir immer noch Bargeld an, haben immer noch keine Handyladestation und keine Sanität vor Ort. Ihr merkt, unser Anlass ist definitiv auf Grufties zugeschnitten.

Das Programm 2013 ist vielseitig geworden, und auch dieses Jahr ist nur 1 Act dabei, der nicht bei uns im Club schon eine Show abgeliefert hat, die dann zum Engagement am Festival geführt hat, dies ist ein wichtiger Punkt, wenn man so schlanke Organisationsstrukturen fahren will. Wenn eine Band im MOKKA einen Clubgig gespielt hat, haben sie Vertrauen in uns und nehmen in Kauf, dass wir auch an einem Festival etwas anders ticken als der Rest der Veranstalter. Weil der Anlass 12 Tage dauert und in der Stadtmitte stattfindet, ist es wichtig, dass nicht das ganze Programm mit heavy Sounds bestückt wird. Aber etwas Rock`n`Roll muss schon sein.. und den haben wir mit EVELINN TROUBLE und HEISSKALT, am Montag und Dienstag der zweiten Woche, gesetzt. Auf beide Bands freue ich mich sehr.. beide sind jung und dynamisch und auf dem Weg in den Rock-Olymp. HEISSKALT werden sicher 2014 auf dem Gurten spielen, darauf kann ich heute schon eine Bank setzen… Es wird ihr erster Schweizer Festival-Auftritt sein, so wie ihre Show bei uns im Club, im Mai dieses Jahres, ihr erster Schweizer Auftritt war. Jemand muss den Anfang machen und eine so heisse Band wie HEISSKALT hat Kredit verdient.

Mit den grossartigen 17 HIPPIES aus Berlin haben wir letztes Jahr nach ihrem Auftritt eine mündliche Abmachung getroffen: 17 HIPPIES wird als erste Band jedes weitere Festival bespielen… für mich ist das eine wunderschöne Abmachung und Ihr als Publikum werdet das sicher zu schätzen wissen. Traditionen zelebrieren muss immer ein Teil unserer Kultur-Arbeit sein und bleiben. So werden auch 2013 unsere Sammlerinnen und Sammler im gleichen Outfit wie die Jahre zuvor auf unser Publikum losgelassen und so kommt es, dass unser Plakat mit dem Örgeler blau (und langweilig) wie immer daherkommt… und somit sind wir wieder am Ausgangspunkt dieses Textes angelangt.. eine Schreibe muss rund sein, sie muss immer wieder zum Anfang zurückkommen, so ist es gut und so muss es sein….

Liebe Leserinnen und Leser, wir sehen uns wohl dann am Festival.. wir hoffen auf schönes Wetter, friedliches Publikum, das unser System mit der moralischen Spendenpflicht versteht und unterstützt, so dass wir dann im September, wenn das Festival abgerechnet wird, auch noch gut schlafen können.

Und denkt daran: KULTUR IST EIN DÜNNER LACK, DER SICH DURCH ALKOHOL LEICHT AUFLÖST!!!!

LIEBE GRÜSSE AUS DEM BERNER OBERLAND SCHICKT EUCH

EUER MC ANLIKER

HÜTER DER TRAKTOREN UND DER BERGDOHLEN