Januar 2005

Sybille zieht zu Serge nach Bern……. Schämpu zügelt nach Zürich……. Chantal, Kusi und Ueli ziehen nach Ostermundigen………             der Exodus aus Thun findet nicht erst seit Latour statt……. Fehlende Perspektiven und ein festgefahrener Status Quo fördern   den Auszug aus dem Paradies. Wie in Thun die Grundsubstanz verkannt wird und warum wir  da bleiben müssen….. ein paar Gedanken zum neuen Jahr, direkt in den E-Mac getippt……. The Future is now…..!!!!!!!!!

Er geht…….!!!!! Latour verlässt Thun….!!!!!! Das Geld der Grosstadt wirkt auch bei Pudi….!!!!

Die Schlagzeilen der Schweizer Zeitungen sind voll mit dem Abgang  von Hans-Peter Latour, dem charismatischen Trainer der Fussballer des FC Thun. Es wird hin und her erwogen, spekuliert und der Pudi gibt Interview um Interview und versichert allen die es hören wollen, dass es die Thuner  Mannschaft auch ohne ihn schaffen wird……niemand glaubt das… es ist eine Art von Parallelisierung, die die Leute erfasst…. und es ist nicht die einzige, die diese Stadt seit Monaten lähmt …. im Fall Latour wird jetzt schon davon ausgegangen, dass sein  Abgang den Untergang der Mannschaft und zugleich das Ende der positiven und exzessiven Berichterstattung aus Thun bedeutet. Gar nicht zu reden vom Untergang des Stadion-Projektes, das uns jetzt auch schon vorausgesagt wird. (da wiederum trauert nicht  mancher…  es ist ja auch klar, dass das eine Zwängerei ist und dabei Geld verbrannt werden muss, das dann anderswo wieder fehlt)

Die Geschichte von Latours Abgang ist für mich nicht weiter verwunderlich… uns ist schon lange aufgefallen, dass der Exodus aus Thun Wirklichkeit ist, und  sich immer mehr ausdehnt, eine richtige Massenbewegung der Generationen, die zwischen 1978 und 1985 geboren wurden.

Sicher ist: (und das ist für uns tagtäglich spürbar) die Stadt Thun samt Region befindet sich weit weg von einer wirtschaftlich gesunden Region, zu viele Betriebe kämpfen um das Überleben und bieten kaum mehr qualifizierte Arbeitsplätze. Wer  jung ist und die Wahl hat, bei einer sinkenden Firma in Thun schlecht zu Verdienen oder bei einer Firma mit Perspektive in Bern, Basel oder Zürich mittelmässig zu Verdienen, dem fällt der Entscheid leicht. Klar ist, dass vor allem <die Guten>, die mit dem positiven Zukunftsfilm, die die vom Leben etwas erwarten, gehen…….. zurück lassen sie dann vermehrt <die Verlierer>, Leute, die nicht mehr vom Leben erwarten als am Donnerstagabend eine lauwarme Kalbsbratwurst in der Fussgängerzone der Thuner Innenstadt zu verdrücken und die zufrieden sind, wenn die Beratungsstelle der kantonalen Arbeitslosenkasse in der Nähe des Bahnhofes ist…!!!!!!

Thun ist eine sehr komische Stadt geworden… das Stadtbild ist ein zerrissenes… Hier diese wunderschöne Landschaft, an der sich selbst ein Eingeborener immer wieder berauschen kann, die Möglichkeiten, die wir in nächster Nähe haben, die Pärke und  die Wege am Wasser, die uns die Möglichkeit geben, in kürzester Zeit wirklich auszuspannen und den Kopf zu lüften…. die Chance, die wir jeden Tag von neuem haben, zu spüren was Natur ist…… Und auf der anderen Seite haben wir eine Stadt, die zwischendurch an Palermo nach einem Streik der Putzbrigade erinnert… voller nichtproduktiver Menschen, die den Tag totschlagen müssen, voller (vielfach ausländischer) Jugendlicher, die nichts zu t(h)un haben und die auch keine Aussicht auf Integration und Arbeit haben….hey Mon, kunsch o Migro…???? Eine sehr schmutzige Stadt, die längstens vor der Verrohung der  Gesellschaft kapituliert hat….

Mit einer Unfähigkeit und einem Fatalismus, wie man es nicht von einer Stadt in einem mitteleuropäischen Land erwarten würde…. ein Beispiel: am Freitag 24. Dezember schafften es die für die Entsorgung verantwortlichen Stellen der Stadt Thun, eine Karton-Tour der Kehrichtabfuhr anzusetzen… und kein/e Geschäftsinhaber/in fand das irgendwie komisch oder geschäftsstörend… so kam es wie es kommen musste…. die Shoppers strauchelten im letzten Weihnachtseinkaufsdelirium zwischen Kartonburgen und Kehricht-lastwagen durch die <besinnliche>, weihnachtsdekorierte Thuner Innenstadt….. eine sehr gute Koordination, Hut ab! Es ist beileibe nicht das einzige Beispiel von weitsichtiger Planung oder kommunikativem Gesellschaftsmanagement in dieser Stadt. Die sich munter in der Mitte der Stadtmitte behauptenden offenen Drogenszene verhindert einiges, was auf dem zentralen Mühleplatz möglich wäre. Zu aufwändig ist es um diese Szene herum seine Arbeit zu machen oder Innovation an die grün-blaue Aare zu bringen…. gang ächli ad  Aare, a di grüeni, grüeni Aare….

Was wir dort letztes Jahr an Anfeindung und Bedrohung, Respektlosigkeit und schlichtem Vandalismus ertragen mussten, als wir  das Festival <im Fluss> durchführten, geht schlicht  in keine Kuhhaut….. es war die reine Zumutung. Aber nicht nur die sichtbar gestran-deten Menschen der Politoxikomanenszene Thun-Oberland sind ein Problem <auf dem Mühli>, nein, es sind  auch die so genannt <normalen> Gäste der platzansässigen Gastrobetriebe, die immer mehr verrohen und verblöden und Zustände schaffen, unter denen es einem potentiellen Investor oder einem Menschen, einer Institution, die etwas für die Zukunft, etwas Aufbauendes, machen will, fast verunmöglicht diesen Platz zu nutzen. Alles hinter Gitter… das kann es ja auch nicht sein…..

Wenn wir in dieser Stadt eine Perspektive haben wollen, müssen wir dort ansetzen, wo schon positive Ansätze vorhanden sind und das ist, unter anderem, diese unglaublich schöne Umgebung. Was auch dringend angegangen werden muss, ist die Integration der aus-ländischen Mitbürger/innen. Da tickt in der Schweiz eine Zeitbombe, nicht erst seit gestern…… Wir müssen vermehrt von jedem ein-zelnen Menschen den Respekt gegenüber seiner Umwelt, seinen Mitmenschen zurückfordern, denn es kann nicht sein, dass die gesellschaftliche Verrohung in diesem Tempo wie in den letzten Jahren weitergeht…!!

Aber wir müssten auch wieder die Wirtschaft zur Vernunft bringen und dem Kapital  Moral und Ethik abtrotzen…. was uns aus diesem Eck, in den letzten Jahren vorgelebt wurde, ist schlicht eine Frechheit. Alle Menschen sollen für ihr t(h)un gerade stehen, auch Wirt-schaftsbosse, Fernsehdirektoren und Starwerber……….

Letztendlich badet die öffentliche Hand aus, was die Wirtschaft an Elend produziert mit ihrer Geldgeilheit und ihren asozialen Geschäftspolitiken… und die öffentliche Hand, wie man so schön sagt, sind wir, du und ich und  Chantal und Miriam und Kusi und Hanspudi, Sven und Miranda, Mohamed und Azna, Massimo und Rebecca und der Rest der Gesellschaft…………

Wir können in unserer nahen Umgebung anfangen sozialer und aufmerksamer zu sein, offener für neues, tiefgründiger und ganz-heitlicher, können anfangen, gewissen Schwachsinn nicht mehr mitzumachen, Sachen und Produkte boykottieren wie in den 70er und 80er Jahren. Bewusster leben heisst politischer sein, weil leben nichts anderes ist als Politik in der Urform.

Und : göht doch ä chli a d`Aare, a di grüeni Aare…. aber: nehmt euren Konsummüll wieder mit und sagt doch auch gleich der Nachbar-combo, dass sie den Müll auch wieder mitnehmen soll…… So werden ganz viele Leute an der schönen Aare sein können, ohne das es nachher aussieht, wie in Westbeirut nach dem Bürgerkrieg.

Es wäre ein kleiner  Anfang zum besseren und vielleicht könnte ja Latour die Politoxikomanen  mitnehmen, wenn er nach Zürich geht…….. und, und, und, und…………..Das war der Versuch erstmals einen Text direkt in die Tastatur meines e-Mac zu hacken…..

Ich muss mich noch sehr daran gewöhnen….. irgendwie fehlt mir mein Pentel.Sign.Pen®. und das flüssige Tip-ex aus der Migros………..

Ich wünsche euch einen schönen, aufbauenden Start  in das 2005……. und grüsse euch sitzend mit schwacher Stimme……

Euer MC ANLIKER

Master  of connecting people everyday

Master of clearness in the beginning year

Master of reality