Dezember 2012

SIGG SAGG SUGG U DU BISCH DUSS… DAS JAHR 2012 AUF DER INSEL MOKKA WAR EIN EREIGNISREICHES. GEDANKEN VON MC ANLIKER ZUM DEZEMBER 2012

Draussen wird es düster und düsterer.. man reibt sich die Augen, weil man vermutet, dass irgendetwas davor ist oder etwas zwischen dem Auge und dem Tageslicht… es ist 16.00 Uhr und es ist schon fast Abend. Der Wettlauf mit der Zeit, der ja sonst schon nicht zu gewinnen ist, wird die Tage noch aussichtsloser.. hey schon wieder Abend und man hat noch viel zu wenig gemacht und meist auch zuwenig gelacht… das Jahr geht zu Ende und damit kommen alle diese Dinger auf einem zu, die man schon lange als hinter sich gelassen abgebucht hat oder zumindest hofft man das…. Nei nid scho wider… habe ich gedacht, als ich in meiner Agenda die Planung der Produktion der Dezember-Werbung studierte. Wie schreibt man einen Text zum Ende eines Jahres, wenn das Jahr mit einem durchrast? Und wie vermeidet man Wiederholungen, wenn man schon seit Jahren zum Jahresende einen Text schreibt? Manchmal komme ich mir mit meiner langjährigen Arbeit hier im Club wie ein Monochrom-Maler vor, der jeden Tag vollster Konzentration Farbschicht um Farbschicht aufträgt, und wenn das Bild dann fertig ist, laufen die Besucher/innen der Ausstellung daran vorbei und denken höchstens: Sone schwarze Flade chönnt ig ämu o mache.

Über das Jahr 2012 gibt es Einiges zu schreiben, von schönen Shows mit aufregenden Künstlern, die wir mit der hohen Qualität unserer Infrastruktur und immer wieder auch mit der guten Küche, die wir ihnen bieten, glücklich machen konnten. Es gab die legendäre MOKKA REGIONAL TONWOCHE, es gab ein fettes Osterprogramm, wie es sich gehört.. <Grosse Kisten> wie die Shows im Bärensaal mit Philipp Fankhauser und Züri West waren im Frühling dabei, daneben das normale Clubprogramm, manchmal gut und manchmal schlecht besuchte Konzerte. Es gab einen langen Sommer mit dem FESTIVAL AM SCHLUSS 12, das immer mehr zum Publikums-Magnet wird und jedes Jahr noch etwas an Spendenertrag zulegen kann. Mit dem traditionellen Sommer- Club-Programm MOKKA SUMMERDANCE VOL. 1+2 erlangten wir dann grosse Berühmtheit…. Durch die Intervention der Obrigkeit wurde der Anlass massiv eingeschränkt, was der eigentliche Tod dieser sehr speziellen Sommer-Reihe bedeutete. Was dann an Solidarität mit CAFE BAR MOKKA passierte, hätten wir uns selbst in den schönsten Träumen nie vorzustellen gewagt. Es gab eine Facebook-Gruppe, die in 3 Tagen auf über 4000 Members hochfuhr, und es gab eine Gruppe von MOKKA-Konsument/innen, die sich bei uns traf und etwas gegen den Verlust von Freiräumen machen wollte. Zusammen lancierten wir die Petition THIS CITY NEEDS und begannen am Dienstag, 21. August 2012, mit dem Sammeln von Unterschriften… und dann ging es ab…!!!!

An Stand-Aktionen in der Innenstadt wurden hunderte von Unterschriften gesammelt, das Komitee druckte T-Shirts und Taschen, die verkauft wurden wie warme Gipfeli, der Briefkasten des Clubs war wochenlang gut gefüllt mit Briefen von Menschen, die Unterschriften gesammelt haben, und am Sonntag, 11. November 2012, hatten wir die magische Anzahl von 10`000 Unterschriften beisammen! Es war eine turbulente Zeit mit vielen schönen Begegnungen, und deren Höhepunkt war sicher der Aktionstag LEBEN MACHT LÄRM, mit dem wir am Samstag, 6. Oktober 2012, den Thuner Rathausplatz bespielten und dort, zusammen mit Musikern, vor einem grossen Publikum nochmals auf den Verlust von gelebter Kultur aufmerksam machten. Mich freute an der Geschichte am Meisten, dass da junge Menschen für eine Sache aufstanden, sich zusammen fanden und einen Weg suchten gegen die Ohmacht der nicht aufzuhaltenden Entwicklung des Kapitalismus, wo der Mensch nur noch ein kleines Fuzzi ist, wenn es um die grossen Geschäfte geht. Der Jugend habe ich das schon fast nicht mehr zugetraut, muss ich hier ehrlicherweise bekennen… darum bin ich heute noch umso glücklicher über die Aktion mit der Petition, die x-mal mehr gebracht hat, als das eine Demo gemacht hätte. Klar war am Anfang von Demo die Rede, von <fi.. di frit….> und was auch alles noch gesagt wurde in dieser heissen Phase im August 2012.

 Der Termin zur Übergabe der Petition an die Stadt Thun ist mittlerweile auch klar.. Wir werden am Mittwoch, 19. Dezember 2012, um 18.00 Uhr die Kistchen mit den 10`000 Unterschriften im Thuner Rathaus, im 1. Stock, dem Stadtschreiber der Stadt Thun übergeben. Die Presse wird vor Ort sein und Ihr seit auch herzlich eingeladen in diesen schönen Räumen aufzutauchen.

Ihr seht, es war wirklich ein ereignisreiches Jahr, das auch wirtschaftlich gut über die Runden ging, obwohl es jetzt im letzten Viertel ziemlich mager in Ertrag war. Das zu nehmen ist dann wiederum hart, aber wir sind uns das mehr als gewöhnt, denn schon (viel zu) lange sind wir daran, das Unmögliche möglich zu machen, um Euch immer wieder ein schönes, unterhaltsames und aktuelles Programm anbieten zu können. Die Kraft dazu müssen wir uns <im Kleinen>, im alltäglichen, im überschaubaren, im zwischenmenschlichen Bereich holen, weil nur das Kleine real ist. Es ist zwar nicht immer einfach, <das Kleine> zu spüren oder zu sehen, obwohl man weiss, dass nur <das Kleine>, das Alltägliche und Unspektakuläre eine Sache wirklich gross machen kann. Der Alltag ist eine Aneinanderreihung von Wiederholungen.. normal wie nur etwas.. am Morgen den Briefkasten leeren und schauen, dass der junge Bananenbaum genügend Wasser hat und dass  Milch im Kühlschrank steht. Ich kann gut mit Hausfrauen über meinen Job reden, weil ein Musikclub nichts anderes als ein Haushalt ist, wo täglich alles wieder von vorne angefangen werden muss und die Mutter selbstverständlich dies und jenes erledigt, zwar murrend.. aber seit Jahren zuverlässig. Hinter den Kulissen wirken und <Tuubelibüetz mache> ist der grösste Teil meiner Arbeit, auch wenn alle denken, dass mein Leben mit CAFE BAR MOKKA und den viele Künstlern und den aufgestellten Partypeople so glamourös ist.

Dabei ist meine Arbeit unter anderem: Kopierpapier und Toner nachfüllen oder bestellen, Pet Flaschen entsorgen, dem Kaffeemaschinen-Mensch anrufen und fragen, warum er letztesmal nicht gekommen ist? Ein Unfallformular für einen Mitarbeiter ausfüllen, Klebeband kaufen, aber das richtige..!!! Mikrofonständer neu zusammenschrauben, CD`s und Mikrofonkabel sortieren, Plakate machen und drucken, einen defekten CD-Player oder Briefkasten flicken, jemandem am Telefon erklären, dass wir keinen Barmitarbeiter einstellen können, weil der Umsatz eher rückläufig ist und ein Spanier, der kein Wort Deutsch kann, auch nicht wirklich unsere Wahl sein könnte.. schauen, dass dies und das gemacht wird, Blumensträusse betreuen… ohhh shit.. genau das muesi itze no.. und so weiter und so fort.. eben die kleinen Arbeiten, für <Das Grosse>.

<Das Grosse> ist aber auch nur für uns wenige Beteiligte und Profitierende wirklich gross, denn den meisten Leuten geht ein gut funktionierender Club sowas von am Arsch vorbei, und das war leider nie anders, auch wenn man das gerne so sieht in der (gefälschten oder zumindest beschönigten) Geschichte z.b. unseres Clubs. Auch wenn wir im Dezember 2012 gleich 2×2 Shows im Programm haben, die restlos ausverkauft sind, 2x im Club und 2x im Bärensaal, und ein sehr attraktives Altjahres-Programm anbieten, wie immer.. ist die Realität tendenziell anders. Die Besucherzahlen aller Clubs brechen weg, die Entwicklung Richtung Mainstream ist nicht aufzuhalten, und die grossen, etablierten Bands sprechen fast nur noch von Geld, das sie weniger einnehmen. Zurückfahren mit den Anforderungen ist schwierig.. wenn man einmal mit 40 Gitarren und 2 Gitarren-Technikern unterwegs war… aber die Realität zwingt uns alle, das ganze <No> Business zu überdenken. Es war schon immer von Vorteil, dass ich als MC kochen kann, dass ich eine Band mischen kann, dass ich weiss, was ein XLR-Kabel ist und dazu auch weiss, was ein <Finder> auf meinem Computer ist und was ich damit machen kann.. nur heute ist das noch ein wenig wichtiger geworden, weil man sich alle diese Strukturen zu mieten, gar nicht mehr leisten kann. Meine Arbeit ist aber gerade durch die Vielfältigkeit sehr attraktiv und ich bin bei Vielem immer wieder gefordert, was mich beweglich hält und das wiederum ist das Wichtigste zum Überleben und zum dran Bleiben. Es ist definitiv keine Zeit zum Zurücklehnen, auch wenn man angesehen und etabliert ist… Hold the Line MC!

Das Dezember 2012 Programm ist fett geworden und wird mit einem bombastischen Club- Silvester beendet werden.. Wir freuen uns auf zahlreiches Publikum und volle Kassen.. Dann begrüssen wir den neuen Chef der Mokka-Gastronomie. Beat Junker, 32-jährig, aus Biel, wird am Samstag, 1. Dezember 2012, bei uns anfangen. Wir wünschen ihm alles Gute in seiner neuen Tätigkeit und freuen uns auf seine klaren Ansagen.
Mein Dank geht an unsere Mitarbeiter/innen und an unser Publikum, ohne Euch geht es nicht!!! und ich hoffe, das wir auch das 2013 zusammen erleben dürfen.

KEEP ON ROCKIN DOWN THE HOUSE.. EUER MC ANLIKER KAPITÄN MS MOKKA THUN