Juli 2016

SCHLECHTE LUFT, WEIHNACHTSGÜETZI IM JULI UND BADEN IM THUNERSEE…

Manchmal überkommt es mich in den unmöglichsten Momenten. Da liegt seit Tagen eine wunderbare Bio-Zitrone auf der Küchenkombination und strahlt mich an. Besser wird sie in den nächsten 14 bis 16 Tagen, an denen wir das Festival <AM SCHLUSS 16> aufbauen, durchziehen und wieder abbauen, sicher nicht werden. Ich könnte doch einfach, mitten im Sommer, Mailänderli backen… guter Plan, finde ich. Zucker habe ich knapp 100 Gramm im Vorrat, da ich eigentlich nie mehr Zucker in der Form von Zucker verwende, das ist genug (im Rezept steht 250 Gramm). Eier, Vollkornmehl und eben die Zitrone, die alles ausgelöst hat… alles da. Aber Butter habe ich zu wenig. Shit! 21.50 Uhr, der Tankstellen-Shop an der Frutigenstrasse hat bis 22.00 Uhr offen… let’s go! Es ist Samstagabend, 16. Juli 2016. Das Wetter geht wieder in Richtung Sommer, das Blüemlisalp-Massiv leuchtet in poppigen Pink-Farben und sogar feiernde Menschen sind zu hören – etwas was man im Seefeld sonst nicht wirklich erleben kann. Ein gutes Zeichen! Die Butter im Kühlregal des Tankstellenshops ist natürlich kühl und hart – wie es sein muss – zum schaumig Schlagen mit dem Zucker aber zu hart. Shit! Die nette Verkäuferin bietet mir eine Mikrowellen-Therapie für meinen Butter-Block an… gute Idee, aber so ganz nützt es nicht. Also lege Ich die Butter zuhause in einem dünnen Plastikbeutel in heisses Wasser und beginne, diese Kolumne zu schreiben.

Im Radio (SRF 3) läuft der Festival-Sommer. Whau! Live vom Gurtenfestival… da bin ich schon gestern, nach einem umfangreichen Bürotag, reingezappt. Horror! Was für dröge, schlechte und ideenlose Bands da mittlerweile das viele Geld, das die Festivalbesucher/innen, via Kreditkarte abdrücken, abräumen. Eigentlich müssten die das Publikum bezahlen, weil sie diese Kakophonie ertragen müssen! Mal schauen, ob die Butter schon so weich ist, dass ich sie mit dem Zucker schaumig rühren kann. Aber so oder so, wohl besser das Radio ausschalten. Zack! Whau. It’s  <the Sound of Silence>. Great! Hello, Gurten. mögeder no? Die Butter ist weich, die Produktion kann beginnen.

Also, der Teig muss nun eine Stunde ruhen. Somit ist also genügend Zeit, um diese Kolumne weiter zu schreiben… aber sicher viel zu wenig Platz. Wir sind ja in unserem Output eingeschränkt. Als Soundtrack habe ich die deutsche Indie-Rockband <Aufbau West> ausgewählt – die sind so cool, dass sie nie für einen Gurtenfestival-Gig gebucht würden! Eigentlich wollte ich ja über Thun und seine <un-Grüne> Politik schreiben, die nicht mehr wirklich Spass macht: Über die vielen Autos, mit denen Ihr alle da draussen im Dauerstau steht und uns allen eine Luftverschmutzung präsentiert und über die immer noch zunehmenden Penisverlängerungen mit den vielen PS und den manipulierten Auspüffen, die alle zu laut und viel zu schnell auf den Strassen unserer Stadt unterwegs sind. Nüt schöns! Schreiben wollte ich auch über den momentanen Irrsinn auf unserem Planeten. Aber so schnell, wie im Moment das Unrecht und die Menschenverachtung zunimmt, kann man gar nicht schreiben. Da gehe ich doch besser noch schnell auf den Balkon eine Camel abbrennen und die Pflanzen giessen. 23.00 Uhr ist eine gute Zeit dazu. Ja genau, jetzt kommt mir noch etwas in den Sinn, das ich unbedingt loswerden will. Und das hat auch mit Wasser zu t(h)un.

Am letzten Wochenende war ja richtiges Badewetter, der See war zwar nicht wirklich warm, aber das Wetter wieder einmal so, dass es mich mit meinem Schatz in den Schadaupark zog, zum Abhängen und eben zum Baden. Der Einstieg in den See, vorne beim Hotel Seepark, ist  nun wirklich eine Schande für die (selbsternannte) zehntgrösste Stadt der Schweiz! Bevor man in das Wasser steigen kann, muss eine Mauer ohne Absenkung überwunden werden, dann führt eine 40 cm breite Steintreppe, der mittlerweile schon zwei Tritte fehlen, ins Wasser – irgendwie schon fast beschämend. Es kommt mir vor, als ob das jahrzehntelange Badeverbot im Schadaupark immer noch in den Köpfen der verantwortlichen Behörden-Mitarbeiter/innen eingebrannt ist, oder dass man den Besuch des Strandbads Thun fördern will. Ich könnte es auch noch böser schreiben: Die Chefbeamten und die Politiker dieser Stadt bewegen sich mittlerweile in Lohnklassen, die so weit von uns normal Verdienenden weg sind, dass auch das Baden im Thunersee für sie keine Option mehr ist. Wie auch immer, es wäre an der Zeit, diese Sache vor Ort einmal anzuschauen und dann etwas Geld – das nämlich definitiv vorhanden ist – in die Hand zu nehmen und damit das Fussvolk, das die Firma <Stadt Thun> finanziert, etwas glücklicher zu machen. Ein Bad im Thunersee, von der Schadau aus, mit dem ganzen, majestätischen Alpenpanorama vor sich, ist nämlich definitiv <grösstes Sommerkino>. Yeah!

Zum Schluss noch etwas Werbung in eigener Sache. Fast so grosses Sommerkino wie ein Bad im Thunersee bieten wir ab Mittwoch, 20. Juli 2016 an unserem Festival <AM SCHLUSS 16>! Auf WWW.AMSCHLUSS.CH können Sie sich informieren und ein Ohr in das gebotene Programm hängen. Sonntag bis Donnerstag starten wir um 20.00 Uhr, Freitag und Samstag um 21.00 Uhr. Die Festival-Gastronomie auf dem Mühleplatz, hinter dem Riesenrad, ist jeweils ab 19.00 Uhr für unsere Gäste offen.

Es ist nun Mitternacht durch, meine Wohnung riecht so richtig nach Weihnachten. Die Mailänderli sind golden glänzend gebacken und ich klappe jetzt mein MacBook© zu und gehe in den Feierabend.