November 2011

PUBLIZITÄT AUF DIE MAN GERNE VERZICHTET.. EIN HERZ FÜR GUTE MUSIK UND 25 JAHRE NASSE LOCKEN….. GEDANKEN DES ABWARTES ZUM NOVEMBER 2011

Irgendwie geht alles plötzlich sehr schnell, so schnell dass wir gar nicht mehr realisieren können, was da mit uns und um uns herum passiert. Unser Wirtschaftssystem schafft sich bald selber ab, wer sich mit Wirtschaftsthemen befasst, muss manchmal Zeitungsartikel oder zumindest Sätze aus solchen Artikeln zweimal lesen, um zu verstehen, was da geschrieben steht. Der Kapitalismus ist gescheitert! Das darf heute selbst von systemgläubigen Ökonomen verkündet werden, von Ikonen dieses Unrechts-Systemes, die genau wissen, was sie sagen. Wir haben ja auch so eine dumpfe Ahnung, wenn wir die Massenwerbung der neuen Moscheen des Kapitalismus in Thun Süd sehen.. Hightech Fernseher für Fr. 399.-, gross wie ein Fussballkasten, wenn ihr noch wisst, wie ein Töggelichaschte aussieht. Die Werbung, die jede/r kennt, ist von deutschen Massen-Electronic- Dealer Saturn und verkündet uns an jeder Kreuzung, dass Thun jetzt geiler geworden ist… Wie geil, sehen wir jeden Abend zwischen 17.30 – 18.30 am Unort Bahnhofplatz, vor dem Zuckerwasser- und Alkohol-Dealer  COOP PRONTO, der zum neuen Feierabend-Treffpunkt der sehr geilen Thuner Jugend aufgestiegen ist und dies in weniger als einem halben Jahr. Dummheit, Gedankenlosigkeit und Unwissen gepaart mit Faschismus und deren neuen Ausdrucksformen sind dort täglich zu studieren. Wenn das die Zukunft unserer Gesellschaft sein soll, kann ich froh sein, dass ich schon ein relativ alter Sack bin… und wenn wir in 20 Jahren im Altersheim von der heutigen Red Bull-Wodka-Internet-Generation gepflegt werden sollten, was anzunehmen ist, ist das ein guter Grund, mit ein paar Freunden zusammen das WG-Modell der 80ziger Jahre wieder aus der Versenkung zu holen. Versprochen!

Manchmal denke ich: Hey Anliker, du bisch o fangs ä konservative Siech.. Mag sein.. Meine Generation sieht leider nicht mehr genau hin, will nicht mehr wissen was da so abgeht im Hier und Jetzt, sie zieht sich lieber in den Privatbereich zurück, kauft sich Stressless Vibromöbel für das Heimkino und kümmert sich um Aperos, Essenseinladungen, Wellnessferien und solches. Weish i wot`s eifach chli pflegig ha.. Nur vergessen sie dabei gerne, das ihre Pensionskassen täglich viel Geld, sehr viel Geld in den Sand setzen…. Die Frage, die ich mir immer wieder stelle, ist: Ist es wirklich cool, der Jugend den hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft zuzugestehen, den sie in keiner Art und Weise nutzen kann, nur weil sie als Konsumenten interessant sind? Wenn ich ehrlich bin, ist die Antwort ganz klar: NEIN! Zu viele Werte haben wir schon dem vermeintlichen Fortschritt geopfert, einfach so, ohne uns zu empören, ohne mal zu sagen: Geits no?! Wir sind durch unseren Wohlstand sehr unkritisch und bestechlich geworden und nehmen alles hin, wie blöde es auch daher kommt. 80`000 Menschen zur Eröffnung des Panorama Zentrums, der neuen Konsum-Moschee in Thun Süd Ende September 2011 sprechen eine klare Sprache.. leider ist es ein Ausdruck von Debilität, Ideenlosigkeit und Beschränktheit.. Shoppen als Lebensinhalt. STOPPT DEN MASSENKONSUM! Solche Plakate werden wir leider nie sehen.. denn die Menschen, die unseren Konsumwahn erst ermöglichen, können schon gar nicht zu uns kommen, sie sind zu weit weg und sind zu arm, um uns etwas wegzunehmen. Die, die unsere Dreckarbeit hier erledigen, sind eh schon lange da… und ohne sie würden wir sehr alt aussehen. Wenn unsere tamilische Putzcrew, die seit 16 Jahren unseren Club putzt, einmal aufhört für uns zu arbeiten, schliesse ich den Club. Versprochen!

Einen Club zu betreiben war auch schon spannender, war definitiv sexier als heute. Was haben wir früher manchmal geflucht, wenn das Telefon ununterbrochen geläutet hat.. Heute läutet das Telefon an manchen Tagen noch 8-10 mal, und das wars dann. Irgendwie muss ich mich daran gewöhnen, dass trotz gutem Programm und weiterhin schönem Haus, die Flammen des Feuers seitens des Publikums und manchmal auch seitens unserer Mitarbeiter nicht mehr so hoch schlagen. Wie steht es aber um die Flammen meines Feuers?? Die Vielschichtigkeit meines Berufes ist das grosse Plus, der grosse Motor, der verhindert, dass die Achtsamkeit für die Details und für das Kleine verloren geht, und durch die extrem zusammenrationalisierte Bürostruktur bin ich gezwungen, jeden Tag wieder Neues dazu zu lernen. Der Druck ist aber manchmal hoch, zu hoch, so dass es einem fast den Atem nimmt und ich in so Momenten dann nicht mehr daran glaube, dass ich mein Tagespensum schaffe. Die letzte Woche des Monates ist jeweils so eine Killerzeit. Pressearbeit, Programmheft machen, viel Zeit an der Tastatur verbringen, Plakate machen und alles aufs Mal und alles sollte schon fertig sein.   Im Moment ist neben all der Büro- und Management-Arbeit viel Haushalten angesagt: hier etwas Feinreinigung, da etwas Bestellen, die noch schönen Blumen von der Vorwoche in einen neuen Strauss zusammenführen, vorkochen, Elektriker, Heizungsmonteure und Tontechniker aufbieten, eben so viele kleine Sachen, die man dann nicht sieht, aber sicher spürt. Der Club als Haushaltung und wenn die Gouvernante fehlt, muss halt der Chef ran, vorallem beim Kleinscheiss, weil den jemandem zu erklären mehr Zeit braucht als es selber zu machen.

Ich habe aber weiterhin und immer noch das Privileg, das ich mit meiner Arbeit Menschen glücklich machen kann… das muss ich mir in Krisen jeweils sagen, zumindest dann, wenn das Mantra: Anliker du schaffsches.. Anliker du schaffsches.. nicht mehr wirkt, wie das in den letzten Wochen ein paarmal passierte. Jede neue Konzertsaison ist ja auch so etwas wie ein Anfang und nach einer Sommersaison mit der bombastischen Zeit eines Sommer-Festivals, wo alles wie von selber läuft und der Erfolg einem Flügel wachsen lässt, ist ein arbeitsvoller Herbst am Rande der Stadt manchmal sehr hart. Vielleicht ist es ja auch diese 25 Jahre Jubiläums Geschichte, die mich eher be- als entlastet, irgendwie macht der Gedanke an diese 25 Jahre auch einfach müde. Der Herbst 2011 ist ja schon fast wieder Geschichte.. wir hatten sehr schöne Shows am Start, leider nicht so viele Konzertbesucher/innen wie erwartet und benötigt, aber eben immer wieder Menschen, die sehr glücklich unsere kleine Kirche verliessen. Merci vielmal für diesen schönen Abend, merci dass ihr solche Bands nach Thun holt und merci, merci. Das ist eine schöne Entwicklung, die gefällt mir und gibt mir Mut. Dass white trash zwar wirklich am Zunehmen ist und dies massivst, ist ausser Frage, aber dass daneben eben auch die feinen Strömungen noch Reibung erzielen, stimmt mich hoffnungsvoll. Das vorliegende Programm vom November 2011 ist gespickt mit Perlen und Schmuckstücken verschiedenster Art, ein richtiges Clubprogramm mit einer Startwoche, die es in sich hat… wenn wir am Sonntag 6. November 2011 nach Hause gehen, werden wir 5 Shows vollbracht haben und einen wohlverdienten Schlaf in eine neue Woche antreten dürfen……
Das Starprogramm gibt es auch auf WWW.MOKKA.CH mit Soundfiles zum Reinhören, für alle die z.b. Berührungsängste zu neuen Sounds haben.

Mitte Oktober fand bekanntlich der Prozess gegen die <MOKKA SCHLÄGER> statt, die Medienpräsenz öffnete alte Wunden und CAFÉ BAR MOKKA war einmal mehr in aller Menschen Bewusstsein… uns nützte dies wenig, wir hatten keine Menschen, die deswegen unser Haus besuchten. Auch alle die Menschen, die damals per Mouseclip eine sogenannte Solidaritätswelle auf Facebook zelebrierten, waren danach nie mehr Gäste in unserem Hauses und blieben auch dem Prozess fern. Für mich waren die 2 Halbtage vor dem Gericht genug an Erinnerung an eine Zeit, die lieber nie stattgefunden hätte… Es ist anzunehmen, dass die Täter auch nach dem Verbüssen ihrer Strafen genau so gefährlich bleiben. Leider kann ich da nicht positiver denken. Die nächste Generation von Grubenpiloten steht zumindest  schon parat und kaum haben wir viel Betrieb um unser Haus herum, sind auch sie zugegen. Ich ertrage aber seit dem Februar 2010 dieses Mackergehabe extrem schlecht und  gebe den Jungs dies auch ganz klar zu verstehen. Es kann nicht sein, das wir in unserem Haus ein internationales Musikprogramm laufen lassen und draussen ist die Jungmannschaft des Bostuden Quartieres am Leute einschüchtern…… Die sollen doch in Thun Süd vor dem Mega Shopping Zenter ihr Macker Theater aufführen, denn dort hat es wesentlich mehr Leute und es ist erst noch näher für sie zum Hinkommen…

Hinkommen ist das Stichwort.. wir hoffen auf ein gut frequentiertes November Programm… wir freuen uns extrem auf alle diese grossartigen Künstler/innen, die in diesem Monat unsere Bühne bespielen werden, auf William White, Gustav, Boo Boo Davis, auf die Poetry Slammer, auf 17 Hippies, Deine Jugend, Nik Bärtsch`s Ronin auf.. auf.. alle!!! und hoffen natürlich auch auf volle Kassen am Ende des Monats, denn auch wir möchten Sressless-Sessel in unseren Büros und wollen es: Ä chli pflegig ha…. Wenn dr wüsst was I meine… Die Tickets für alle Konzerte können auf sucks@mokka.ch bequem Reserviert- und am Konzertabend an der Abendkasse bei unserem freundlichem Personal bezahlt werden.

25 JAHRE NASSE LOCKEN.. WIR WOLLEN WEITER ROCKEN !!!

Auf einen Bombastischen Musik Monat November sprechen ich lieber einen Toast als einen Trost..

EUER MC ANLIKER  ABWART PETTING CLUB MOKKA THUN