Juli 2014

ONE, TWO.. ONE, TWO.. MC ANLIKER MACHT SICH EIN PAAR GEDANKEN ZUM FESTIVAL AM SCHLUSS 2014… EINE LEICHT ZU LESENDE SCHREIBE….

Plötzlich wird alles das, was monatelang virtuell war, Realität… nur noch 2 Mal schlafen und schon können wir das Festival AM SCHLUSS 14 eröffnen. Dann wird alles sehr schnell gehen müssen.. meine Betriebstemperatur muss ich massiv hochfahren, um am Mittwochabend, 23. Juli 2014, als enthusiastischer Festival-Direktor auf der Bühne wahrgenommen zu werden…

Hey Thun, sit dir parat…??? Man spricht sich damit selber Mut zu, so wie die Rappers, deren Sets meistens fast nur aus so Mut zusprechenden Platitüden bestehen.. Es ist jeweils nicht ganz einfach, das erste Mal ist immer schwierig, das wisst ihr alle… Am Festival ist um 20 Uhr der Platz noch sehr mager bevölkert… Man kann also nicht eine wirkliche Eröffnungs- Zeremonie machen, aber das weiss ich mittlerweile und ich mache es meistens ganz kurz und lasse dann die Musiker ran.. Früher haben wir jeweils den 1. Act noch verhalten gebucht… weil man immer einen riesen Respekt vor dem 1. Abend hatte.. funktioniert auch alles..?? vilecht nid grad a huere komplexi Band am Afang…!!! Das haben wir mittlerweile nicht mehr.. Der 1. Act des diesjährigen Festivals heisst IBIBIO SOUND MACHINE und wird für diese Show exklusiv aus London eingeflogen.. das ist zwar oekologischer Vollschwachsinn.. aber kulturelle Anlässe, neudeutsch: Events!!, sind fast nie oekologisch.. denn wer möchte schon ein Festival mit den Bands aus Thun, Steffisburg, Seftigen, Uebeschi, Spiez und Krattigen??? Ich will damit nicht sagen, dass wir keine guten Bands in der Region haben.. Im diesjährigen Festival- Programm spielen nämlich auch die Lokalmatatoren UNDISCOVERED SOUL und das auch noch gerade am 1. August 2014. Die Plattform für lokale Bands bieten wir seit 1990 im Club an: Die MOKKA REGIONALTONWOCHE, die auch dieses Jahr ausgeschrieben ist (Anmeldschluss: 31. August 2014) und die dann vom Mittwoch 26. – Samstag 29. November 2014 bei uns im Club stattfindet. Infos unter MOKKA . Dort werden dann halt IBIBIO SOUND MACHINE nicht auftreten, aber gute Musik gibt es allemal.

Gute Musik hat es schon immer gegeben, nur haben wir heute viel mehr Möglichkeiten, an gute Musik zu kommen, die Globalisierung unseres Planeten macht dies zur Realität, aber es ist halt immer eine Frage der finanziellen Möglichkeiten.. und da sehen wir auch nicht schwarz, weil das Thuner Publikum in all den Jahren gemerkt hat, dass es mit der moralischen Spendenpflicht, die wir am Festival ausrufen, selber bestimmen kann, wieviel Geld wir in die Hand nehmen, um am Festival ein hochstehendes Programm anbieten zu können. Das Publikum hat jedes Jahr kontinuierlich etwas mehr gespendet, und das ist gut so. Das Festival AM SCHLUSS ist ganz klar ein Exote in der Festival-Landschaft Schweiz… Wir haben immer noch keine Securitys, keine Zäune, keine Werbebanner und Sponsoren-Stände. Manchmal geht mir innerlich der folgende Film ab:   

Das Folk-Festival Lenzburg-Gurten 1977, die Mutter des Gurtenfestivals, war ein Anlass mit einem Tanzboden von 16 x 8 Metern als Bühne, ohne Dach, versteht sich… Der Eintritt war so, dass man an einem Tisch bei 3 Hippies das Billet kaufen konnte, Zäune gab es keine und der älteste Bronco war damals knapp in der Sonntagsschule… dafür gab es Demeter Quarkschnitten mit geraffelten Rüebli drauf und das ganze Festival-Publikum fühlte sich als Familie und tanzte auf der grünen Wiese Ringelreihe…. unvorstellbar… Man konnte auch einfach irgendwo in der Wiese sitzen und sein Flash vom roten Libanesen, dem frischen.. würzigen…, geniessen und in Gedanken weit weg schweifen, ohne dass einem irgend jemand daran gehindert hätte… Es war eine andere Zeit damals, die Wirtschaft hatte uns noch nicht so flach geschliffen, es war noch nicht diese Hektik, wie wir sie heute haben, wir waren weniger korrumpier- und formbar, weil wir weniger hatten und somit auch weniger zu verlieren hatten, wir mussten uns nicht so zuplanen und waren dadurch wohl etwas freier oder hatten zumindest dieses Gefühl. Hey mached än Chreis…

Aber sprechen wir wieder von heute…. Letztendlich ist unser Festival auch nur ein Event mehr im inflationären Ablenkungsangebot unserer überdrehten Gesellschaft, die mit Ruhe nicht mehr umgehen kann. Ein schöner, qualitativ hochstehender Anlass  braucht Herzblut, Zweifel, Mut und viel Geduld, sehr viel Geduld. Es ist ein monatelanger Prozess zwischen Euphorie und Depression, den man schlecht vermitteln kann und somit halt weitgehend mit und in sich austragen muss. Es ist aber auch immer die Infragestellung des One-Man-Show-Arbeitsstiles, mit dem das Festival von mir geplant wird….. Manchmal verfluche ich diese Arbeitsart, ganz sicher aber dann, wenn es nicht vorwärts geht oder ich mutlos bin und den Glauben an mein t(h)un nicht aufbringe, also mental schwach bin. Die Alternative zum Diktator-Stil ist Gruppenarbeit, Teamarbeit mit Plenum, Sitzungen und vielen internen Mails und dem entsprechenden Leerlauf, aber dafür ist das Festival definitiv zu klein und ich wohl auch die falsche Person.

Die grosse Kunst ist, über all die Jahre dem Druck zum grösser Werden standzuhalten und bewusst klein zu bleiben. Jedes Jahr ein wenig mehr ist die gesellschaftliche Norm, und zurück kann man sowieso nicht mehr… Sind einmal die Bäume beleuchtet, kommen im nächsten Jahr die Pflanzen dazu, ein weiteres Jahr später muss man noch die Hausfassaden ausleuchten, denn schliesslich sehen wir die fettesten Events mit Millionen-Budgets täglich im Fernsehen und das ist dann der Standard. Auch die Musiker, und da vor allem ihre Agenten, haben einen Festivalraster im Kopf. Wenn ich mit unserem beschränkten Budget im Rücken mit einer Agentur über den Auftritt einer Band verhandle, ist mit dem Wort FESTIVAL  normalerweise die Gage schon € 1000.- höher… Festivalzeit ist Zahltag für die Branche und das gilt für die Schweiz ganz speziell, denn hier werden normalerweise Gagen bezahlt wie nirgendwo sonst, zudem sind Schweizer Festivals sicher liebevoller veranstaltet als andere europäische….. Ein Blumenstrauss in der Garderobe, eine Platte mit Schokolade, kalte Wassermelonen… easy und nüchternes Personal, meistens sehr freundlich und kompetent, schöne Hotelzimmer und eine gute Tonanlage, Swissness.. dafür werden wir geliebt…!! Der Platz und der etwas andere Rahmen unseres Festivals kommt bei den Künstler/innen sehr gut an, weiter loben sie die Nähe zum Publikum und die Aare, diese gefällt auch allen.. Göt doch a d`Aare.. !!!!!

Wir waren ja jahrelang die Nestbeschmutzer, die Jugendverderber, der Alptraum einer jeden Schwiegermutter, aber wir waren eben auch gut in dem, was wir machten ( Sex, Drugs & Rock`n`Roll….), und vor allem machten wir etwas….. zudem hatten wir Visionen und Fantasie. Das FESTIVAL AM SCHLUSS heisst im Uebrigen so, weil am Schluss immer noch die da sind, die am Anfang auch schon da waren. Als wir dann 2003, nach viel Kickass von aussen, mit dem Festival IM FLUSS in der Innenstadt andockten, hatten wir einen ganzen Mühleplatz für uns, die Bühne auf der Aare und einen ansehnlichen Betrag aus dem Kulturkässeli der Stadt, zudem noch ein ganzes Gebäude mit viel Lagerraum und allem, was man sonst braucht zum Veranstalten. Das Programm war so..so..la..la.. nicht ganz schlecht, aber sicher nicht der Börner.. wir haben aber einen richtig guten Job gemacht und ein Sommerfestival installiert, das heute zum Sommer gehört wie die Gummistiefel auf den Gurten. An die Entwicklung des heutigen Festivals könnt Ihr Euch sicher noch erinnern, es ist ja noch nicht so lange her. Es gab 2004 ein zweites Festival IM FLUSS, dann der Rausschmiss aus dem IM FLUSS Konzept und die Umbenennung zu AM SCHLUSS. 2005 + 2006 war unsere Bühne im Baumann Gebäude, sehr cool.. seit 2007 steht die Bühne in der Konstruktion des Riesenrades… wo sie heute, während ich diese Zeilen in meinen MAC tippe, wieder aufgebaut wird……

Was früher war und was noch sein wird, spielt aber am Mittwoch 23. Juli 2014 um 20 Uhr keine Rolle mehr!! An diesem Abend starten wir mit dem Festival 2014 und machen alles, damit die 12 Konzerte ein Erfolg werden, leben also nur noch die Gegenwart. Von Euch erwarten wir zahlreiches Erscheinen, wünschen Euch eine gute Zeit bei uns.  Geniesst das angebotene Programm, das wir aus Perlen  und unbekannten Edelsteinen zusammengestellt haben.. für Euch..  Als Gegenleistung legt Ihr Eure Spende in unserer Netze, die von den SammlerInnen an Euch vorbei getragen werden…. Ehrenwort?!!! Parallel zum Festival betreiben wir auch den Club mit unserem Sommerprogramm MOKKA GHETTO FLOWERS VOL. 1/14 und legen Euch vom Mittwoch-Sonntag den Besuch unseres wunderschönen Gartens nach den Konzerten sehr ans Herz. Der Garten wurde dieses Jahr massiv ausgebaut, wir bespielen nun die doppelte Fläche und haben mit der neuen Beleuchtung eine wunderbare Atmosphäre geschaffen.. SUMMER IN DA GHETTO… CHECK IT OUT!!!!

Auf ein erfolgreiches Festival AM SCHLUSS 2014 heben wir die Wasserflasche, nehmen den Ballast aus der Tasche und schmücken uns mit den Schweisstropfen des nur kurz pausierenden Sommers…….

LIEBE GRÜSSE AUS DER KLEINEN STADT AM RANDE DER GROSSEN ALPEN SCHICKT EUCH EUER  MC ANLIKER, PLATZWART FESTIVAL AM SCHLUSS 14