Dezember 2013

ÖDE FREITAGE, DAS THUNER CLUBSTERBEN ALS PHANTOM, DAS GEWERBEAMT ALS DROGENVERKAUFS-FÖRDERER UND ANDERES VON MC ANLIKER ZUM DEZEMER 2013

Es gibt Abende, bei denen es schon im Vorfeld klar ist, dass es eine Nullnummer geben wird..  man kann es riechen, man spürt es in der Luft und das Gefühl im Bauch drückt es aus… heute Freitag 29. November 2013 wird so ein Abend sein… als langjähriger Zirkusdirektor hat man die Sensoren für das.. Draussen ist es arschkalt, gegen 7 Grad Minus und eine Killerbise bläst den Rest von Gemütlichkeit ins Orbit.. Da kann das Nachtleben von Thun öde sein oder nicht… an einem solchen Abend ist schlicht und einfach kein Geschäft zu machen. Um den Bahnhof bewegen sich nur noch fehlgeleitete Kids die so t(h)un, als wäre alles normal… ohne warme Winterjacke, ohne Kappe und ohne Halstuch, mit Red Bull Vodka in der Hand, Zigarette im Mund und auf dem Smartphone in der andern Hand rumtippend, als ob das warm geben würde, trotzen sie diesem öden Freitagabend. Ich kriege nur schon vom Zuschauen kalt, obwohl ich eine sehr warme Jacke, Handschuhe, ein Halstuch und eine Silberfuchs-Mütze aus Uzbekistan trage… An solch toten Abenden spielen dann die DJ`s für sich und die Crew und das Kassenpersonal muss aufpassen, dass ihnen das Gesicht nicht einschläft, die Abrechnung der Bar- und der Eintrittskassen kostet dann schon einmal mehr, als man eingespielt hat… dann kommen noch die Fixkosten für DJ`s, Strom, Wasser, Abwasser, Heizung und Gebäudereinigung dazu… von den Personalkosten reden wir schon gar nicht… Aber zumindest ist das Personal an der Wärme… Um der ganzen Tristesse eines solchen trümmligen Abendens noch die Krone aufzusetzen, stehen dann noch <d`Grubepilote> in 12er Formation, alle in Minutenabständen auf den Boden spuckend… im Durchgang unseres Hauses und ficken sich gegenseitig an, wegen irgendeinem linken Grasdeal vor 8 Jahren… irgendwo..!!! Solche Abende gehören einfach zu unserem diffizilen Geschäft… die muss man wegstecken können, denn: mal ist man top, mal fährt man einen Flop und weil es ein Bargeld-Geschäft ist, erlebt man den Flop halt  physisch. Leere Kassen sind leere Kassen! Für den Konzertbetrieb holt man das Geld für die Gagen jeweils von der Bank, damit man nicht noch um 02.00 Uhr Geld, das man an diesem Abend nicht eingespielt hat, drucken muss… Wenn ihr wisst, was ich meine… Und die Gewissheit, dass am nächsten Tag alles viel besser sein wird… aber viel besser!!! macht alles etwas ertäglicher. Immer positiv denken!!!

Also, dieser Freitagabend wäre überstanden… und er war sogar noch etwas positiver ausgefallen, als oben geschildert… und weil man auf dem Markt hochwertige Lebensmittel kaufen will, bewegt man sich mittags in das Bälliz und das wahre Grauen beginnt gleich beim 1. Glühweinstand… da stehen sie schon in Turnvereinstärke und kippen sich becherweise heisses, rotes Zuckerwasser rein… Hey, ich glaube ich spinne. Von wegen drogenfreier Gesellschaft… Da hat doch das Gewerbeamt, ja das Amt, das die ganze Stadt mit gefährlich plazierten Weltformat-Plakatständern voller moralischen Hinweisen oder plumpen Drohungen überstellt, nichts besseres zu t(h)un, als am Samstagsmarkt Alkoholausschank-Lizenzen zu verkaufen. Wo bleibt da die Linie??? Freitagnachts bei der Razzia in einem Drogenclub mitmachen und am Samstag Lizenzen kassieren für den Ausschank von Drogen… da soll noch jemand klarsehen.

In den letzten Tagen ist ja extrem viel geschrieben worden über das sogenannte <Thuner Clubsterben>. Die Schliessung der Red Bull-Ecstasy Akademie <N8 Stärn> ist im Moment das grosse Thema von Journalisten, gelangweilten Jungsozialisten und etwas in die Jahre gekommenen Amateurrevolutionären. Wer zu Goa Trance und mit Red Bull und farbigen Pillen am Sonntagnachmittag um 14 Uhr, auf einem klebrigen Dancefloor, abtanzen will, dem fehlt nun wirklich eine Ausgehmöglichkeit, das ist ein Fact, aber ob man da gleich vom Clubsterben sprechen kann..?? Aber, was ist eigentlich ein Club? Oder wieviele <richtige> Clubs gibt es in Thun wirklich? Die Antwort müsst ihr euch selber geben… ich bin da die falsche Person dazu und ihr bewegt euch mehr im thuner Nachtleben als ich. Was ich aber weiss: CAFE BAR MOKKA ist vom aufwendigen Angebot her sicher ein Club, denn wir bieten eine Disco, einen Konzertraum, ein konstantes Programm nach dem Motto: The Show must go on!!, eine funktionierende Infrastruktur und das alles kostet viel Geld. Die fetten Jahre im Nachtleben sind vorbei, den Clubs geht es wirtschaftlich schlecht, das ist klar und es ist definitiv kein Fleisch mehr am Knochen. Alle haben zwar gundsätzlich Gäste, das  grosse Angebot muss sich aber auf immer weniger Konsument/innen verteilen… Und zudem kann man keinen Club mit dem anderen bergleichen und keine Stadt mit der anderen, überall ist die Situation anders und alle Betreiber sind letztendlich auf sich gestellt.

Das Tagesgeschäft ist aufwendig, das Gastrogeschäft wie gesagt harzig, als Betreiber einer Konzertbühne, schlägt man sich tagelang mit Agenturen rum… mit immer kompakteren Kommunikations-Tools, mit dem immer höheren Arbeitsrhytmus und natürlich mit den ganzen Bandbreiten von Störungs-Möglichkeiten im Rahmen der Verblödung der Menschen, die nachts unterwegs sind. Der moderne Mensch ist definitiv nicht einfacher geworden und die heutige Jugend, die nie für einen Freiraum kämpfen musste, sieht den Unterschied zwischen Mc Donalds   und CAFE BAR MOKKA manchmal nicht so klar, denn der Handyempfang ist in beiden Läden gewährleistet und das ist heute mitunter das wichtigste… Fast noch wichtiger als Drogen… aber auch punkto Drogenversorgung ist Thun ja ziemlich gut positioniert… denn Drogen sind aus der heutigen Hochleistungs-Gesellschaft eh nicht mehr wegzudenken, damit und mit den ganzen Auswirkungen dieser Kultur der betäubten Menschen, müssen wir leben, nachts noch mehr als tags..!!!

Wir sind also wieder einmal fast am Ende eines Jahres angelangt und können sagen: Das Jahr 2013 war intensiv und interessant und hat uns viel Freude gemacht… wir haben extrem viele Shows gefahren, die alle etwas besser besucht hätten sein können.. haben viele schöne Moment erleben dürfen, haben sehr viele Künstler/innen glücklich machen können und alles war entspannter als auch schon. Das Festival AM SCHLUSS 13 war ein Grosserfolg, MOKKA GHETTOFLOWERS VOL. 1 + VOL. 2 war eine neue Erfahrung. Der 2. Teil der Konzertsaison hatte einen <coolen Flow> und ging wie im Flug vorbei.. Bis Ende Jahr sind nur noch 15 Shows zu fahren… Yeahhh!!!! Wir haben in diesem Jahr aber auch an der Qualität unserer Infrastruktur gearbeitet… und konnten dank dem Entgegenkommen der Stadt Thun, als Liegenschafts-Besitzerin, den Konzertraumboden flicken und neu Versiegeln, die abgefuckte Herrentoilette renovieren und wenn alles gut geht, ist Mitte Dezember der Bau der 2. Damentoilette abgeschlossen. Stetig vorwärts ist auch hier die Devise, die Geschichte zeigt uns, dass es sich immer lohnt.

Kontinuität! Das meint Dranbleiben an der Sache, ist der Kern des Erfolges und das spezielle an der Institution CAFE BAR MOKKA. Nicht jeden Pseudotrend mitmachen, nicht auf jeden Dampfer aufsteigen, sondern Spüren und Ausloten der Möglichkeiten und der Bedürfnisse eines lebhaften Hauses, das in Thun steht und nicht in Zürich, Genf, Aarau, Basel oder Hamburg. Beschränkte finanzielle Mittel und fehlendes Publikumsinteresse, wird hier mit Gastfreundschaft, hoher Erfahrung und viel Liebe zum Detail wettgemacht. Thun ist „The Place“ auf den Tourplänen des internationalen Musikzirkusses. Bekannt ist CAFE BAR MOKKA auch durch den weltumspannenden Slogan „Fuck this Town“, der in den 90er Jahren, als man noch das Geld dazu hatte… allen Künstler/Innen, auf T-Shirts aufgedruckt, mitgegeben wurde. Diese Kultshirts wurden in Burkina Faso, Mali, Australien, England, Sibirien, Island, Argentinien, Deutschland, Mexiko, Frankreich, Mosambique, Amerika und so weiter mit Stolz getragen.

1999 musste ich ein T-Shirt nach Mali schicken und zwar für den Bürgermeister von Bamako, der es nicht ertrug, dass die berühmten Musiker seines Landes alle so ein schönes schwarzes Shirt mit einem sonnenblumengelben Logo trugen und er, der doch der echte Chef ist, keines hat! Philipp Fankhauser fuhr einst, während seiner US-Zeit, mit der Harley von San Diego nach San Franzisco an die Gay Parade. Als er dort angekommen die Lederjacke auszog, merkte er, das er statt: MOKKA IS IN DA HOUSE ein Shirt von uns trug mit eben: FUCK THIS TOWN aufgedruckt… was natürlich ein No Go war, für einen solchen Anlass in einer solchen Stadt..!!! Fazit: Fankhauser erlitt die Parade in der Californischen Sonne in seiner Lederjacke… und wird diesen Tag und somit das Mokka nie vergessen..!!! Pedro Lenz hatte vor kurzem extrem Freude, als er auf einem Gepäckband im Flughafen Madrid einen Koffer mit einem grossen MOKKA-Logo vorbeirollen sah… Solche Geschichten könnten stundenlang erzählt und ausgeschmückt werden.

Vielleicht kommt ja die Zeit noch, wo MC ANLIKER als Historiker über das ausgestorbene Genre Livemusik schreiben wird. Noch finde ich dazu aber keine Zeit,  die Arbeit als Provokateur, Bürgerschreck, Teenieverwirrer, Tontechniker, Liebeskummertröster, Koch, Designer, Grafiker, Buchhalter, Booker u.s.w. wird mir wohl nicht so schnell ausgehen, denn auch im Jahr 2014 wird der Blick nach vorne gehen, in Richtung Zukunft und diese war eigentlich schon immer der Hauptantrieb des Hybridenmotors CAFE BAR MOKKA.

In dem Sinn freuen wir uns auf den Dezember 2013, auf euren Besuch und auf den Silvester 2013!!
Und…… natürlich auf das neue Jahr!!  KEEP ON ROCKIN!!!!!!!!!