November 2014

NID I EGGE SCHIFFE MC… WIE SCHNELL MAN ERWACHEN KANN… EIN PAAR WORTE ZUR NEUEN KONZERTSAISON UND.. THUN SOLL ZUR NEUEN PARTY-DESTINATION WERDEN!!! MC ANLIKER ZUM NOVEMBER 2014.

Wer das Wort von mir zum Saisonstart 2014/2015 von CAFE BAR MOKKA gelesen hat, war doch sicher froh, um diese optimistisch-schwebende Zuversicht für das, was da bis Ende Oktober 2014 in dem kleinen Club, in der kleinen Stadt am Rande der grossen Alpen… passieren sollte..!! Whau, das wird abgehen… MC ANLIKER war richtiggehend entfesselt… fast wie einst im Mai…!! Nun, 18 Shows und 26 Clubnächte später, sieht das alles ziemlich farbloser aus, realistischer und wir sind definitiv im Hier und Jetzt angekommen!!! Manchmal lässt die Realität einen ziemlich konsterniert dastehen… und zurückschauen. <Ig hätt genauso gut deheime chöne blibe u ine Egge schiffe…!! Wenn dir wüsst was i meine!!!> Es war schlicht und einfach <No way to come to the people…> Die Gründe des Misserfolges suche ich nicht gross… klar, das sage ich jetzt einfach so, innerlich mache ich das dauernd… das ist wohl klar, wir betreiben ein Bargeldgeschäft und sehen das Resultat jeweils unmittelbar und physisch vor uns oder in uns…-eren Kassen. Ich persönlich suche nicht im Programm, das war ganz klar ein Programm wie es typisch für unseren Laden ist, eher noch eine Spur besser…!! Die Acts waren von guten Eltern und für uns war es inhaltlich eine bereichernde Zeit, mit zufriedenen Gästen, auch wenn es wenige waren. Dies jetzt nicht als Beschönigung… Shit happens!! Einfach weitergehen..??

Das kann man manchmal gut und manchmal weniger gut… die Backflashes sind programmiert, zumindest, wenn man schon lange an einer Sache dran ist. Es ist wie mit den Drogen-Backflashes, wer über lange Zeit Drogen konsumiert, kennt sehr viele Momente, die schon einmal gleich waren… und trotzdem… keine Drogen zu nehmen, ist dann auch nicht die grosse Alternative (Drogen sind für mich weit gefasst… da gehört neben den bekannten und verbotenen psychoaktiven Substanzen, vor allem der Stoff Alkohol dazu, aber auch Arbeit, Internet, Essen, Telefonieren und was man alles heute so intensiv als Ablenkung praktiziert…). Selbstreflektion ist etwas Schwieriges… ob in der Arbeitswelt oder im normalen Leben. Wenn ich mir zu oft die Sinnesfrage über meine Arbeit hier im Club stelle, werde ich nur abgelenkt, verliere die Leichtigkeit, die Fröhlichkeit und werde dann schnell einmal als Kotzbrocken wahrgenommen. Die Arbeit aber, wird dadurch auch nicht gemacht…. ein selbst arbeitender Club muss zuerst noch erfunden werden. Wenn ihr da Etwas anzubieten habt… bitte per Mail an sucks@mokka.ch!!! Als Kulturschaffender ist ja das Schaffen entscheidend, Kultur ist auch drin, aber nicht so beschwingt wie sich mein Umfeld das vorstellt. Als Chef einer Crew, die sich in Sachen beruflicher Perspektiven nicht auf die äusseren Äste rauslässt, ist man zudem auch nicht wirklich am Drücker… mit teilzeitarbeitenden Mitarbeitern muss man sich eher nach der Decke strecken, muss dauernd die Bedürfnisse des Clubs um die Möglichkeiten und Arbeits/Freizeit-Bedürfnisse der Mitarbeiter herum bauen. Das alles ist im Normalfall kein Problem, zum Problem wird es eher, wenn die Zahlen nicht so sind wie sie sein sollten und das über längere Zeit.

Und die Tage ist es wieder einmal soweit… keine wirklich gute Stimmung in mir und vor allem um mich herum… es wäre definitiv die Zeit für ein Time-Out… Eine schlichte Hütte an der portugiesischen Atlantik-Küste, in der Nähe eines Dorfes mit einer schlichten Bar… 2 Monate das Grollen des grossen Wassers und nicht viel mehr… zuhause würden andere das machen, was ich sonst mache und könnten Erfolg oder Misserfolg zelebrieren und dabei so gelassen sein, wie man eben sein sollte. Zugegeben, das ist Wunschdenken… müsste man sich aber auf die Zukunfts- Wunschliste setzen… es könnte auch Apulien oder Griechenland sein. Es gibt ja immer Gründe, weshalb unser Musikprogramm nicht wirklich Konsumenten findet, einer davon ist sicher auch die zunehmende Mobilität und der temporäre Auszug der Thunesier/innen aus der kleinen Stadt am Rande der grossen Alpen, zumindest im Herbst scheint das wirklich ein Thema zu sein. Im 18 km entfernten Bern sieht dann alles wieder etwas anders aus, ausverkaufte Shows und Parties sind dort eher Wochenend-Ordnung. Wir sind nun aber hier in Thun, haben unseren Club hier und wollen ein kontinuierliches Angebot bieten, grossstädtisch und modern. Einen schwachen Trost gönne ich mir jeweils… vielleicht ist das auch nur ein Trick, eine Süssigkeit um die Stimmung zu heben: Randregionen sind zum Arbeiten vielfach relaxter als Städte, wenn ich mir vorstelle, ich müsste mich mit 031 rumschlagen, im wortwörtlichen Sinn, dann kommt mir das Kotzen. Da sind doch unsere somalischen <Freunde> eher sehr harmlos dagegen und die haben uns in der letzten Zeit eher gemieden, dies aber aus verschiedenen Gründen.

Dass Thun aber ein grosses kulturelles Potential hat, und dereinst eine wichtige Party-Destination sein könnte, daran glaubt zumindest die Juso Thun und auch die SP Thun (Jungsozialisten + Sozialdemokraten, dies für die apolitischen Leser…). Sie fordern von der Stadtbehörde ein Nachtleben auch nach 01.00 Uhr…!!!! (aber subito..!!!)  eine Partymeile wie einst die Selve..!!! und mediterranes Lebengefühl. Schön, dachte ich, als ich das gelesen hatte. An die Demo zur Unterstreichung dieser Forderung die am 1. November 2014 stattfindet, werde ich aber nicht gehen, nur schon weil ich am Nachmittag einkaufen und kochen muss… weil wir am Abend ausnahmsweise ein Konzertli in unserem Tea Room haben. Nachtleben auch nach 01.00 Uhr? Wenn ich unsere Lohnblätter anschaue, da sehe ich, dass der Arbeitsschluss unserer Mitarbeiter/innen meistens um 04.30/05.00 Uhr ist… was machen die wohl alle nach 01.00 Uhr? Ich werde das einmal genau prüfen müssen… mysteriös… Ich selber bin also auch schon nach 01.00 Uhr bei uns im Club gewesen, aber vielleicht habe ich mich in der Uhrzeit verguckt… das kann passieren. Die Strategie der SP im Bezug auf eine neue Partymeile, wie einst die Selve, tönt in etwa so, wie der Trampelwurm aussieht. Die Uttigenstrasse, das ist die Strasse die in das Ruag-Areal führt, also: <In the middle of nowhere>, würde sich, laut SP, für diesen Plan anbieten, da dort ja schon grossartigste Clubs wie Baranoff, Brügglibar und Zündkapsel-Fabrik bestehen, und sich Gafner Reinigungen, das Armee Museum, das Atelier-Haus, der Video Point und ein Italiener Club mit drögem Steingarten geradezu als hype Clubs der Zukunft aufdrängen. Strategisch auch sehr ideal gelegen… 2 von 3 Zugänge durchqueren grosse Wohnsiedlungen mit hunderten von Anwohnern. Welche Kifferbirne sich das ausgeheckt hat, kann ich mir schon vorstellen… reine Wahlkampfstrategie, aber eine sehr peinliche.

Erstaunlicherweise geistert <Die Partymeile Selve> immer noch und immer wieder durch viele Köpfe hier in dieser Stadt, es gibt noch 2014 kaum ein Interview mit Schülern, die vom Alter her kaum mehr wissen können, was damals in diesem grossartigen Industriequartier abging, in dem nicht die Frage kommt: Herr Anliker, was hat sich verändert, seit es die Selve nicht mehr gibt? Manchmal hole ich weit aus… das überfordert aber die meisten dieser gutsituierten Kids… manchmal gehe ich mit ihnen auch das Selve-Modell anschauen, ein Bijou, das die ganze Fabrik und das Gaswerk Areal der Stadt Thun in den 60ziger Jahren zeigt… ein sehr beeindruckendes Modell, das dem Betrachter klar macht, wie gross die industrielle Produktion mitten in der Stadt einst war. Wir sprechen von 1000-1200 Arbeitsplätzen!! Es gibt ja im Buchhandel, auch ein Selve-Buch mit vielen Fotos aus der Fabrik und mit Berichten von Menschen, die darin gearbeitet haben. Das grossartige Modell ist zu Bürozeiten im ehemaligen Selve Verwaltungs-Gebäude, heute Regierungsstatthalter- und Zivilstandesamt, an der Scheibenstrasse, im 1. Stock zu besichtigen. Dies ist ein Geheimtip! und hingehen, bevor das Modell irgendwann einfach verschwunden ist.

Ich komme hier zum Ende des Textes: Konsterniert kann man Ende Monat auch auf die andere Weise sein… nachdem ich am Samstag 25. Oktober 2014, früh morgens, an diesem Text zu Arbeiten begonnen habe und gut damit vorwärts kam… quasi im richtigen Flow war… konnte ich mich am frühen Nachmittag wieder dem Tagesgeschäft zuwenden. Angesagt war eine Show mit dem Songwriter William White, der hier in der Region ein treues Publikum hat. Es gab im Vorfeld gut Reservationen und am Abend kann es gar zu Gedrängen auf den Rängen… Plötzlich musste ich meine Festplatte in einem Mass aktivieren, wie seit Wochen nicht mehr… Hei, Hallo.. was geit hie ab… i bi itz grad echlich erschtunt…!! Um das Haus war Voll-Betrieb und in der Disco war es wieder einmal so, wie es öffter sein sollte. In Thun, Bern und wo auch immer, war an diesem Abend ziemlich viel los… Ich verstehe es nicht wirklich, nehme es aber gerne an und nehme es auch als gutes Omen für unser ambitioniertes November 2014 Programm mit ins Boot, das ja eh nicht voll ist… wie so viele Boote die nicht wirklich voll sind.

Während ich diese Zeilen in den MAC tippte, sind im übrigen die ersten Mieter/innen in der neuen Überbauung, vis à vis des Clubs, eingezogen. Welcome to the Show!!!

Ich hoffe, dass euch beim Lesen des Textes  nicht das Gesicht eingeschlafen ist… Kommentare und Anregungen, wie immer an sucks@mokka.ch. Ich wünsche euch von ganzem Herzen einen schönen November und… wo unser Haus wohnt, wisst ihr ja!!!

LIEBE GRÜSSE AUS 036… HEY EASY MAN!!! EUER MC ANLIKER  CEO MOGGA TUNIS