Januar 2008

NEUE KIRCHEN UND KATHEDRALEN MACHEN DEN MENSCHEN NICHT GLÜCKLICHER.
2008 KÖNNEN WIR VIELE SACHEN ANDERS MACHEN

Alles hat bei der Ausgabe 2007 bestens funktioniert, genau so wie es gewünscht wurde, alle haben diesmal mitgemacht, es gab keine Dissidenten/innen, keine Spielverdber/innen, keine Boykottaufrufe und keine Protestkundgebungen. Die Medien haben ihren Teil zum Gelingen beigesteuert, haben die Menschen in ihrem T(h)un bestätigt und ihnen auch die nötigen Informationen geliefert, wo was für ein Super Event angesagt ist und wer wann seine Türen weit offen hat, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Der liebe Gott war uns allen gnädig, dass er so ein shoppingfreundliches Kalenderjahr gestaltet hat. 4 Abendverkäufe mit viel Punsch, Glühwein und anderen Alkoholikas, 2 Sonntagsverkäufe mit dem vollen Programm aus dem Alkoholangebot und ein Top gelegener 24. Dezember mit Ladenschluss um 17 Uhr… Für das Weihnachtsgeschäft 2007 herrschten goldige und pardiesische Zustände. Das Schweizervolk enttäuschte die hohen Erwartungen an sie nicht und hat endlich begriffen, dass wir nur in der Solidarität als Volk, wenn wir alle am gleichen Strick ziehen, das gleiche glauben und dafür bereit sind Opfer zu erbringen, die Wirtschaftsführung glücklich und reich machen können.

Es machte fast den Anschein, dass alle Sozialhilfeempfänger/innen, IV und AHV Rentner/innen, und jede/r Arbeitnehmer/in in diesem Land, einen sechser im Lotto gehabt hätte oder zumindest ein Erfolgsbonus auf sein Konto gebucht erhalten hätte. Was da durch die Strassen der kleinen Stadt geschleppt und dann nach Hause gefahren wurde, war schlicht und einfach Wahnsinn!
Wir kennen alle die neue Religion Namens: SHOPPING, deren Testamente wir in- und auswendig können, deren Kirchen und Kathedralen uns geläufig sind und in denen wir uns zuhause und aufgehoben fühlen, da ist genug los, um uns abzulenken vom Alltag und den kleinen und grossen Sorgen, wir müssen nur zahlen und schon finden wir die Offenbarung und können den Rest gesorgt geben. Wenn diese Orte aber schliessen, Abends oder an Festtagen wie Weihnachten, haben wir ein echtes Problem  mit dem Zelebrieren der alten Religionen, die Werte wie Ruhe; Besinnlichkeit, Spiritualität und Innere Werte  in den Raum stellen. Schon nur Ruhe erträgt ein Jünger der Shopping Religion sehr schlecht, ganz zu schweigen von Spiritualität oder der Frage nach Inneren Werten. Einander zuhören, einander einfach gegenübersitzen ohne Handytastatur-Akrobatik und weissen Kabeln, die ins Ohr führen, wird zur Schwierigkeit, singen tun ja schon längst nur noch die Stars und von denen wissen wir mittlerweile mehr, als von uns selber. Was hat die Partnerin für ein Kleid getragen, am Weihnachtsabend….? Britney Spears trug ein pinkfarbiges Mini mit einem silbrigen Täschchen und erhielt Bla..Bla..Bla..! Das waren die wichtigen Medienmeldungen zu Weihnachten 07!

Mitarbeiter/innen von Einkaufszentren mussten am Heiligen Abend zum Teil bis 22 Uhr in den Läden das Weihnachts-Sortiment ausräumen und die Ware für ein bombastisches Neujahres Geschäft bereitstellen, so dass die Menschen ihre Religion am 27. Dezember wieder zelebrieren konnten. Das war keiner Zeitung eine Meldung wert. Niemand stellt mehr die Frage nach den Bedürfnissen der Mitarbeiter/innen, dem Human Kapital jedes Betriebes, das Motto ist gegeben: The Show must go on! Ohne Rücksicht auf Verluste. Warum wohl, muss so viel gesoffen werden in der heiligen Zeit? Sind wir nun die glücklichen, erfüllten Menschen, nach diesen Festtagen? Ich würde dies ganz klar mit Nein beantworten… Heute Donnerstag, 3.Januar 2008 war die Stadt schon wieder proppenvoll mit Menschen, die Ihre Weihnachtsferien todschlagen mussten, nicht wenige trugen eine Kartonschachtel von Parkhaus in die Innenstadt. Geschenke zurückgeben oder tauschen war angesagt und Ausverkauf. Sale..! 50% Off! Da kann Mann/Frau doch, als gläubige Shopper/in, nicht nein sagen, eher schleppt man noch ein paar Säcke nach Hause, obwohl dort in der 3 Zimmerwohnung eigentlich schon längst kein Platz mehr ist für Neues… Wir haben ja eh schon alles in 3-7-facher Ausführung und diese Materialschlacht kostet uns manchmal sehr viel Kraft, zu viel Kraft. Sind wir ehrlich, manchmal wünschen wir uns doch einfach eine <Gafner Mulde> vor dem Haus, in die wir die Hälfte der Wohnungseinrichtung und der Schrankinhalte, schmeissen können und ab nach Jaberg damit und dann 3 Wochen daheim bleiben, Shoppingfrei, und den Rest verkonsumieren und merken, das dies immer noch viel zuviel ist.
P.S. Auch die Kultur boomte über diese Tage und auch unsere Lager wurden leer getrunken….. Äs guets Nöis.

JANUAR 2008 / THUNER TAGBLATT