Juni 2012

MOKKA SEXY MOTHER FUCKER TOUR 1986-2012… 25 JAHRE SIND NUN GESCHAFFT… DAS NACHTLEBEN ALS DAUERTHEMA UND DROGEN BIS ZUM ABWINKEN.. MC ANLIKER ZUM JUNI 2012  (EIN KURZTEXT)

Noch geht es um 3 Shows und dann ist die legendäre 25. Saison von CAFE BAR MOKKA ausgespielt…. trotz dem schleichenden Abbau der Anzahl von Konzerten waren in der Zeit von September 2011 bis zum 15. Juni 2012 119 Bands, eingerechnet die 24 Bands aus der Region, die an der Mokka Regionaltonwoche auftraten, auf unserer Bühne zu Gast. In diesen 10 Monaten legten 210 Dj`s für uns eine breite Palette von Dance-Music auf. Diesen Frühling kamen dann noch 2 Partys dazu, die den Rahmen unseres Clubs gewaltig sprengten und uns auch klar die Grenzen des Kommerzes aufzeigten…… The Show must go on… heisst immer noch das eiserne Gesetz der Showbranche, und das war auch diese Saison nicht anders. Ganze 2 Mal musste die Club P.A., beide Male in einer Sonntags-Aktion, ausgewechselt werden, Martin Widmer von Sound Light&Motion sei hier nochmals gedankt…. Nun werden wir also wieder in die Bühnen-Technik investieren, diesmal wird die <Front of House> der Beschallungsanlage neu bestückt.
Vieles kommt in die Jahre.. z.b. die Mokka Bühnen-Vorhänge, sie stammen aus dem Kino Theater Scala, das 1994 abgerissen wurde… sie sind also 18 Jahre bei uns im Gebrauch, sind aber sicher weit über 50-jährig und entsprechend brüchig und müssen nun ersetzt werden. In den nächsten Wochen muss im Hause CAFE BAR MOKKA vieles erledigt werden, die Check-Liste ist lang.. die Spuren von 12 Monaten Kilbi sind unübersehbar.

Das alles passiert, wie immer, hinter den Kulissen und fördert nachhaltig das System: Einige wenige dienstleisten für die Masse, die mittlerweile so was von unbewusst überall einfach die Schlagsahne oben abschlecken kann… und überall Spuren hinterlassen kann, ohne sich je Gedanken zu machen, wer eigentlich dann die Kübelpflanze wieder ersetzt, wenn Mann, schlecht drauf, seinen Frust daran auslässt… die Entwicklung zum totalen Konsum ist nicht neu, es ist vielmehr ein Resultat der uneingeschränkten Macht des Kapitals. KULTUR IST EIN DÜNNER LACK, DER SICH DURCH ALKOHOL LEICHT AUFLÖST. Dieser Spruch wird die Tage ziemlich ausgereizt.. und er zeigt uns auch immer wieder seine Wahrheit.. Es geht sehr stark um Drogengewohnheiten; Freiheit meint heute auch: Ich will saufen, soviel ich will, und ich will eine Scheibe haben um jeden Preis und ich lasse mir von niemandem irgendetwas sagen. Immer vorausgesetzt, dass der Handy-Empfang gewährleistet ist… Für viele Kids sind Strukturen, die z.b. wir als Kulturbetrieb haben (müssen), schon viel zu bieder, zu gross ist die soziale Kontrolle durch aufmerksames Personal, das auch einmal jemanden zurechtweist, weil wir uns nicht alles bieten lassen können. Unser beleuchteter Garten schwemmt unserem Nachbarn, dem Piraten, massenweise junges Publikum an Land, weil er auf Licht verzichtet, was billiger und einfacher ist und für die Jugend attraktiver ist.

Die beschnittene Freiheit im öffentlichen Raum ist  das Thema der Stunde, und das alte Schlagwort: Es isch nüt los hie.. hat Hochkonjunktur. Die Behörden und deren Vertreter/innen agieren in dieser Sache zum Teil sehr unglücklich und bieten viel Raum für Feindbilder. Für die mobil mobilisierende Party-Generation in ihren Cyberwelten ist es endlich einmal aufregend.. zum Beispiel, was am Samstag 2. Juni 2012 in Bern abging.. alles ist real, fassbar und bietet für einmal ein richtiges Erlebnis.. 10.000 Personen an einer Strassenparty ist, zugegeben, eine Riesensache und wird in die Geschichte der Stadt Bern eingehen. Aber klar ist: es ist eine Party und Parties sind die Mitte des modernen Lifestyles, da kann eigentlich nichts schief gehen. Tatsache ist, dass wir heute definitiv keine Freiräume mehr zu bieten haben.. keine leerstehenden Garagen, Fabrikhallen oder sonstwelche Gebäude sind mehr übrigeblieben, jeder verfügbare Leerraum wird kommerziell genutzt. Die Forderungen nach einem Autonomen Kulturzentrum in Thun ist mehr als berechtigt und ich hoffe doch, dass der Rest der denkenden Jugend die kreative Kraft besitzt, das durchzuziehen.. denn wir alten Säcke wechseln gerne auf Perron B.

Auf einen schönen Sommer mit nicht zu vielen Drogen, mit hoffentlich angenehmen Gästen, die die gebotenen Freiheiten nutzen können, hebe ich die weisse Fahne.. Euer

MC ANLIKER  GENERAL INTENDANT PERRON B