Oktober 2012

MENSCHEN DIE SICH PUNKT ZEHN UHR ABENDS ÜBER FEIERGERÄUSCHE BESCHWEREN, SIND DIESELBEN, DIE UM PUNKT SECHS UHR MORGENS DIE WASCHMASCHINE ANWERFEN. EINE GESCHICHTE AUS DER KLEINEN STADT AM RANDE DER GROSSEN ALPEN

Unsere neuen Nachbarn auf dem Selveareal haben im Frühling 2012  ihre teuren Minergie- Wohnungen bezogen, gehen nun auf den Balkon rauchen (das macht sogar MC ANLIKER seit einem Jahr….) und…. hören dabei Geräusche von lebenden und feiernden Menschen, und so hat der Konflikt Wohnen-Nachtruhe und Club-Nachtbetrieb seinen Anfang genommen.

Es ist eine klassische Geschichte, mit einer soziokulturellen Institution, die seit über 25 Jahren für die Stadt und die Region eine wichtige Arbeit macht, auf der einen Seite, und neu zugezogenen anonymen Mietern  und der modernen Polizei Bern, die auch immer ortsunkundigere Mitarbeiter auf die Nachteinsätze schickt, auf der anderen Seite. 1 Anruf zu Beginn von MOKKA SUMMERDANCE VOL.1/12 hat gereicht, um einen 16-Jährigen, europaweit einzigartigen Anlass zu beenden. Die Kompromiss-Lösung, die sehr schnell und unbürokratisch in Verhandlungen mit dem Gemeinderat der Stadt Thun und dem Regierungsstatthalter stv. erfolgt ist, ist zwar ein Entgegenkommen, aber nicht mehr nahezu das, was MOKKA SUMMERDANCE ausgemacht hat… Spielzeiten, wie sie nicht in Berlin, Rotterdam, Wien oder Napoli auf dem Angebot stehen, war das, was für die Marke MOKKA SUMMERDANCE stand.

Die Geschichte hat einen wahren Solidaritäts-Schub für CAFE BAR MOKKA ausgelöst.. Dass der Club seit ewig besteht, lokal verankert und traditionsreich ist, kommt uns nun zugute. Ein Komitee aus empörten Mokka-DJ`s, besorgten Mokka-Konsumentinnen und Konsumenten hat sich zusammengefunden und sind seit Beginn des MOKKA SUMMERDANCE GROUNDING (mein interner Arbeitstitel) sehr aktiv. Zusammen haben wir eine Petition lanciert, mit der nun nach 22 Tagen sammeln schon 4100 Unterschriften zusammen kamen. Das Komitee hat an 2 Samstagen im September im Thuner Bälliz 350 T-Shirts mit dem Logo THIS CITY NEEDS… verkauft und schöne Kleber verschenkt. Zudem sammelten sie an diesem Stand noch massig Unterschriften..!!! Für die meisten dieser Menschen ist das ihre erste Aktion dieser Art, und den Erfolg mag man ihnen gönnen und man kann ihnen zurufen: THIS CITY NEEDS… YOUR ACTIVITY!

Als Argument sehe ich im Moment vor allem den letzten Abschnitt des Petitions-Textes:
…. ZUDEM FORDERN WIR DEN GEMEINDERAT UND DIE BEHÖRDEN DER STADT THUN AUF, IN ANBETRACHT DER ÜBERBAUUNG DES REX – GERBER AREALS BEI DER BAUHERRSCHAFT UNMISSVERSTÄNDLICH ZU DEPONIEREN, DASS AN DER ALLMENDSTRASSE EIN MUSIKCLUB NAMENS CAFE BAR MOKKA SEIT 26 JAHREN EINE WICHTIGE SOZIOKULTURELLE FUNKTION FÜR DIE STADT UND DIE REGION WAHRNIMMT UND DIESE WEITERHIN AM STANDORT ALLMENDSTRASSE 14 WAHRNEHMEN WIRD.
Es geht darum, dass mit dem Einzug der Mieter in die neue Überbauung an der Allmendstrasse dereinst nicht der Gesamtbetrieb CAFE BAR MOKKA bedroht ist, darum wehren wir uns jetzt und nicht erst in 2 Jahren. Das Wohnprojekt heisst im übrigen <PULS>, was auf pulsierendes Leben schliessen lässt und der Puls muss tags wie nachts sein…. sonst schlägt das Herz nicht mehr und dann heisst es: LETZTENTLICH SIND WIR ALLE TOT.

Wir planen nun einen AKTIONSTAG für urbanes Zusammenleben, mit dem Titel: LEBEN MACHT LÄRM. Am Samstag, 6. Oktober 2012, starten wir um 16.00 Uhr  auf dem Thuner Waisenhausplatz Aareseitig… es werden verschiedene Künstler auftreten, es gibt Referate zum Thema und wir werden eine kleine Gastronomie hochfahren. Es gibt aber keine Demo und keine Figg di… was auch immer… nein, es wird ein gepflegter Anlass… der Geschichte des Clubs entsprechend sicher auch etwas nostalgisch… ist doch der Waisenhausplatz, Aareseitig, die Wiege von CAFE BAR MOKKA, dort fing alles an, 1985, Alkoholfrei!!!, im <Jahr der Jugend>, 1 Jahr bevor das Haus an der Allmendstrasse 14 vom Jugendhaus Thun in CAFE MOKKA, wie es damals noch hiess, umgebaut wurde.. Ja, so vergeht die Zeit…!!!! Der Anlass wird bis max. 22.00 Uhr dauern, danach geht es im Club weiter mit Amarillo Brillo und dem <This City Needs DJ Collectiv> und einer sicherlich rauschenden Clubnacht.

Eine Ueberlegung geht mir im Moment nicht aus dem Kopf: Wenn wir die Emissionen, die der Rück- und Neubau des Rex- und Gerberkäse-Areals verursacht, der endlosen Staub über Wochen, die Abgase der Dieselmotoren des Baggerbalettes, das seit Wochen in Fussballmannschaftsstärke in unserer direkten Nachbarschaft tanzt, den Lärm der Rammarbeiten, die letzte Woche mit gemessenen 104.7 Dezibel über Tage ein normales Arbeiten unmöglich machten (Hallo hier ist Radio Virus, könnt ihr uns etwas zu euren Problemen mit Lärmklagen aus der Nachbarschaft… dann fängt das Rammen wieder an und ein Radio Interview kann man dann vergessen für die nächsten paar Stunden..), wenn man diese Belästigung in Punkte auf unser Emissionskonto gutschreiben würde, könnten wir dann sicher, wenn die Häuser bezogen sein werden, getrost 2 Jahre Mega-Party feiern, um dann mit den neuen Häusern auf null Bilanz zu stehen.

Nun, vergessen wir vor lauter Konflikte nicht, das der Club, kerngesund und positiv in die Zukunft blickend, vor einer langen Konzert- und Disco-Saison steht. Mit dem BABY JAIL Konzert am Freitag, 21. September 2012, starten wir die Bühnensaison 2012-2013 mit Nostalgie pur. Das Herbstprogramm ist bis Ende Jahr vorliegend, es wird sicher noch die eine oder andere Perle dazu gebucht werden, wie immer wenn man nicht, oder nur schlecht, nein sagen kann. Check it Out on: WWW.MOKKA.CH. So ein Haus wie das unsere soll leben, muss leben und die Struktur unseres Hauses ist in bester Kondition, wie man so schön sagen kann… Wir haben diesen Sommer einiges im Haus aufgefrischt, haben im Konzertraum eine neue P.A. eingebaut, die soetwas von schön tönt, das wir uns alle auf die kommenden Shows nur schon wegen der Club-Anlage freuen können… Wände im Konzertraum und im Treppenhaus wurden aufgefrischt und anderes mehr in die Wege geleitet. Die Bepflanzung ums Haus hat sich ja diesen Sommer prächtigstens entwickelt… die violetten Bananenpalmen sind mittlerweile über 3 Meter hoch, ein Wahnsinn der Botanik.

Wenn alles gut kommt, haben wir bis Ende Jahr auch die Toiletten im Keller saniert… (es muss gut kommen..!!) und ein lange gehegter Wunsch von mir soll auch in diesem Herbst noch in Erfüllung gehen: Die Bühnenvorhänge aus der Zeit des Kino Scala sollen endlich ersetzt werden… 75 Jahre Showbranche ist auch für einen Hochqualitäts-Samtvorhang genug, wir schicken ihn in den wohlverdienten Ruhestand. Neu erfinden wollen und können wir uns in der 26. Bühnensaison sicher nicht, aber immer schön dranbleiben, nicht nachlassen, denn nur stetiges Tropfen höhlt den Stein und der Stein in der Kulturbranche ist immer noch hart wie eh und je. Wie der Konflikt der letzten Wochen klar aufzeigt, kämpfen wir in regelmässigen Abständen immer noch um das Gleiche wie 1986. Unsere Gesellschaft macht zwar einen auf Fun und Free und Super Cool.., aber wir sind heute als Gesellschaft konservativer als vor 20 Jahren und vorallem so egoistisch, dass wir schon gar nicht mehr von Gesellschaft oder Gemeinschaft sprechen können. Alles ist reglementiert und für alles und jedes braucht es einen bis mehrere Mitberichte, niemand in Politik und Verwaltung hat wirklich noch Arsch, gerade zu stehen und Verantwortung zu übernehmen, eine eigene Meinung zu haben und auch einmal etwas über den Regeln laufen zu lassen. Ausser vielleicht in der Finanzwelt oder im Strassenverkehr, wo mittlerweile fast jeder 2. Autofahrer während dem Fahren auf seinem Mobiltelefon rumdrückt und dementsprechend Auto fährt. Das ist Standard geworden, das liegt drin, das ist eine Bagatelle, wie vor Jahren noch das Autofahren mit Alkohol im Blut, und ausser Velofahrer, die davon betroffen sind, interessiert das niemanden… und ganz sicher nicht die Polizei.

Wärend ich die letzten Zeilen schrieb, kam diese Mail rein:  Liebe Betreiber des Mokka. Ich habe vor einem Jahr eine Wohnung im neuen Selvequartier bezogen. Nein keine Angst. Ich will mich nicht beschweren. Im Gegenteil! Ich wusste damals schon, dass es das Mokka gibt und Ihr im Sommer Musik draussen macht. Ich finde das toll, dass wenigstens noch EIN Betreib aus meiner Selvezeit bestehen geblieben ist. Ich war auch schon des öfteren bei euch im Garten. Es ist auch immer wieder schön auf dem Balkon zu sitzen und eure Musik zu hören. Also lasst euch nicht entmutigen und macht weiter so. Eine Unterstützung aus der Nachbarschaft habt ihr schon einmal.     Nachbarschaftliche Grüsse  (Name der Redaktion bekannt)    Auch das gibt es.. und das geht runter wie Honig am Frühstückstisch.

LIEBE MOKKA FREUNDINNEN UND FREUNDE, IHR WISST WO UNSER HAUS WOHNT….
AUF EINE TOLLE KONZERT- UND DISCO-SAISON 2012-2013 FREUT SICH EUER
MC ANLIKER        MONSTER OF CEREMONIES CAFE BAR MOKKA THUN