Februar 2009

HEY DÄ BUDEABE ISCH DE HUEREGEIL GSI…  EXPEDITIONEN IN EIS UND SCHNEE UND ANDERES AUS DEM LEBEN NEBEN DEM ROCK’N’ROLL… FEBRUAR 2009

Es ist wie meistens oder ehrlicherweise, wie immer….. der Text sollte schon fertig sein bevor nur schon das Word File eingerichtet ist… wie manchmal die Tage auch schon vorbei sind, bevor man sie in den Griff erhalten hat, etwas, was mich sehr frustriert und wobei ich mich immer extrem als Looser fühle. Beim Text ist es insofern anders, als ich die Chance habe, alles zum Guten zu bringen, weil ich am Anfang auch nicht genau weiss wohin mich die Schreibe führt, weil ich mich einfach treiben lasse und mich z.B. mit Musik manipuliere oder stimuliere.

Heute Dienstag, 27. Januar 2009, habe ich das I-BOOK in einer Ecke des Konzertraumes installiert, um zwischen den verschiedenen Gängen des traditionellen Mitarbeiter/innen Essens etwas Text in die Tastatur hauen zu können… Ob das ein guter Plan ist steht in den Sternen geschrieben, die Hoffnung auf eine gute Schreibe übergebe ich meinem Urvertrauen, weil ich als selbst ernannter Auftragsschreiber ohne akademischen Hintergrund und ohne gewonnenes Städteatelier-Stipendiat, nicht als Literat gelte und so auch keine Rezensionen über meine Schreibe verfasst werden, bin ich eigentlich ein vogelfreier Schreiber und das ist gut so. Das Menue ( Apero flüssig / Tomatensuppe mit Fladenbrot / gemischter Blattsalat mit Baumnüssen, Feta, Mozarella und Schnittlauch und grossblättriger Petersilie / Pasta Damaskus mit Peperoni, Aubergine, Oliven, Tomaten, Kartoffel, Pelati, Zwiebel, Knoblauch, Rindfleisch und viel Koriander, Jeera, Paprika und Rotwein, die Sauce 7 Stunden gekocht / Bouillon Gemüsemix im Ofen überbacken / Dessert aus Glacen mit Rahm, türkische Paklava und italienische Fasnachtsgebäcke… die Kalorien werden nicht gezählt..!!!) unserer Mitarbeiterparty ist im Moment etwa das Klarste an diesem Anlass, der 2 – 3 x im Jahr von uns als Dank an unsere Mitarbeiter/innen veranstaltet wird.

Die Wertschätzung für die geleistete Arbeit ist etwas sehr Wichtiges und etwas, was in der Regel heute viel zu kurz kommt….. Wenn wir unseren Mitarbeiter/innen 2x im Jahr die feinen Sachen servieren, die sie uns immer an die ganzen Musiker servieren sehen und deren Gerüche sie unwiderruflich in der Nase haben, ist das nichts als ein Akt der Gerechtigkeit, denn anders als unsere Mitarbeiter haben viele Bands unsere hochstehende und menschenfreundliche Kochkultur gar nicht verdient. Immer frische Salate, Gemüse und andere Zutaten vom lokalen Wochenmarkt, vegetarische, veganische und muslimische Küche ist bei uns Standart, auf spezielle Details wie Allergien, kann jederzeit reagiert werden und Essen kann Notfalls auch erst um 2 Uhr Nachts serviert werden. Das alles geht unter Dienst an Mitarbeitern, denn die auftretenden Künstler sind in diesem Moment auch Angestellte von uns, wenn auch nur für einen Abend. Was für die Musiker selbstverständlich ist, (gratis Essen und alkoholische Getränke bis zum bitteren Ende, dies auch bei einer schlechten 40 Minuten Show) ist für unsere Crew nicht Standart, sie müssen verpflegt zur Arbeit kommen und haben dann in ihrer 8 Stunden Schicht knapp Zeit irgendwann ein Sandwich zu essen und dazu haben sie Drogenverbot, was Alkohol einschliesst. An den <Workerpartys>, wie wir den <Budeabe> nennen, werden dann schon die einen und anderen Flaschen geleert an dem langen, weissen Tisch, der den Konzertraum durchzieht und Platz für 27 Mitarbeiter/innen bietet. Die ganze Szenerie ist natürlich auf das schönste ausgeleuchtet, dekoriert und beschallt, als dass es darum ginge einen internationalen Bühnenbild Preis zu erhalten….. And The International Stage Avard Goes Toooooo….!!!!!!

Nun, es gab gestern Abend keine Exzesse, wir sind alle so normal wie vorher, der Text wurde dann nicht wirklich geschrieben, aber Flaschen wurden geleert und Aschenbecher gefüllt und das Essen war vorzüglich…. der nächsten Mokka Workerparty steht also nichts im Weg.

Apropo Weg…. In den letzten Wochen waren wir Velofahrer und Fussgänger nicht so gut und eher gefährlich bis kriminell unterwegs. Für den Anfang des Kapitels <Winter in Thunesien> müssen wir auf die Silvesternacht 2008 zurückblenden… In dieser Nacht fing es um 18 Uhr, sehr zum Leid aller Party- und Eventveranstalter, massiv zu schneien an. Der gefallene Schnee war sehr nass und hat sich kompakt auf allen Oberflächen als gutes Fundament für eine 3-wöchige Eiszeit festgesetzt. Dass in der Silvesternacht nicht 100 Mitarbeiter zur Schneeräumung bereit stehen ist mir klar und auch am 1. und 2. Januar 2009 hatte ich Verständnis für die wild–romantischen Zustände auf den Strassen von Thunis. Südlich mediterrane Party- und Kultur Metropolen wie eben Thunis, sind schnell einmal überfordert mit Schneeräumung, weil das ja auch nicht mehr allzu häufig vorkommt und somit nicht mehr wirklich zum Alltags-Geschäft gehört. Die Mitarbeiter der Bauabteilung von Thunis müssen vorerst einmal den Zugang zum Ball- und Prunksaal Schadau freilegen, weil dort die VIP Elite der Region am 1. Januar dem König die Aufwartung machen muss oder darf. Die Männer arbeiten sich dann systematisch vom Schadausaal in die Innenstadt vor, befreien aber erstmals die Hauptverkehrsachsen für die Autos, aber eben nur für die Autos, vom Schnee und müssen bis zum Arbeitsbeginn des Königs, irgendwann 3. oder 4. Januar, auf dem Rathausplatz angelangt sein. Nebenstrassen, Velospuren und Trottoirs bleiben dabei auf der Strecke, ganze Quartiere werden so zu Expeditionsgebieten und wir Bürger/innen von Thunis zu Abenteurer/innen.

Bei uns am Eichmattweg brauchten wir, bis vor 4 Tagen, fast die Bergrettung, um nur das Trottoir bis zur arschglatten Schlossmattstrasse zu überwinden, um dann dort mitten auf der vereisten Strasse zu gehen, weil das Trottoir unpassierbar war. Der Schnee war schon vom 2. Januar an zu Eis mutiert, was das ganze erst richtig kriminell machte. In diesen Tagen brach das Leben im Quartier vollständig zusammen… wer nicht raus musste, ging nicht raus und wer nicht gut gehen konnte, konnte es jetzt gar nicht mehr und war zu 18 Stunden Fernsehen und somit zur drohenden Verblödung verdammt. Wer aber im Bekanntenkreis einen Panchero, Hummer oder Jeep Fahrer oder noch besser einen Helikopter Piloten hatte, liess sich aus der Schneehölle holen und sich nach Adelboden chauffieren, um dort dem Trinken auf Kunstschnee zu frönen, die Skistars zu feiern und dabei das Fernseh-Elend zu ertränken.

Eines zeigte sich aber auch ganz klar in diesen Tagen der extremen Witterungsauswirkungen: der Egoismus und die fehlende soziale Verantwortung von Firmen, Hausverwaltungen, Eigen-heimbesitzern und Mietern. Kaum jemand schaufelte eine Schaufel Schnee zuviel weg und niemand kümmerte sich um Begehbarkeit von Trottoirs, die vor ihren Häusern, Werkstätten oder Läden durchführen und die Kunden, Käufer und Mieter in ihre Räume führen… Vor Jahren noch, hatten in so einer Situation alle Geschäfts- und Werkstatt-Betreiber und Besitzer einen Mitarbeiter zur Schneeräumung freigestellt, bemüht um den Gesamteindruck ihres Geschäftes und ihrer Berufsehre. Heute ist es einem Kleingewerbler so was von scheissegal wie es um seine Werkstätte herum aussieht, wenn er nur seinen Gewinn oder seine Ferien über Weihnachten einziehen kann. Selbst grosse Konzerne wie Post und Coop scheren sich einen Deut um ihre sozialen Aufgaben, und zu denen gehört halt nun mal auch die Umgebung des Geschäftes.

Wer in den Junkie Coop oder in die Dennerpost am Bahnhof wollte, musste die Wochen, ausnahmsweise, nicht durch Neo Nazis Ansammlungen hindurch Spiessruten laufen, nein, laufen war eigentlich kaum mehr möglich, es war eher wie beim Aufstieg von Basislager 3 zu Basislager 4 einer Himalaya-Expedition und für solche Unterfangen sind die wenigsten Menschen trainiert und ausgerüstet.

Wir Rock’n’Roller sind ja noch einigermassen gut zu Fuss und durch das viele Arbeiten auch nicht so TV geschädigt, somit eigentlich ziemlich parat und trotz Rauchen haben wir noch 2 Beine und ich besitze sogar, seit anfangs Dezember, ein echtes paar Kandahar-Lammfell Stiefel aus lokaler Produktion und bin somit auch bei Schnee gut zu Fuss, theoretisch. Aber als ich am Donnerstag, 8. Januar 2009 zu Fuss vom Bahnhof an die Allmendstrasse musste, war das selbst mit der Winterausrüstung für Curler kaum zu schaffen und erstmals dachte ich ganz laut: Gopfertammihueresiech, für was zahle mir eigentlech Schtüre..??????

DIESE FRAGE LASSE ICH SO, GERNE IM RAUME STEHN, UND SOWIESO, WIR WERDEN WEITER GEHEN, WIR WERDEN DIE STERNE SEHN UND IN DIE FERNE GEHN……

Alles liebe zum Februar 2009 wünscht Euch Euer

MC ANLIKER
AUFTRAGSSCHREIBER MOKKA THUN
FRAUENVERSTEHER UND TROTTOIRGEHER