September 2004

Endlich wieder etwas kühler.. Partypeople gehen dem MC auf den Sack.. und es wird Zeit für eine neue Konzertsaison!

Am Tag als der Regen kam… langersehnt… auf die dürren Felder… auf die durstigen Wälder…

Sonntag, 12. September 2004, mittags, die Zeilen sind aus dem Song „Am Tag als der Regen kam“ von Dalida aus dem Jahr 1959… Draussen ist es endlich wieder einmal kühler als 18 Grad und, perfekt „getimet“, regnet es. Die Berge sind tief verhangen, und die Quartierstrassen sind wieder einmal, wie sie sein sollten, an einem Sonntag: ruhig…! Das ideale Wetter für den letzten Abend von Mokka Summerdance 04 / Vol. 2, und die Aussichten für einen Verachter von schlechtangezogenen Menschen, vor allem an Sonntagen, stehen besser als auch schon…! Jawohl, meine Damen und Herren, da kommt Freude auf… Ein solches Wetter macht unserer Freizeitgesellschaft einen dicken Strich durch die Rechnung… Wie soll ich bei einem solchen Wetter die ewige Bierbüchse in meiner Hand rechtfertigen… Da sehe selbst ich Superpartyfuzzie wie ein Alki aus… (was ich ja auch bin, würde ich es genau anschauen…). Und vorbei ist es mit den widerlichen Strandlatschen und Beachvolley-Shorts, die heute selbst an Hochzeiten und Beerdigungen Menschen mit durchschnittlichen ästhetisch-ethischen Ansprüchen tagtäglich beleidigen.

Nichts mehr mit: Hey, easy Mann… Cool ab, hey… Tue doch chli tschille… Und um das Snowboard in den BMW zu packen für „ein wenig Party in den Bergen“ ist es definitiv zu früh… Also, halt den GP von Italien glotzen, de haut…!! Die Kopfschmerzen von der gestrigen Party werden sicher bei Runde 98 auch vorbei sein…

Das war wieder einmal ein harter Sommer für einen, der aussterbenden Spezies, Rock’n’Roller!! Wohin das Auge reicht, nur noch vergnügungssüchtige Menschen, die von weiss nicht woher die Kohle haben und immer so t(h)un, als wenn sie sich von Wahnsinnsleistungen erholen müssten… Den ganzen Tag an THC geladenen, konisch gedrehten Stümpen saugen… Ohne Ende alkoholhaltige Getränkedosen und –flaschen durch die Stadt tragen… Dauernd ein silizium-, cadmium- und weiss nicht wie geladenes Mobiltelefon am Ohr und dazu noch aussehen wie nach der 3. Robinson-Staffel von RTL, es ist die Hölle…!! Dieser Sommer war ein Zacken härter als der Jahrhundertsommer 2003; dieser war so heiss, dass Mann/Frau fast nicht mehr auf den Putz hauen konnte… Hey, i ma nid, äs isch z’heiss… Der Sommer 2004 offenbarte die Kapitulation der Wohlstandsgesellschaft – die neuen Generationen, die uns als Veranstalter im Clubgarten und vor allem am zentralen Event „Im Fluss“ auf dem Mühleplatz angeschwemmt wurden, sind definitiv schwieriger zu handhaben als frühere Generationen. Jedes Jahr weniger Hintergrund, weniger Wissen über Zusammenhänge, wie es zu etwas kommt, ….., immer mehr Oberflächlichkeit, Fernbedienungsmentalität,

Kurzsichtigkeit und Egoismus… Ich will meinen Fun… meine Scheibe … Ich, Ich, Ich…!

Wir haben manchmal das Gefühl… lange geht das nicht mehr gut… oder schlicht: Wo führt das hin..??? Und natürlich: Wie lange kann man ein Projekt wie Café/Bar Mokka mit filigranen Strukturen in dieser ignoranten Welt noch durchziehen?? 18 Jahre haben wir hinter uns und die haben wir, zumindest wenn ich in den Spiegel schaue, relativ gut überstanden… Nur, jetzt sind die Auswirkungen der letzten 6 Jahre Intensiv-Gehirnwäsche durch clevere Werber und geldgierige Accountmanager von Konzernen wie NIKE, Swisscom, H&M, Nokia, Carlsberg, Coca Cola,… (sorry, wenn ich die weiteren 155 nicht mehr nenne…) bei den Jugendlichen sehr stark spürbar… Die Werbemillionen „greifen“, das grosse Abkassieren ist garantiert, und somit rechtfertigen sich auch die 10 – 120 Millionen Jahresgagen von Konzernmanagern… Dass man dabei ein paar tausend Arbeitsplätze abbauen muss, ist doch klar, und dass die Jugend nur als Konsumenten und Konsumentinnen ernst genommen wird und nur als das willkommen ist, das ist ein Detail, welches eh niemand bemerkt.

Irgendwie wundern mich die momentane Wohlstandsverwahrlosung und Verblödung unserer Gesellschaft nicht wirklich… Mann/Frau schaue einmal Werbung und Gerichtssendungen, Quiz- und Sport-Showcases und Talkshows im Fernsehen…. Zeitweise hat man dabei das Gefühl, einer Livesendung aus der psychiatrischen Klinik beizuwohnen (sorry, liebe Psychiater, Psychologen und Klinikpersonal…).

Das Auf-den-Boden-spucken, sich auch nach schlechtesten Leistungen abfeiern und sich fürstlich mit Geld bezahlen lassen kommen ganz klar vom Sport, vorab vom Fussball, aber auch das vollidiotische Beachvolley ist, für eine Gesellschaft mit Kultur, so was von Schlag in die Fresse. Am Abend im Ausgang sehen dann alle so aus wie die Brüder Laziga, oder wie sie genau heissen. Nach 11 Wochen Mokka Summerdance und dem erfolgreichen Festival „Im Fluss“ hat der alte MC ganz einfach eine Überdosis Partypeople und sehnt sich nach dem Konzertbetrieb im Club…..

Das vorliegende Musikprogramm ist reichbepackt und vielschichtig, Party ist auch dabei, claro. Aber auch die unbekannten Acts, die Ungeschliffenen, die es zu entdecken gibt und eine fette Lesung zum Schluss des Monats. Mich Gerber macht gleich mit seiner Bühnenpremiere den Anfang, und auch Trummer startet bei uns. Das sind jeweils Vertrauensbeweise, die wir zu schätzen und würdigen wissen. Hinter den Kulissen muss noch mächtig Gas gegeben werden für den Tag der offenen Tür, der am Samstag, 18. September erstmals und einmalig stattfindet. Ich werde mich noch von einigen Sachen trennen müssen… Snif, snif… Aber das wird sicher ein schöner Tag werden… Einmal etwas anderes…!

Mit der Firma Kryptonic sind wir seit Anfang August an unserer neuen Website am Arbeiten. Für den Anfang war das Experiment „Im Fluss“ eine Riesenherausforderung. In nur 4 Tagen haben wir die Seite umgeschaltet und eine informative, ansprechende Präsentation mit Bildern, Text und Musik kreiert.

In Zukunft werden wir immer mehr auf der Website präsentieren, darum… Check it out…! Gang ga luege… unger:

www.mokka.ch

Ich will langsam abklemmen und mich noch an die ewigen Leser/innen dieses Textes richten: Kommt doch einfach wieder vermehrter zu unseren Konzerten und lässt uns nicht zum reinen Jugendghetto verkommen… Unser Programm war nie und wird nie ein reines Kiddyprogramm… Darum brauchen wir euch Grufties, auch wenn wir nicht barfuss und rauchfrei sind, und ich nach den Shows nicht mit den Pantoffeln auf die Bühne komme und frage, ob noch jemand ins Lerchenfeld fährt, und auch wenn Mann/Frau bei uns stehen muss… Unser Programm ist schweizweit schwer bei den Leuten! Das ist Realität und nicht Eigenlob. Und die Kiddies…?? Die müssen auch irgendwo sein!! OK?!

In dem Sinn werden wir uns wiedersehen, mit oder ohne Freude…..

Ich wünsche euch einen schönen Herbst und viel Glück beim Casting von Robinson Staffel 4, Music Star Vol. 2 oder Schulmädchenreport 84…

Hoch die Tassen und den Frisbee zum Fassen

Euer MC Anliker

Monster of Ceremonies

Café/Bar Mokka Thun

PS: Die 6 Kiddies, die am Samstag, 11. September 04 den alten Keramik-Pudel auf dem Feuerlöschkasten im Parterre geklaut haben, sollen ihn, anonym, in den Club zurückbringen!! (Wir beherrschen Voodoo, im Fall!!)