Oktober 2008

EIN VORFALL DER VIELES VERÄNDERTE, TRATSCH OHNE ENDE, ABER DIE MUSIK WIRD ES HOFFENTLICH WIEDER RICHTEN… WORTE DES PUFFVATERS MC ANLIKER ZUM OKTOBER 2008

Nach einem sinnlosen Vorfall am Ende einer verrückten Party in unserem Paradiesgarten, musste am Samstag 30. August 2008 ein Mitarbeiter von uns mit massiven Gesichtsverletzungen in Spitalpflege gebracht werden und stundenlang operiert werden. Soweit ist Euch das alles bekannt, denn ein solcher Vorfall liefert genau das Material, das die Medien interessiert und das sich dann auch gut verkaufen lässt. Sex sells!!! Publik wurde die Geschichte aber erst nachdem die Polizei, eine Woche später, am Samstag 6. September 2008 um 23 Uhr, eine mittelgrosse Razzia bei uns durchführte. 36 Beamte in Festkleidung und zwei Einsatzleiter mit Berner Wanderweg Kleidung, kontrollierten 18 Personen, die sie aus den knapp 100 Anwesenden aussuchten. 1 Mann war wegen etwas mit seinen Aufenthaltspapieren gesucht, 1 Mann hatte eine Waffe bei sich, ob das ein Sackmesser oder eine Maschinenpistole war, werden wir wohl nie erfahren….  weitere 5 wurden wegen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagt. Nicht die Hölle… aber von der Wirkung her ist die Razzia, übrigens die erste bei uns, nicht zu überschätzen.. 1 Stunde war der Zugang zu unserem Club total gesperrt, indem der Kastenwagen, mit dem später die Verhafteten abtransportiert wurden, einfach in die Einfahrt gepflanzt wurde. Eine nicht billige Aktion, so an einem lahmen Samstagabend. Die Pressemeldung der Polizei, hat dann die Aufmerksamkeit der Medien auf das Thema Mokka gelenkt und wir waren plötzlich in aller Leute Munde… und, es wurde viel getratscht in den letzten 3 Wochen…. sehr viel.. zuviel !!!!!!

Das wir eine Zunahme von gewaltbereiten Menschen haben, ist nicht ein Mokka spezifisches Problem, das ist eine gesellschaftliche Tendenz, die sich schon darin zeigt, das neuerdings Rettungssanitäter in den Freitag und Samstag Nächten von speziellen Securitys begeleitet werden, Chauffeure der STI vermehrt Opfer von Gewalt werden, Kontrolleure in den Eisenbahnen nur noch zu 3. und mehr ihre Arbeit machen und jeder Club in Thun mittlerweile Security’s braucht. Viele frustrierte junge Männer, die jeden Tag 24 Stunden todschlagen müssen, die noch selten Erfolgserlebnisse hatten und die auch nach 2754 Downgeloadeten Songs nicht glücklicher sind, lungern herum, auf der stetigen Suche nach dem Kick… allesamt abgehärtet durch die Schläge der Väter und verwöhnt durch die aufopfernde Liebe der Mütter… und mit leeren Hosentaschen und vollen Säcken…..
Das soll nichts entschuldigen und schon gar nichts beschönigen, aber wenn wir ehrlich sind, gab es schon immer diese Situationen, wo es zu Eskalationen kam und dann wieder Ruhe war, weil alle beteiligten merkten, dass Grenzen überschritten wurden. Diesmal wurden die Grenzen massiv
Überschritten und niemand konnte einfach so zum Tagesgeschäft zurück…. Auch Ich hatte viel um die Ohren, da sind die verschiedenen Positionen innerhalb unserer Belegschaft auf einen Nenner zu bringen…, da sind die Anliegen der Politiker, da sind die Wünsche der Medien und dann sind da auch noch liebe Menschen, die ihren Feldzug gegen das Böse, gegen Drogen und weiss nicht was noch alles führen.

Die Zeit heilt alle Wunden, ein plattes Sprichwort, für uns hier an der Allmendstrasse, in den letzten Wochen so was von unpassend… die Zeit bietet uns, eher Chancen und jeder Tag birgt eine neue Herausforderung, die man mit Mut, Kreativität und Scharfsinn angehen kann und eben so, wieder eine Chance erhält, die Situation zum Guten zu verändern. Am Freitag 19. September 2008 haben wir unser Bühnenprogramm gestartet und genau mit dem vielschichtigen Programm haben wir hier alle Jahre unsere Betriebspolitik gestaltet und Inhalte gefüllt. Unser hochkarätiges und beständiges Musikprogramm der letzten 22 Jahre hat, zumindest gegen aussen, CAFE BAR MOKKA zu dem gemacht, was es im Bewusstsein der Gesellschaft heute ist, ein Ort der für Vielfältigkeit steht, eine Art Insel mitten in der Konsumwelt, die aber definitiv keine Insel ist, wenn es um gesellschaftliche Entwicklungen geht. Das ist wohl jedem klar.

Was aber manchmal vergessen geht, MOKKA war immer ein Ort, wo Kidis rumhingen und ihre Grenzen ausloteten, wer Älter wird vergisst schnell einmal, wie blöde er mit 17 war… und wenn heute 21 Jährige finden : I ga nümm id`s Mogga, dert hetts huere zviu Kids.. und sich dann Lounges suchen, wo sie ein wenig gepflegter, vordergründig, abhängen und sich die Kante mit Long Drinks statt mit Mischgetränken aus der Cola Flasche geben, ist das einfach blöde.

Wenn <Ältere>, also Menschen ab 21 Jahren, bei uns vorbeikommen, finden sie ihre Ruhe und werden in Ruhe gelassen. Während dem ganzen Sommer, zum Beispiel, kann Mann/Frau ab 20 Uhr bis fast 23 Uhr im schönsten Beizengarten weit und breit, beschallt von einem DJ, gepflegte Getränke zu erschwinglichen Preisen geniessen, ohne einem Teenie begegnen zu müssen, weil die Kids erst ab 22.30 Uhr und später bei uns einfahren. Ich als Puffvater finde das sowieso so etwas von frustrierend, dass alle diese Tausenden von Menschen, die hier in ihrer kurzen Jugend wild und blöde t(h)un, uns Probleme machen, hier ihre Hörner abstossen konnten oder ihre Lebenspartner oder Lebensabschnittpartner fanden, später nie mehr vorbeikommen, nicht einmal auf ein Bier, einfach Cut ! Schnitt, fertig. Das brauche ich nicht mehr, das war einmal, und  so…… Ich stelle mir manchmal vor, wie das wäre, wenn die fahlen Lippenbekenntnisse zu CAFE BAR MOKKA wirklich gelebt würden, da hätten wir an einem Bühnensaison Start mit dem grossartigen Boubacar Traoré aus Mali mehr als 20 Konzert Besucher/innen und wenn alle diese besorgten Menschen, die nach der Eskalation von Gewalt genau wissen, was wir falsch machen und wie wir unseren Betrieb besser machen könnten… einfach vorbei kämen und mit ihrer Präsenz zeigen, dass es ihnen wirklich wichtig ist und nicht nur eine gute Plattform für Tratsch ist, da hätten wir in den letzten zwei Wochen gute Umsätze gehabt und nicht diese Weltwirtschaftskrisen zahlen…….

Fact ist, dass wir im Moment  auch mit Securitys arbeiten und somit auch etwas vom Old School teil unseres Clubs verloren gegangen ist. Schade. Die Security ist aber angenehm in der Zusammenarbeit und löst durch ihre Anwesenheit auch wieder etwas im Verhalten der Kundschaft aus… Wenn am Schluss die ganze Scheisse zumindest die Leute zum Denken angeregt hat, heilt das zwar die Gesichtswunden unseres Mitarbeiters nicht, hilft aber dabei, dass so etwas nicht wieder passieren wird. Ich denke  grundsätzlich positiv, obwohl mir ja der Griesgram gerne angehängt wird, weil ich nicht 365 Tage auf : alles ist superfein und sooo cool…. mache. Für uns war dieses Jahr bis dahin eigentlich ziemlich gut gelaufen, wir hatten eine gut ausgelastete Winter – Frühlingssaison, trotz der Probleme durch die Verknappung des Ausgehkapazität in der Stadt Thun. Die Zahlen von MOKKA  SUMMERDANCE VOL.1 + 2  sind ganz gut zum studieren und das FESTIVAL AM SCHLUSS 08 war der Summerhype ansich. Für mich persönlich hat es mittlerweile einfach zuwenig Grupies.. aber lassen wir das mein Problem sein…..

Das vorliegende Oktoberprogramm ist einerseits rockig, dann aber auch sehr sanft und soulig, es präsentiert dialekt Reggae und Delta Blues, Akkordeonmusik und Gothik Pop, daneben ein volles Dance Programm  und natürlich extrem schönes Licht, nebst unseren gastronomischen standart Tänzen. Wir wollen diesen Herbst wieder die Musik sprechen lassen, wie wir das immer schon gemacht haben. Auf WWW.MOKKA.CH gibt es nebst vielen Diashows mit schöner Musik (unter Special) auch von jedem auftretendem Act ein Bild, einen Text und die Musik, um sich ein Bild des Angebotes machen zu können.

Das was wir immer schon gemacht haben, werden wir auch weiterhin machen: Einen Club der anderen Art führen, offener sein und Menschen akzeptieren, mit denen man nicht unbedingt 2 Tage in Rom verbringen möchte….. Was wir aber, und das immer wieder, erwarten ist der Respect unserer Kundschaft, ohne den geht es nicht, und wer das nicht akzeptiert, muss wohl oder übel draussen bleiben.

EINEN SCHÖNEN HERBST WÜNSCHT EUCH, EUER QUARTALSSCHREIBER UND ABWART DIESES TRÜMMLIGEN ETABLISSEMENTES… AM RANDE DER KLEINEN STADT, NAHE DER GROSSEN ALPEN…..

MC ANLIKER
MONSTER OF CEREMONIES,
MASTER OF NO MORE GROUPIES, MASTER OF AUTUM TIME