Juni 2003

Ein paar Gedanken zum Juni 2003… Zu pädophil aussehenden Bahnhofmitarbeitern, zu der zunehmenden sozialen Verelendung und zum kommenden Sommer… Geschrieben auf Papier, analog, bei 27° im Schatten.

Dass es nun aber definitiv Sommer geworden ist, wird nicht nur in unserem Programm ersichtlich, wo Wörter wie Sommerpause & Summerdance eingezogen sind, nein, man muss nur im Thuner Bahnhof auf den Zug warten… Und da sieht man wieder diesen Bähnler im Pädophilenoutfit, der da so abartig den Bahnhof putzt. Mit einer mobilen Putzeinheit zieht er seine Runden und setzt hier und dort ein Zeichen gegen den Siff, der mittlerweile den ganzen Thuner Bahnhof zu einem unwirtlichen Ort verkommen liess. Ich frage mich immer, wo die Sanierungsmillionen der letzten Jahre hingeflossen sind und wo die Millionen der nächsten Jahre hinfliessen werden??

Aber zurück zu unserem Putzmann im Pädophilenlook… mit einem orangenen Sportler Shirt und orangenem Minislip und in „Adiletten“ präsentiert sich dieser Spezie nun tagtäglich, mehr ausgezogen als angezogen, den Zugkunden. Wischt er irgendwo einen Zigarettenstummel auf, hängen ihm beim Bücken schon fast die Eier aus dem Höschen… Ziemlich unappetitlich und eine Zumutung für alle Menschen mit einem ästhetischen Anspruch…!! Für diese Gattung Menschen, zu der ich mich zähle, ist es zusehends schwieriger, grundsätzlich, und der Sommer macht es uns auch nicht leichter… Da ja alle diese Verbrechen an der Ästhetik und der Ethik unter dem Mantel „persönliche Entfaltung“ und „Individualität“ laufen, sind alle Kritiker ganz einfach rückständige, menschenfeindliche Spiesser, die sich doch sowieso nur zu viele Gedanken machen und ganz sicher zu uncool drauf sind. Wenn du einen Techniker der Swisscom brauchst, dann wählst du dir erstmals den Finger wund und holst dir eine Gehörgangverstockung bis du nach 10 Umschaltungen erstmals eine menschliche Stimme am Draht hast, die dir dann ganz klar sagt, dass du bei der falschen Stelle bist, wie das in deiner Hand liegen würde, wohin dich diese 0800800… Nummern-Navigationssysteme leiten… und solche Scheisse ist alles andere als cool, es ist auch kundenfeindlich und kostet sicher eine schweine Kohle. Aber ich scheine weit und breit der einzige zu sein, der sich an solchen Erungenschaften unserer Zivilisation aufregt. Hey, easy Man….!

1,6 Millionen TV und Computerkonsumenten benutzen das Kommunikationsnetz der Cablecom®. Haben die sich schon einmal Gedanken gemacht, was passiert, wenn die schwer verschuldete Firma den Crash macht…? 3,2 Milliarden Franken ist die Zahl, die die Cablecom® im Minus ist… wir als Cablecom® Kunden schicken tagtäglich unsere elektronische Post durch ihr Netz, wurden bis jetzt in keiner Art und Weise informiert, der einzige Hinweis auf wirtschaftliche Probleme sind Rechnungen, die Leistungen, die im Juni 03 von ihnen erbracht werden sollen, schon im April einfordern… Der Konsument als Kreditgeber von Wirtschaftsmultis, die allesamt von Geldgierigen, unfähigen, überstbezahlten Managern in den Boden gefahren werden. Gahts na??

Klar, auch wir wollen unsere Leistungen zum Voraus bezahlt haben… das Bier, bevor es getrunken ist, das Konzert beim Eingang und das Sandwich vor dem ersten Bissen… und auch wir merken die schlechte Wirtschaftslage und die verhaltene Konsumentenstimmung. Die Schweiz als Ganzes ist im Moment auf dem Weg, sich dem Resten der Welt zu nähern… unfreiwillig zwar, aber dafür um so schneller. Wir können schon heute von einer Sockelarbeitslosigkeit von 4% ausgehen, für die nächste Zeit und die Rentenkriese ist vorprogrammiert. Leere Kassen wohin das Auge reicht und jeden Tag driften mehr Leute in die soziale Abhängigkeit vom Staat ab.

Wenn ich da nur an all die Drogengeschädigten denke, die von der Vergnügungsindustrie in den letzten Jahren produziert wurden und täglich noch produziert werden. Der zunehmende Alk und Kifkonsum von immer jüngeren Konsumenten/innen und das perfide Design dieser Drogen (Alkopops an allen Ecken und Enden, Indoor Marihuana, das heute schon zigmal stärker ist als gutes Afganisches Haschisch…) werden uns immer mehr Problemfälle bescheren, die dann zum Teil so ab der Reihe sind, dass letztendlich der Staat als letzte soziale Instanz zuständig wird. (Kauft Aktien vom Sozialamt)

Wir als Musikclub leiden ja heute schon darunter, dass wir immer mehr asoziale Kunden haben, Leute, die auch kaum mehr, sich in irgendeinen Zusammenhang zu irgendwem stellen können und schon gar nicht zu uns als Clubbetreiber. Verhaltenskodexe, die es braucht um viele Leute an einem Ort „abfläschen“ zu lassen, ihnen Freiheiten zu ermöglichen, die sie anderswo nicht haben, sind nicht mehr angesagt oder werden nicht mehr beachtet. Was wir in letzter Zeit an mitgebrachten Dosen und Flaschen entsorgen, …geit i ke Chuehut… und von all den Duftsäckli deren astronomischer Gewinn zu der Hanfmaffia fliesst, haben wir auch nur die leeren Säckli, die vollen Aschenbecher, die als Mischblatt missbrauchte Mokka Werbung und die als Filterspender missbrauchten Programmhefte, die Fr. 1.50 kosten und die nach der Papierentnahme zwecks Filter nur noch als Altpapier deklariert und entsorgt werden können…

Dazu kommt, der zum Teil deprimierende Anblick eines wunderschönen Gartens mit lauter dröge dreinblickenden Musterkonsumenten, die selbst in Woodstock nicht wirklich gut gewirkt hätten… und klar ist: eigentlich wollen wir Kultur vermitteln und Begegnung ermöglichen… weisch wini meine…??

Klar werde ich jedes Jahr älter, zum Teil bin ich 32 Jahre älter als die ganz jungen Kidis, die hier hinkommen (die ganz jungen sind auch nicht das Hauptproblem… noch nicht!) aber das diese ganze Bezugslosigkeit und diese Austauschbarkeit von allem, einfach krass zugenommen hat ist wohl einfach eine Tatsache, die man sehen muss… Mühli-Mogga-Mack – Easy Man, weisch wini meine…

Das Geld, das heute für Händys, Hanf und H&M ausgegeben wird, wurde früher zum Teil auch noch in Scenen Plattenläden oder im Club ausgegeben, Orte, wo man aus politisch korrekten Gründen speziell unterstützte und mit denen sich zu identifizieren Sinn machte. Heute fehlt trotz Anti-WEF, Anti-G8, Anti-Fa in weiten Kreisen der Jugend das politische Bewusstsein vollständig. Cool ist, was im Fernseher tausendmal zu sehen ist… und da können wir independent Clubs nicht mithalten. Klar, die Schweiz ist eine sehr apolitische Gesellschaft und lernen tut man da nicht wirklich viel in Sachen Zusammenhänge wirtschaft-gesellschaftlich und so… und von meiner Generation, quasi die Eltern dieser Jugend, waren ja auch nicht viele, die die Welt wirklich verändern wollten… und die Aktiven der 80er Bewegung sind heute alle in Gastronomie und Kultur verkommen… wir kämpften gegen das Packeis und ertranken im Softeis!! …(Dieser sehr schöne Spruch stand 1980 im Zürcher AJZ / Autonomes Jugendzentrum / an einer Treppe… ganz klein.)

Auch Café/Bar Mokka / MC Anliker werden diesen Sommer auf dem Thuner Mühleplatz gastieren, mit einer Rock’n’Roll – Gastroshow auf dem Wasser und am Land… ab 15. August an 3 Wochenenden jeweils Freitag, Samstag und Sonntag ab 18.00 Uhr gibt es Mokka Kult Gastro im hinteren Teil des Mühleplatzes mit einem grossen Floss in der Aare… Die Bands spielen ab 20.30 Uhr bis 22.00 Uhr in 2 Sets und müssen mit einem Boot auf die Bühne gebracht werden… Diverse Premieren wird dieser Anlass mit sich bringen… Aber darüber später mehr! Facts: Der Titel des Anlasses ist schlicht und gut einprägsam …im Fluss… Freitag, 15. August – Sonntag, 31. August (Freitag, Samstag, Sonntag) / Premiere: Lunik unplugged – Das grosse exklusiv Comeback der Triphop Legenden.

Vorerst aber einmal das Juniprogramm mit viel Reggae & Latino und Regiotonwoche…

Das nächste Programm erscheint zu Mokka Summerdance Vol.1 03 / 10. Juli – 3. August 2003

Also liebe Leserinnen und Leser

Bleibt sauber und „keep on rocking down the house“

Euer MC Anliker

Master of Wet Summer T-Shirts

Master of Heartful Culture