Februar 2016

EIN JAHR ZUM DAVONLAUFEN… DEPRESSIONEN FÖRDERN DEN DROGENKONSUM UND ANDERES AUS DEM SCHEINBAR EWIGEN WINTER 2016

Sind wir ehrlich, so eine Scheisse da draussen… es ist zum Davonlaufen! Die Sterne stehen schwierig, der Körper hat hier und da ein Leiden, der Himmel fällt uns seit Tagen fast auf den Kopf, die Geschäfte laufen schlecht und am Wochenende ist noch früh aufstehen angesagt, weil man wieder keine Zeit fand, die Stimmabgabe per Post zu erledigen. Ich bin aber nicht alleine mit meiner schlechten Stimmung. Ein alter Freund aus Berlin schrieb mir die Tage und was er schrieb, ging mir sehr nahe:  Neues Jahr, neue Aufgaben, neue Ziele, alles Kacke. Die gleiche Scheiße wie immer geht weiter, nur schlimmer. Ich beginne müde zu werden. Erschöpft. Ausgelaugt. Schlecht gelaunt. Leben macht gerade nicht viel Spaß. Mir gehen die Träume aus. Wintererschöpfung und Traurigkeit tanzen Slow Fox. Mein Johanniskrautpräparat, was ich im Winter immer als Stärkung nehme, ist vergriffen… Also nicht nur in Thun Depression! Gut zu wissen und (auch gut) ist das Johanniskrautpräparat zumindest hier noch erhältlich… vorgestern habe ich mit der Einnahme begonnen.

Gegen schlechte Stimmung hilft das genaue Hinschauen, seine Umgebung genau anschauen, damit man weiss, wo und wie man steht. Feed your Eyes! Viele Fragen werden durch das genaue Hinsehen aufgeworfen und das ist gut so. Woher kommt der Mann, der täglich in grauschwarzem Chaplin-Look als Statue bei der Kantonalbank stundenlang in der Kälte steht und der sich in der Halle des Aare-Zentrums zwischendurch aufwärmt? Ist er ein Sklave einer global operierenden Organisation? Von was lebt er? Wo schläft er? Welche Einheimischen geben ihm Geld? Ich weiss nichts über ihn und ihn anzusprechen wage ich nicht, weil ja gerade seine Tätigkeit in der Nicht-Existenz besteht. Was ich aber weiss: Er kann sich keine Gedanken zu seinen Gefühlen leisten und sicherlich hat er auch kein Geld, um Johanniskrautpräparate zu schlucken. Dass diesen Winter ganz viele, vor allem junge Menschen ohne Socken in ihren Turnschuhen unterwegs waren, ist mir auch aufgefallen und umso mehr ich darauf geachtet habe, desto mehr hat sich dieser Modetrend verdichtet! Schlechte Geschäfte nicht nur für Veranstalter, nein, auch schlechte Geschäfte für Socken-Firmen. New Style, überall, damit müssen wir leben lernen. Nichts ist auf ewig, keine grossen Sicherheiten mehr, wenig Verbindlichkeiten, dafür viel Ablenkung und viele Drogen in allen Formen!

Ein geliebter Spruch von mir war: Think Global – Drink Local!!! Das <Local> meinte das Trinken in den Clubs, in Gesellschaft anderer. Das war aber vor Facebook… heute ist eher billig Trinken zuhause vor dem Multimediacenter angesagt. <Alkohohl> war noch nie so billig wie heute, das ist ein Fact! Es gibt in den gängigen Lebensmittelläden Vodka in der 7.5 dl-Flasche für Fr. 9.24, zwanzig Halbliter Bier für Fr. 8.49 und Aktionen ohne Ende im Bereich <flüssige Drogen>. Wenn ich an einer Denner-Kasse stehe und ein Alki vor mir einkauft, staune ich immer wieder, wie viele Drogen da für wie wenig Geld den Besitzer wechseln. Auch sogenannte <illegale Drogen> sind über die Jahre nicht wirklich sehr viel teurer geworden. Dazu Historisches: 1975 kostete ein Gramm Roter Libanese (Haschisch, gewonnen aus dem Harz der weiblichen Marihuana-Pflanze) im Hinterzimmer des Restaurants Ochsen in Thun Fr. 6.-, meine Wohnungsmiete war Fr. 240.- im Monat (Altbau, drei Zimmer mit Balkon und neuem Bad, in der Innenstadt), die Krankenkasse kostete monatlich circa Fr. 30.– und mein Maurerlohn war zwischen Fr. 1900.- und 2100.-, je nach gearbeiteten Stunden. Der Gramm Preis für gutes Haschisch geht heute um die Fr. 13.- bis 15.-, falls man es noch erhält.

Drogen sind aber auch in anderen Formen viel zu billig. Das Benzin für die Raser auf unseren Strassen ist viel zu billig, die Fahrzeugsteuer für diese Penisverlängerungen aus dem Hause BMW, Toyota oder Mercedes sollte doppelt, wenn nicht dreimal so teuer wie heute sein und zudem sollte ein schwarzer Sportwagen nicht ohne Waffenschein erhältlich sein! Aber auch die Droge Zucker ist viel zu billig und damit schiesst die Lebensmittel-Branche die halbe Bevölkerung ab. Fettleibigkeit hat sich in den letzten paar Jahren wie eine Seuche bei Jung und Alt eingenistet und wird die Volkswirtschaft in Zukunft extrem belasten. Eine alte, bekannte Wirtin aus dem Aargau wurde vor Tagen vom <Blick> interviewt und sagte folgenden Satz: Die Leute haben in den letzten Jahren extrem zugenommen und somit wurde das Servieren in der engen Gaststube immer schwieriger. So schön, das sind die Aspekte unseres Seins! Und: Vergessen sie nicht, am Samstag oder Sonntagmorgen Ihr lokales Wahlbüro zu besuchen.

MC ANLIKER   Februar 2016