Juni 2008

DIE ICH GESELLSCHAFT IM SOMMERHOCH UND ANDERES AUS THUNESIEN

Die Ich Gesellschaft hat jeweils im Sommer Hochkonjunktur… da läuft sie zu Spitzenleistungen auf: Nach uns die Sintflut scheint die Devise zu sein, mein Handeln ist mein Handeln und das geht niemanden etwas an… Hauptsache Ich habe meine Party.
Die aktuelle Generation ewig jung gebliebener Männer, kauft sich anfangs Sommer ein paar Badelatschen, ein paar Shorts, eine doofe Sonnenbrille mit Spiegelgläsern und braucht dann nur noch täglich 7 – 10 mal die Bierbüchse zu wechseln und so kommen sie locker durch den Partysommer. Zum baden braucht Mann nicht einmal mehr die Hosen zu wechseln, weil doch Shorts eh schon Badehosen sind… wehe dem Spiesser, der das unhygienisch findet. Ähnlich ist es bei der neuen Un-Sitte des Füsse Hochlagerns, das diesen Sommer auch wieder einen Zacken zugelegt hat. Hier sind die Frauen in der Pole Position, es scheint, als dass Frau die Aura zusammenhalten muss, wenn sie der besten Freundin stundenlang, in den angesagten Yupie Chill Out Zonen, auch Gartenwirtschaften genannt, ihre Seele ausbreitet. Das geht in der Embryostellung auf dem Stuhl sitzend wohl am besten,raus aus den pilzigen Crocks und die Füsse auf das Sitzkissen, das ja heute Standart sein muss, weil ein Stuhl ja sonst zu hart wäre für einen langen Seelenstrip und die Fusspilze ja auch irgendwo sein müssen.

Ich hatte diesen Sommer zweimal den Genuss, eine Wohnung eines ewig jungen Zeitgenossen von innen zu sehen. Die sehen noch beschissener aus, als die Jungs morgens um drei Uhr, eigentlich Müllhalden mit Kabelanschluss, einfach ein wenig teurer, als ein Müllcontainer mit Standplatzmiete im Aarefeld. Auf die Resultate einer Bakteriologischen Untersuchung von Sitzkissen aus Gartenbeizen verzichte ich hingegen gerne.

Das wichtigste unserer Gesellschaft scheint aber die Jugendlichkeit zu sein, gut drauf sein und immer lässig.. wer das anders sieht, ist ein frustrierter Sack und gehört eh Entsorgt. Die Gesellschaftswerte sind austauschbar geworden und schon lange nicht mehr klar. Letzte Woche war ich an einer der schicken Kundeninseln der Kantonalbank, um einem einmaligen Mitarbeiter Geld auf sein Konto zu überweisen. An einem Schalter bediente die eine Angestellte eher laut und aufgekratzt eine Bekannte und tratschte mit ihr, wie sie sie soeben in der Gartenbeiz getroffen hätte, während der ca. 6 jährige Kronprinz, Severin wurde er gerufen, auf der USM Schalterlandschaft seine Freikletter-Lektionen absolvierte und am Schluss, auf dem Gipfel, für seine Kletterkünste gelobt wurde. Der Gipfel ist in dem Fall die Arbeitsfläche des Bankschalters, das nur so nebenbei vermerkt. Ziemlich irritiert, wannte ich mich wieder <meinem Schalter> zu und bemerkte, dass die gepflegte Dame, die mich bediente, dies barfüssig tat. Hallo, dies in der Kantonalbank, jenem Gebilde, das noch vor 20 Jahren eine der Hochburgen des Alten Berns war und die Schalterbeamten noch Anzug mit aufgenähten Ellbogenschonern trugen… Heute ist ein Bankschalter auch eine Kletterwand oder ein Blumenladen oder eine Wohlfühleinrichtung für Angestellte. Die Frage steht im Raum: bin ich neben den Schuhen oder um was geht es da eigentlich..????
Ziemlich verwirrt ging ich zurück in mein Ghettobüro, wo wenigsten der Stuhl noch ein Stuhl sein darf.

Der Jugendwahn der heutigen Zeit, führt dazu, dass wir der Jugend heute Gemeinplätze überlassen, für die sie definitiv noch zu jung sind. Eltern wollen heute Kumpels der Jungen sein, räumen ihnen alle Steine aus dem Weg, erfüllen den Jungen jeden Wunsch, der ihnen möglich ist und lassen ihnen Freiheiten, mit denen Kids, Jugendliche, nie umgehen können. Das nur, um ja nicht als stierer Sack dazustehen und auch um ja keine Probleme mit den Kids zu haben. Hey easy…!! Ein Mädchen,z.b., hat heute mit 10 das erste kleine Tatoo, ein Schmetterlinglingli, mit 13 ein Nasenpearcing und mit 17 ist das einst so herzige Kindchen mit Höhlenmalereien vom Steissbein bis zur Schulter, auf Lebzeiten, verunstaltet und sieht aus, wie einst ein stolzer Maoori Häuptling in der Südsee, der 26 Seeschlachten für sein Volk gewonnen hat. Welche Steigerung ist da noch möglich?? Vielleicht dann mit 20…: I ha mir überleit, ob i z’Dütschland sou ä Domina Usbiudig ga mache ????

Auch drogentechnisch lassen wir den Jungen heute viel zu viel Auslauf… Was da Tag täglich in unserer nächsten Nähe abgebrannt, reingeschnupft und vor allem reingeschüttet wird, geht schon lange in keine Kuhhaut mehr… Gehen Sie einmal auf das Grunderinseli oder auf die Seematte im Kanderdelta, in den Schadaupark oder auf den Thuner Mühleplatz und schauen genau hin… Es ist schlicht unglaublich, was da für Mengen an Alkohohl angeschleppt wird… Der vorsätzliche Total Absturz muss gut geplant sein und der Abfall können die Pimps vom Bauamt wegräumen, die haben ja sonst keine Arbeit….

Es ist natürlich nicht nur die Jugend die zuviel säuft, es ist die ganze Gesellschaft, die nach dem Motto lebt: Äs isch äso.. Eine heimer immer no gno ! Bei jeder sich bietenden Gelegenheit werden Flaschen geleert als ob es kein Morgen mehr geben würde. Ich frage mich manchmal einfach: was muss hier weggespühlt und verdrängt werden ???

Zum Schluss noch etwas, was mir in diesen Sommer hier in Thun sehr negativ aufgefallen ist: Die Stadt ist voller Neonazis. An einem Mittwochabend um 18 Uhr, zähle ich nur schon rund um den Bahnhof, 20 und mehr junge, fehlgeleitete, schwarz Uniformierte mit der Standart Feldschlösschen Büchse in der Hand und dem dumpfen Blick unter der 3 Millimeter Frisur. Ein Bild des Grauens, das aber irgendwie auch gut zu dieser Fehlkonstruktion eines Stadteinganges passt. Über diesen Nichtplatz – Platz, über die Stadtentwicklung und die Nazi Spezies werde ich ein andermal schreiben, weil: wehret den Anfängen und, Dummheit muss nicht in jedem Fall hingenommen werden !

Auf einen schönen Endsommer hebe ich die Wasserflasche und sage: Kultur ist ein dünner Lack, der sich durch Alkohol leicht auflöst !