Mai 2016

DAS SKLAVEN-GEN AUSSCHALTEN UND EINMAL EINE LEERE TEXTSEITE ABLIEFERN.

MC ANLIKER TRÄUMT AUCH AM TAG UND ALLES ANDERE ZUM MAI 2016.

Eigentlich wollte ich für das Programmheft Mai 2016 eine leere Seite abliefern. Nur schon beim Gedanken ans Schreiben wurde es mir anders. Ich fühle mich im Moment – nach einer ruinösen Kozert-Periode Januar bis April 2016 – so was von ausgelutscht, was die Kreativität angeht. Ich habe mir gesagt, dass es doch easy ist, einmal das Sklaven-Gen auszuschalten. Ich habe lange mit mir gehadert, hin und her, habe mir vor Augen gehalten, das es wohl schon vier bis fünf Jahre her ist, dass jemand auf einen meiner Texte direkt reagiert hat. Also, doch ein Grund sich einmal zu verweigern. Aber letztendlich bin ich auch ein Schreiber, schreibe grundsätzlich sehr gerne und bin mir das mit dem Termindruck gewohnt. Also MC, itz nid liire, schrib eifach… um was geits? <Taucher viel vom Himmel> oder so öppis, das isch ömu nid so schwär, simer ehrlech!

SUPER THANKS FOR A GREAT NIGHT AND FOR GIVING THE WORLD A PLACE LIKE MOKKA! WE LOVE IT! THE VANJAS. Manchmal liegen solche Botschaften auf dem Backstage-Tisch, zum Beispiel, wenn ich früher nach Hause gehe als die Band, der es bei uns so gut gefällt, die unsere Oase als genau das aufnehmen und erkennen und das eben voll auskosten wollen. Was wir in dieser Konzert-Saison ab Januar 2016 vor allem gemacht haben: Wir machten Künstler glücklich! Und da Glück ja eine Wechselwirkung hat, macht dies zwangsläufig auch uns glücklich. Das hilft gut beim Ertragen der ausbleibenden Einnahmen und macht auch das Abrechnen einer sehr mageren Konzertkasse erträglich. Musiker, die europa- oder weltweit unterwegs sind, erkennen CAFE BAR MOKKA  im ersten Moment als speziellen Ort, als Insel, Oase oder Planeten. Irgendwie logisch und gut nachvollziehbar. Nach Stunden des Autobahn-Stresses in ein Konzertlokal zu kommen, wo es nach frischem Essen riecht, wo man die Schmorpfanne auf dem Herd riechen kann und Café serviert wird, der dem Namen des Clubs voll gerecht wird. Die meist gestellte Frage, der von unserem Haus hoch angetanen Gästen, ist: Wie haltet ihr das Haus so sauber? Nirgendwo sieht man Staub… Wahnsinn! Ich zeige ihnen dann jeweils den Staub und erkläre ihnen den Trick, den ich seit Jahren anwende: Man entstaubt jeweils die grossen, prägnanten Sachen, dort, wo das Auge als erstes hingeht und so sehen dann die kleinen Dinger in deren Nachbarschaft automatisch auch sauber aus. Easy.

So oder so, der Ruf von CAFE BAR MOKKA ist auch im 30. Jahr des Clubs immer noch sehr gut, zumindest bei den Menschen, die Vergleichsmöglichkeiten haben – bei Musiker/innen, Tontechnikern, Tourmanagern und zum Beispiel bei Busfahrern. Bei den <Einheimischen> ist es etwas anders. Ob das Wort <Heim> in <einheimisch> eine Erklärung für unsere schwindenden Besucher/innen-Zahlen steht, weiss ich nicht genau. Ich gehe schon auch davon aus, dass heute viele zuhause bleiben, die vor zehn Jahren noch regelmässig durch die Strassen zogen. Das digitale Angebot ist in den letzten Jahren so riesig geworden, dass der Mensch neben seiner Grundtätigkeit – der Arbeit – seine ganze Zeit mit Knöpfedrücken verbringen kann. Wenn ich die Technologie-Prognosen lese, wird es mir jeweils fast etwas mulmig. Da lese ich zum Beispiel, dass sich die Datenmenge in den nächsten vier Jahren verdoppeln wird. Wird das heissen, dass ich in vier Jahren täglich 150 statt der heutigen 75 E-Mails auf meinem Server haben werde? Mir graut! 

Ich selber bin ja auch nicht sehr viel im Ausgang. Eine meiner Lieblings-Ansagen von Thuner Bürger/innen ist: „Ja, i bi äbe o no nie bi euch gsi.“ Ich sage dann jeweils: „Eh, machet nech kenni Sorge, üs gits ja o ersch 30 Jahr!“ Und da wären wir dann auch schon bei der nächsten Baustelle. Ihr merkt, ich war auch schon beschwingter unterwegs. Aber vorerst machen wir uns einen schönen Konzertmonat Mai… mit Euch als Passagieren. Versprochen!

KEEP ON ROCKIN, DOWN THE HOUSE! WE LOVE THE MUSIC, THE LIGHT AND THE DRUGS! EUER MC ANLIKER MONSTER OF CEREMONIES CAFE BAR MOKKA THUN