August 2002

Das Konto hat zuwenig Input und wie es geändert werden kann… weiss leider auch niemand!!

Ein Fass ohne Boden auf 2 Seiten… Geschrieben mit Filzstift…

Nun ist er also schon fast vorbei dieser Sommer des Jahres 2002, der Eventsommer 02, der Exposommer mit den 60’000 Personen, die täglich auf den 4 1/2 Warteplagen stundenlang anstehen im Regen, im Sturm oder an der prallen Sonne um dann für 5 Minuten einen Inhalt präsentiert zu bekommen, dessen Qualität zeitweise ausserhalb des messbaren ist… Eben Expo 02.

Es ist Sonntag, 4. August! Heute Abend schliessen wir den ersten Block unseres Summerdance Programmes ab… Mit gemischten Gefühlen und einem tränenden Auge. Draussen ist so ein Ende September Wetter, das ideal ist für einen Sonntag im Bett, im Büro, zum Wohnungsputzen oder für den Anfang seiner Schuldensanierung… oder zum Kolumnen schreiben. The Show must go on…! Dieser Leitspruch war früher für die Brot und Spiele-Branche wie Kultur & Sport gültig, hat sich aber mittlerweile auf unsere ganze Gesellschaft als Leitmotiv ausgedehnt und das nicht nur, weil Englisch auch bei der EPA und Migros schon voll in die Werbung integriert wurde… The Show must go on! On and on! Es scheint fast so, als bleibe uns nichts anderes übrig als fatal an dem Seil weiterzuschneiden, an dem wir angebunden sind, und an dem auch noch andere angemacht sind… schneiden, schneiden, bis es dann „sägg“ macht und das Seil reisst… Gut, wir sind ja, noch, Krankenversichert, haben die Rettungsflugwacht, Spitäler und Invalidenversicherungen, Sozialämter, Strafanstalten, wo dann schon Leute sind, die die abgestürzten wieder soweit zurechtbasteln, dass sie weitermachen können… The Show… Für uns als Café/Bar Mokka ist im Moment auch so eine fatale SituationThe Show must go on… war ja immer schon unsere Devise, muss sie ja sein, sonst hätten wir nicht schon 16 Jahre überstanden in diesem strammen Westwind, wo Tannen, Birken und der Ahorn extrem schräge wachsen, weil der Wind nie wirklich aufhört zu blasen… Nur, im Moment bläst der Wind wie schon lange nicht mehr, und es ist extrem schwierig geworden, sich immer, mit Seil und Karabinerhaken gesichert, dem Orkan auszusetzen und die Tagtäglichkeiten als Extremsportart zu erledigen. Im probiere das „einfach“ zu erklären…

Café/Bar Mokka ist ein bekannter, etablierter und seit „Menschengedenken“ existierender, schöner, attraktiver Musikclub, dessen Rolle immer schon vielschichtig war und immer noch ist… Tendenz sinkend! Alles was immer ist, muss auch immer so sein und bleiben… Das ist die Meinung der Konsumenten und weil es ja immer ist, kann Mann / Frau es ja immer besuchen, oder könnte… „es“ läuft einem ja nicht davon… Genau wie das Schloss oder das Kunstmuseum oder das Naturhistorische Museum in Bern… Alle diese Sachen wollte Mann / Frau ja auch schon seit zig Jahren einmal besuchen… Aber es kommt nie wirklich dazu weil immer etwas „hyperes“, etwas „spezielleres“ und etwas „geileres“ Vorrang hatte!

Es ist fast so wie mit den Tante Emma Läden, deren Existenz wir ja alle begrüssen und bei dessen Schliessung wir alle sagen: Hey, das isch de huereschad… scho wider sones Quartierlädeli wo zuegeit…! Aber Hand auf’s Herz, wie viele Male hat Mann / Frau dort wirklich eingekauft?? Geld liegengelassen…?? Ab und zu einmal ein „Mödeli Anke“, das man in der Migros vergessen hat… Das, meine lieben Leserinnen und Leser, reicht nicht aus, um einen Laden zu betreiben und davon leben zu können, Miete zu zahlen, Steuern und Versicherungen, dazu noch zu investieren in ein attraktives Angebot… vielleicht noch Werbung zu machen und immer schön freundlich den Kunden das Gefühl zu geben, dass er König ist oder halt Königin.

Ich vergleiche unsere Situation ganz bewusst mit der des serbelnden Lädelis, an dem ich jeden Tag bis zu 3 Mal vorbeifahre und dabei denke „Hey man, iz gang de mau dert ga poschte…“ Die Ladenbesitzerin wird von Woche zu Woche älter und ihr Rücken krümmer und als Masochistin sitzt sie immer vor dem Laden und sieht sich all die Leute an, die mit den Tragtaschen der Grossverteiler vorbeilaufen… und sich wohl manchmal ein wenig schämen… Aber nur ein ganz wenig…

Café/Bar Mokka als Auslaufmodell, so präsentiert sich unsere Situation immer mehr, ein Ort der Vergangenheit, der Geschichte, ein Ort, der jeder kennt und doch kaum jemand richtig. Für die ganz jungen sind wir die gute Ergänzung zum MC Donalds und zum Mühleplatz, für die älteren sind wir Ballenberg… schön restauriert, ein Stück Heimat, immer zwar auf dem neusten Stand aber das erkennt ja auch kaum jemand mehr, weil ja auch kaum jemand genau hinschaut.

Dieses nicht genau hinschauen ist für mich auch ganz klar der Schlüssel der Problematik… Nicht genau hinschauen heisst auch ganz klar… nicht genau sehen, erkennen, nicht Qualität und nicht Innovation spüren, keine Unterschiede ausmachen in der Fülle des gebotenen.

Für uns als Musikclub, der eigentlich eher ein Kulturzentrum denn eine Disco sein will, wird es in einem unsensiblen Umfeld zusehends schwieriger an und mit Qualität und Innovation zu arbeiten.

Wir „verbrennen“ jährlich zigtausende von Franken für DJ’s und Bands, die im internationalen Musikgeschäft als hyp gelten, die neue Strömungen lancieren und in grossen Städten dieses Planeten gefeiert werden und die in Thun niemanden hinter der Fernbedienung hervor zu holen vermögen…

Dass sie dann in 2 – 3 Jahren auf dem Gurten spielen und von all diesen Ignoranten abgefeiert werden, tut ja nicht viel zur Sache. Das ist quasi ein Detailchen…!

Wie ihr vielleicht schon gemerkt habt, gab es diesen Sommer bis jetzt keine Live-Konzerte, keine Montreux-Festival Anschlusskonzerte, keine teuren DJ’s aus New York, Reykjavik, London, Madrid oder BerlinWir haben schlicht und einfach kein Geld mehr um weiterhin Perlen den gemästeten Schweinen vorzuwerfen… Eine fatale Stimmung macht sich breit… Was sollen wir Geld ausgeben für Hotels, Essen und Gagen von DJ’s und Musikern, wenn genauso gut eine CD abgespielt werden kann? Was ja als Hintergrundsmusik für Kampfkiffer Events längst genügt…! Die Angebote der Künstleragenturen muten manchmal ziemlich irr an… DJ Freddy Fresh mit MC & Tourmanager für $ 2’500.- an einem Donnerstag… Spezialpreis, wohlverstanden… Kyoto Jazz Massive für € 3’500.- an einem Sonntagabend… (Die hatten bei uns im April 6 zahlende Besucher…)

An einem Sonntagabend machen wir noch knapp Fr. 1’600.- Umsatz, was einen möglichen Gewinn von Fr. 350.- ergeben könnte…

Die Sparte Livemusik ist im Moment ziemlich in den Knien und Sprüche wie… äs chöme de scho wider angeri Zyte… chasch de luege… sind zwar gut gemeint aber sind auch sowas von vollweich in meinen Ohren…! Wir brauchen „jetzt“ Konsumenten, die ja zu Livemusik sagen, die bereit sind, sich unbekannte Künstler anzuhören und die unsere Zukunft schon heute mitbestimmen… wenn z.B. nur schon alle Hobbygitarristen und Gitarrenlehrer, die in dieser Stadt ihr Instrument spielen zwei-dreimal pro Jahr eine Liveshow bei uns ansehen würden, sähe alles anders aus… würden noch die Keyboarder, Sänger, Bassisten, Saxophonisten dazu kommen, würden wir schon fast paradiesische Zustände haben… Falls noch alle die MP3 User einmal statt Konserven sortieren eine Live Show anschauen würden…

Und noch alle, die 1 Mal im Jahr Konzerte anschauenIn Montrö“ oder „ufem Güsche…“, ein zweites Konzert in Thun besuchen kämen, dann könnten wir schon fast an einen Ausbau denken… und den Besuchern Lachshäppchen servieren…

Es fehlt aber im Moment schlicht und einfach am Mut… ein fettes Herbstprogramm einzukaufen… Mit einem Kontostand von Fr. 5’100.- (1. August 02) lässt sich kein Staat mehr machen… Ein fetter Anlass, der in die Hosen geht… und schon sind diese Franken weg! Die Chance, dass eine Show in die Hosen geht ist ziemlich gross hier in Thun…

Wer das vorliegende Mokka Summerdance Vol.2 Programm studiert (Seite 10 & 11 des Programm-Heftes), sieht aber auch, dass wir mit dem Soundgardenfestival ein Konzentrat an Musik anbieten, das nicht ganz ohne ist… 3 Tage an denen wir den Sommer noch einmal herausfordern… und Euch dazu…

Ab dem 14. August werden wir nun bis Mitte Juni 2003 durchgehend Programme anbieten, die Schwerpunkte sind noch nicht ganz gesetzt und immer vorausgesetzt, es geht uns nicht vorher das Geld aus…

Aber ihr wisst ja: The Show must go on… on and on…!

Es tut mit echt leid, dass es auch heute nicht zu einer sauglatten Kolumne gereicht hat… Vielleicht bringen wir das ja wiedereinmal auf die Reihe… Nur, wenn mir die Stimmung nicht nach sauglatt ist, dann ist es halt so… Und oberflächliche Vorwörter kann Mann / Frau sonst wo zur Genüge lesen und sonst gibt es ja immer noch Medienerzeugnisse, die hohler als erlaubt sind.

Hier noch Werbung in eigener Sache: Am Samstag, 17. und Sonntag, 18. August sind wir mit einer Café/Bar am Drachenbootrennen beim Casino vertreten. Von 10.00 bis 22.00 Uhr.

Wer genau hinschaut, und uns zwischendurch auch einmal besucht, hat gemerkt, dass wir einen neuen Chefstellvertreter haben… Christoph „Stöffu“ Ali wird bis Ende Jahr bei uns arbeiten. Welcome on the Set!

Also liebe Wakeboarder/Innen, liebe Duftsäckli Anschauer/Innen, liebe VIP’s, liebe Freundinnen & Freunde von Kiesgärten und kaltem Bier…

Wir sehen uns nächstens wieder an diesem Platz „im Garten Eden“ wenn es heisst:

Mokka Summerdance Vol.2 und

Soundgardenfestival und…

Herzlichst Euer:

MC Anliker

Monster of Ceremonies Café/Bar Mokka

Master of Spend a Good Time in a Ghetto Garden

Master of Reality