Juni 2009

DAS ENDE DER ASCHENBECHER NAHT UND TELEFONIEREN ALS GEISTIGE UMWELTVERSCHMUTZUNG….

Wahrlich Historisches passiert dieses Wochenende an der Thuner Allmendstrasse, einer Ausfallstrasse der kleinen Stadt am Rande der Grossen Alpen, die langsam aber sicher in Steinwüsten zerfallen….. Damit hat aber der historische Moment dieser Tage nichts zu T(h)un, nein, dieses Wochenende beenden wir mit CAFE BAR MOKKA die 23. Konzert- saison und haben die 2 letzten Konzerte am Start, an denen in unserem Musikclub, mit einem Raucher/innen-Anteil von ca. 80%, noch geraucht werden darf. Zack! Ich nehme an, dass der 1.Juli 2009 als Stichtag für die Einführung des generellen Rauchverbotes im Kanton Bern für die vielen Nichtraucher/innen unter den Thuner Tagblatt Leser/innen kein Thema ist, aber umso mehr ist der 1. Juli 2009 <das> Thema unter den Berner Gastronomen und ihren rauchenden Gästen. Wie ein Schwert hängt der 1. Juli 2009 über den vielen kleinen und mittleren Kneipen, Restaurants, Bars und Cafes. Alle Betreiber/innen kennen Schauer Geschichten aus den Kantonen, in denen das Rauchverbot schon in Kraft ist und alle, noch so übertriebenen, Geschichten haben eine Spur Wahrheit in sich, aber niemand weis, wie sich dieses Rauchverbot genau auf den Geschäftsgang auswirkt. Tatsache ist, dass 90% aller Stammtischgäste unserer Restaurants männlich und Raucher sind. Das ist Fact.

Nachdem wir in unserem Club 23 Jahre lang Aschenbecher gekauft, geleert und abgewaschen haben, uns einnebeln liessen, manchmal vor lauter Rauch kaum mehr auf unsere Bühne sahen, ist das nun auf Ansage der Behörden und mit Segnung des Stimmvolkes Ende Juni 09 vorbei und Geschichte. Eifach so, fertig… Mache chasch nüt.. hallo… Als direkt betroffener Arbeiter sollte ich ja dankbar sein, es ist ja zu meinem Schutz, quasi etwas, was mir gut tun soll. Merci tuusig. Nun macht uns aber der Staat zu seinem Gesetzesvollziehern und wir sind plötzlich Helfer der Antiraucherfront und Knechte von so unsympathischen Menschen wie Herr Zeltner vom Bundesamt für Gesundheit und das würden wir freiwillig nicht sein wollen. Darüber wie das Gesetz vollzogen werden soll, lässt man uns im Dunkeln und wie wir das im Winter machen, mit 300-500 Gästen, die dauernd an der Garderobe ihre Jacke holen zum Rauchen gehen vor dem Haus, darüber hat auch niemand einen Plan. Wir als Profiwerber haben zumindest die Möglichkeit mit unseren Gästen zu kommunizieren und das tun wir auch schon seit Monaten. Da der Beginn unseres Sommerprogrammes <Mokka Summerdance Vol.1/09> am 23. Juni ist, werden wir unser Haus also früher als die anderen Betriebe rauchfrei haben. Versteht mich nicht falsch, ich weis das Rauchen schädlich ist… aber solange der Staat pro verkauftem Packet Zigaretten eine Steuer von 3.- Fr einzieht und diese Einnahmen im Staatshaushalt fix eingerechnet sind, solange nehme ich diese Raucherfeindlichkeit persönlich.

Ich frage mich aber, warum dass rauchen in Restaurants, Konzertlokalen, Discos und anderen Etablissements verboten gehört, während alle anderen schädlichen Tätigkeiten unseres modernen Lebens weiterhin möglich sind und zum Teil sogar durch Grundgesetze gefördert und geschützt werden. Wenn ein Gefängnisdirektor laut darüber nachdenkt ob es nicht besser wäre, einen fetten Handystörsender, der den Telefonmissbrauch in seinem Gefängnis unterbindet, zu installieren, wird er schnell einmal in die Ecke des Terrorismus gegenüber der heiligen Telekommunikation gestellt… ein Aufschrei geht durch die Reihen der Lobbyisten und selbst der sonst eher diffuse Bundesrat Moritz Leuenberger hat plötzlich eine klare Meinung… Telefonieren an allen Orten und zu allen Tageszeiten, ist heute ein verbürgtes Menschenrecht, unabhängig des morbiden und sinnlosen Inhaltes des Kommunizierten und unabhängig der Schädlichkeit der Strahlenüberdosen, denen wir durch die Massierung der Antennen in unserem kleinen Land ausgesetzt sind.

Letzte Woche begegneten mir ein paar mal Schulklassen auf Schulreisen und wundert es uns da noch, dass die Kids, 12-15 Jährig, mit den Telefonen in der Hand, Handys eben, planlos den Turnschuhen der Vorläuferin nachlaufen und selbst bei der Ansage des Lehrers vor dem Besteigen des Thunerseeschiffes, 70% der Schüler die Tastatur ihrer Telefone malträtierten statt zuzuhören. Wenn das so weitergeht werden in 2 Jahren die Kinder schon ein Telefon in der Spielgruppe dabei haben… Mammi alütte..ig..ig alütte..Mammi… und wehe der Kleinkindererzieherin, die nicht cool findet, wenn der Säuglin <on line> ist und die Mutter jederzeit mit der Notfalltaste mithören kann, welche Entwicklung ihr König oder ihre Königin gerade durchlebt.

Die überbordende Handy-un-kultur macht den Menschen unkonzentriert, verhindert echte Kommunikation und führt dazu, dass zuerst telefoniert und erst nachher gedacht wird und das  wiederum führt dann zu diesen Kakophonien, denen wir heute im öffentlichen Raum immer mehr ausgesetzt sind und, das ist für mich das wichtigste, niemand ist mehr dort wo er ist, alle sind immer auch noch dort und dort.. Ihr solltet einmal dabei sein, wenn ich meinen, natürlich schwer illegalen, Handystörsender in einem Eisenbahnwagen oder in einem Raum mittlerer Grösse starte und niemand mehr ein Netz findet.., da ist ein Heroin-Junkie auf Entzug noch fast harmlos gegenüber all diesen Telefon-Junkies ohne Netz.. es muss die Hölle sein für diese .. hey wo bisch itz grad.? U ig bi im Zug u chume de äuä öppe, cirka i zäh Minute a… wo bisch de denn.?? Auso de bis nähr… Menschen, wenn sie einmal ein paar Minuten auf sich gestellt sind. Ist solches T(h)un nicht auch Sucht, schädlich, Umwelt- und Gesellschaftsbelastend und gehört eingeschränkt und in öffentlichen Räumen verboten ???

Vieles gäbe es noch zu schreiben, zu Themen wie Konsumsucht, fortschreitende Verslumung unserer Städte und so, aber diese Kolumne hat eine maximalgrösse und die ist schon lange erreicht. Ich wünsche euch Leser/innen einen schönen, entspannten Sommer mit Blitz und Donner.   MC ANLIKER  JUNI 09 FÜR THUNER TAGBLATT