März 2015

COPY+PASTE… VOLL AMTLICH..!!!  MC ANLIKER KOPIERT SEINE EIGENEN TEXTE… UND WARUM DIES??? JA, WEIL ES EBEN MANCHMAL NICHT ANDERS GEHT…

2015 ist irgendwie ein komisches Jahr… es rauscht in einem verdammt hohen Tempo vorwärts und doch dümpelt es irgendwie nur vor sich her… weltpolitisch nur Horror, Menschenverachtung und Ignoranz… wohin man schaut… hier in der kleinen Stadt etabliert sich der White Trash zunehmend und das Business ist auch nicht ein wirkliches… Was kommt wohl alles noch..??? Heute Samstag, 21. Februar 2015 kommt erstmals der Winter zurück, etwas was ich nicht wirklich gebraucht hätte… ja… und neben den schönen Shows und vor allem für die schönen Shows, gibt es Arbeit ohne Ende, da braucht es nur noch ein technisches Problem und 2 Freitage, die ich mir endlich einmal gegönnt habe… und schon ist das enge Timing am Arsch… und die Hoffnung auf ein entspanntes Schreiben dieses Textes am Wochenende ist begraben… De haut..!!! Aber wir leben ja im Zeitalter der digitalen Medien, da kann ja auch MC ANLIKER einmal von der verführerischen <Copy+Paste>-Anwendung Gebrauch machen… Also habe ich in meinem digitalen Text-Archiv gewühlt und eine Schreibe gefunden, die ich nun leicht abgeändert und stark gekürzt der Leserschaft zum Monat März 2015 präsentiere… Zudem ist der Februar 2015-Text wohl etwas zu euphorisch ausgefallen… darum jetzt hier etwas zum Runterfahren…  Es geht im übrigen um Strom und um Früher!!!

<<<<<Ohne Strom geht nichts in der Musikbranche… jedes kleinste Scheissteil ist am Netz angehängt, heute noch mehr als vor 20 Jahren. Darum wurden <damals> auch immer <die Bullen> hinter den Bühnen platziert, als Vertreter des Staates, als Garanten für Ruhe und Ordnung, als einzige Schnittstelle zwischen den Subkulturen, die damals als kleine Setzlinge noch sehr zart waren und dem Staat. Ihre Aufgabe war, die Errungenschaften des Rütlischwures und der Landesausstellung 1946 für alle Ewigkeiten zu konservieren und falls die Chaoten die, vom Staat grosszügig gewährte, <Veranstaltungsbewilligung für  Freiluftveranstaltungen im öffentlichen Raum> …sic…sic…(19.30 – 21.45 Uhr) nicht einhielten, einfach um 21.46 den Stecker auszuziehen und <der Anarchie> ein Ende zu setzen. Uns Veranstaltern gab aber die Problematik um die Stromversorgung nicht selten gute Trümpfe in die Hand… Beim ersten Festival, das CAFE MOKKA in Thun mit  richtig verstärkter  Musik und fetter Gastronomie veranstaltete: BAR MOKKA WAISENHAUS, 1984 – 1994, jeweils 3 Wochen in der damals noch zuparkierten Innenstadt… war in der Bewilligung ausdrücklich erklärt, dass wir <keinen Zutritt> zum öffentlichen Gebäude (Waisenhaus), an dessen Fassade unsere Gastronomie angedockt war, haben… der Strom kam aus dem Gebäude,  Stromversorgungen haben bekanntlich Sicherungen und die fallen schnell einmal aus und fertig lustig ist es dann mit so einem Festival. So kamen wir dann doch zu unseren Hausschlüsseln und konnten Ware lagern, leere Räume als Garderobe brauchen und hatten Künstlertoiletten, super chic und illegal, perfekt!

In der gleichen Epoche war die Stromversorgung im Club alles andere als wirklich für Livemusik geschaffen… so kam es immer wieder zu sehr bizarren Szenen an Konzerten. Bei Stromausfällen musste ich mich jeweils, im Finstern, 2 Stöcke, durch das perfekte Ghetto aus gelagerten Möbeln, Restaurationsmaterialien und weiss nicht was allem, hochkämpfen und die glühenden Riesensicherungen mit dem ausgezogenen, meist nassgeschwitzten T-Shirt in der Hand, herausschrauben und neue Sicherungen einschrauben. Der Lohn dieser Arbeit war der Riesen-Applaus, der dann jeweils von unten her in mein Ohr drang, wenn die Lichter wieder angingen und die Stromgitarren wieder röhrten und jaulten… Verbrennungen waren dabei nicht selten… Nach einem massiven Umbau, 1994, gab es eine fette Stromversorgung und für die nächsten paar Jahre Ruhe an der Stromfront. Eigentlich schade, denn das Intermezzo mit den verbrannten Sicherungen und den entstandenen Sendepausen im Dunkeln, hat den einen oder anderen <Rockstar> als Schlaftablette und Nullnummer entlarvt und ihn alt aussehen lassen… Alt haben wir in den wilden  80zigern sehr viel ausgesehen, alles war irgendwie noch so neu und ungewohnt, viel gutem Willen, aber kaum Fachwissen und Infrastrukturen, mit denen man früher Lismi- oder Hodenbaden-Gruppen beherbergt hat… alle waren wir <Freiwillige>, sprich gratis arbeitende Leute, die sich den Lohn flüssig einholten und dementsprechend war dann auch die Leistung, nach 23 Uhr…. Kritik durfte keine geäussert werden, da die Leute ja gratis arbeiteten und Drogenverbote lagen eh nicht drin, denn der Übermythos war gross und allmächtig: SEX, DRUGS + ROCK’N’ROLL, und dem musste man ja gerecht werden.
Mit gewissen Künstlern haben wir die erste, von 3 – 4 JACK DANIEL’S oder VIER ROSEN-Flaschen schon am Nachmittag aufgemacht… mit teilweise verheerenden Folgen für… uns!!! Amateure, wie wir alle waren, standen wir dann schon mal, schon ziemlich betrunken, um einen Stromkasten und probierten ohne Stromadapter, die Verstärker der deutschen Band ELEMENT OF CRIME, bei ihrem ersten Schweizer Auftritt 1987, doch noch an das Schweizer Netz anzuschliessen… mit gutem Willen und halb isolierten Schraubenzieher und viel  Glück… und es gelang und es musste ein grosser Schluck aus der Daniels Flasche daran glauben… Übrigens: aus dieser Episode hat sich dann die ewige Freundschaft mit diesen tollen Musikern entwickelt.
Die Sonderheit der Strominsel Schweiz hat im Übrigen schon immer viel Stress verursacht und der Kampf um Stromadapter ist zu vergleichen mit dem ewigen, weltweit mit gleicher Härte geführten, Kampf um Gaffatape, das Klebeband, ohne das es keinen Rock’n’Roll, keinen Papstbesuch, keine königliche Hochzeit und aber auch keinen Krieg geben würde. Durch die euphorische Handhabung des Rock’n’Rolls gab es viele Situationen, bei denen eigentlich niemand mehr, hinter den Kulissen, noch genau wusste, was Sache ist. Bei der ersten Show mit WEEN standen wir zu dritt, dermassen stoned auf der Bühne und die beiden Musiker fanden die Kabel zum Einstecken ihrer Stromgitarren nicht mehr und der eine hatte sein Plektrum in der Garderobe vergessen… und so weiter, so kam es dann zu der entscheidenden Frage, die noch mehrmals an diesem Abend an das, auch damals spärlichst anwesende, Publikum gerichtete wurde: It’s somebody in the Room, they understand what’s go in on..?????? Geld war damals noch nicht so wichtig und Clubs waren einfach bei Veranstaltungen geöffnet, die Strukturen waren basisdemokratisch, damit sitzungsintensiv und jede Sitzung war ein guter Anlass, sich die Lampe zu füllen. Wie heisst es doch so schön: KULTUR IST EIN DÜNNER LACK, DER SICH DURCH ALKOHOL LEICHT AUFLÖST..!!!

Bei den damals angesagten Shows mit BABY JAIL, RAMS, DER BÖSE BUBE EUGEN, PHON ROLL, ZÜRI WEST und wie sie alle hiessen, standen die Besucher/innen schon um 19.30 vor dem Haus, das um 20 Uhr öffnete, Konzerte fingen um 20.30 Uhr an und um 23.30 Uhr am Freitag und um 0.30 Uhr am Samstag, mussten die Leute aus dem Haus geprügelt sein… Alkohol wurde illegal verkauft und Toiletten gab es 2 für 250 Personen..!!! Die Künstler übernachteten in der Reformierten Heimstätte Gwatt, direkt am Thunersee… <Beat sag mal, sind wir wieder in diesem christlichen Asyl am See untergebracht..??? O-Ton Sven Regener, ELEMENT OF CRIME> oder Privat bei mir zuhause, was dann immer zu Beziehungsproblemen führte. Ich selber habe den Rock’n’Roll ziemlich intensiv gelebt, mitsamt dem ganzen Mythos… Erst nach ein paar Jahren merkte ich, dass die <wilden> Rock’n’Roller immer nur ein paar Tage, wenn es hoch kam, ein paar Wochen, wild taten, um den anderen Teil ihres Daseins sehr viel gemächlicher, gesünder und sozialer zu leben. Ich musste dann spätestens Mitte der Neunziger wegen Magenproblemen mit Hardcore-Trinken aufhören und dann auch gleich eine umfassendste Zahnsanierung im Wert von 3 Stromgitarren mit Edelverstärkern über mich ergehen lassen…..

Heute sind wir nüchterne Geschäftsleute, Kulturmanager und vor allem  Arbeitgeber, die monatlich 25 – 38’000.– CHF an Löhnen auszahlen und monatlich 12 – 16 Bands mit Alkohol, Essen, Technik und Gagen versorgen, zudem  noch 30 DJ’s  auftreten lassen, weil: The Show must go on..!!!

Die Zukunft wird nicht rosiger. Gewöhnt vom heute gängigen Soundsystem, das die meisten zuhause stehen haben, sind die Leute, wenn sie dann in einem Club ein richtiges Schlagzeug und eine echte Stromgitarre hören, ziemlich überfordert. Wir brauchen in unserem Club zunehmend Ohrenschütze, was ein ganz klares Zeichen ist!!!

…Rock als Revolte… das war immer schon Fake. WOODSTOCK WAR SCHEISSE, das sagte auch ganz klar Mr. RICHIE HAVENS, der vor Jahren einmal bei uns eine Messe zelebrierte und der damals  dieses, als <MUTTER ALLER OPEN AIR FESTIVALS> geltende, Super Chaos-Event  eröffnen musste, voll auf Heroin, und weil keine anderen Künstler Woodstock rechtzeitig erreicht  hatten, seine Songs auf 30 Minuten ausdehnen musste… Freedom… Freedom… Freedom… der Rest ist Legende!!!!!

Grundsätzlich: Für die meisten Kulturtäter meiner Generation, die wir mit der Kellertheater-Bewegung der ganz frühen 70zigern, mit der Anti-AKW-Bewegung, der Folkszene, der 80ziger-Bewegung und mit viel SEX, DRUGS + ROCK’N’ROLL sozialisiert worden sind, gilt definitiv und unwiderruflich: WIR KÄMPFTEN GEGEN DAS PACKEIS UND ERTRANKEN IM SOFTEIS.  MC ANLIKER, September 2005.>>>>>>

Dieser Text ist somit fast 10 jährig… MC ANLIKER ist schon wieder 10 Jahre älter… CAFE BAR MOKKA auch und ist 2015, 29-jährig… und alles ist noch einmal anders gekommen, als man es sich damals vorstellen konnte. Niemand konnte die Entwicklung der digitalen Medien in dem Mass, wie es die letzten Jahre passiert ist, voraussehen. Man hatte sich damals nicht vorstellen können, dass eine relativ kleine Branche, mit wenigen Firmen, dereinst gesellschaftsbildender sein würde als Staaten und Religionen. Die mobile Kommunikation hat in ihrer rasanten Verbreitung etwas Religiöses und die Mobiltelefon-Shops kommen mir schon lange vor, wie die neuen Kirchen und Kathedralen, zumindest sind sie sehr viel zugkräftiger sind richtige Publikums-Magnete. In diesen letzten 10 Jahren wurde unsere Gesellschaft noch mehr kommerzialisiert, viele kleine Nischen verschwanden, alles ist nur noch materiell und wir sind zunehmend wieder Sklaven dieses Systems. Es ist also quasi der vollständige Rückschritt in die tiefe Vergangenheit.

Vor diesem Hintergrund wird für mich das Betreiben der Insel, des Planeten CAFE BAR MOKKA, immer wichtiger, wir brauchen in dieser globalen Welt noch ein paar kleine, feine Orte, die überschaubar und berechenbar sind. Ein Stück Heimat, ein Wohnzimmer des guten Geschmacks und etwas Aufmerksamkeit für den Einzelnen… auch im März 2015!!!!

AUF EUERN BESUCH FREUT SICH: MC ANLIKER  MONSTER OF CEREMONIES MOKKA THUN