August 2013

ASCHI, DI CERVELA WÄR NACHE.. EIN PAAR GEDANKEN ZUM SOMMER UND ZU UNSERER UMWELT.

Freizeit und Ferien, also die freie Zeit, in der wir  nicht arbeiten müssen, in der wir das T(h)un können, was wir immer schon tun wollten.. oder eben das, was uns als Begehrlichkeit  verkauft wird.. ist uns heute das Heiligste. Der Traum der Freiheit wird heute, leider, meistens nur noch zur Belastung der Umwelt. Da fahren am arbeitsfreien 1. August hunderte der teuren Cabrios durch unsere Stadt, mit Bürgern des gehobenen Mittelstandes aus dem ganzen Land, Melanie Oesch mit dem Munisong plärrt da und dort aus der Audioanlage, Heerscharen von Töfffahrer brettern um den schönen Thunersee, alle auf der Suche nach der grossen Freiheit. Auf den schönen Wiesen am See wird gegrillt, was das Zeug hält, und wenn der Einweggrill aus dem Tankstellenshop nicht wirklich funktioniert, erinnert man sich an einen Winnetou-Film, wo die Indianer jeweils Holz verbrannten und das hiess dann Lagerfeuer.. und man bricht dann Holz ab den Bäumen. Das habe ich vor kurzem im Bonstettenpark beobachtet.. ich glaubte ich spinne.. Kids, natürlich weit weg vom nüchternen Zustand, mit dem I-Phone in der Hand am modernen <Holzsammeln>, die Louis
Vuitton-Tasche im abgewinkelten Arm.. Das ist unsere moderne Konsumwelt, die ich Höhlenbewohner manchmal kaum mehr checke. Hey, wirsch langsam aut, Anliker..!!

Grillen scheint auch in der Thuner Gastronomie ein Hit zu sein.. Aschi di Cervela wär nache..!! war gestern, heute geht man in den Fluss-Grill oder ins Steakhaus Gärbere, wo es dann ein wenig stilvoller zu und hergeht. Ob diese Grills die Luftreinhalte-Verordnung einhalten können, weiss ich nicht, ich weiss aber definitiv, dass ich und unsere Sammler/innen und wohl auch ein Teil des Publikums unseres Festival AM SCHLUSS 13 Ende des  Abends riechen wie ein verbranntes Steak. Wenn ich frühmorgens nach Hause in meine luftdurchzogene Wohnung komme, muss ich zuerst einmal nachsehen, ob in meiner Abwesenheit irgendjemand in meine Wohnung eingedrungen ist und eine Tischgrill-Party gefeiert hat, weil ich das Gefühl habe, dass es in der Wohnung nach grillieren stinkt. Ich kriege diesen Geruch nicht mehr aus der Nase und auch die Haare und die Kopfhaut sind voll kontaminiert.. es ist, wie wenn man im Garten arbeitet und dann in Katzenscheisse greift und später beim Schweissabwischen ein Rest dieser Scheisse in die Nase bekommt.. das bringt man nicht mehr raus, das Gleiche ist auch beim Geruch verwester Tiere.. und Grillen ist ja einfach totes Fleisch verbrennen.. einfach vor der Verwesungsstufe. Hey, sorry Metzger, Gastronome und Griller.. Wie aber eine Baubehörde ein Grill-Abluft-Gitter von 4 Meter Breite auf einer Höhe von 2.40 Meter auf einem öffentlichen Platz bewilligen kann, ist mir ein Rätsel. Vieles ist mir sowieso rätselhaft, wenn es um Gastronomie und im Speziellen um den Mühleplatz geht.. aber das beschäftigt mich zum Glück nur die 2 Wochen, in der wir mit dem Festival auf dem Platz Gastrecht haben.

Aber das mit der Freizeit auf Kosten der Umwelt beschäftigt mich das ganze Jahr. 58 mal wurden die Ozonwerte in der Stadt und Region Thun alleine im Monat Juli überschritten, und niemand kümmert das, wir tun weiter einfach das was wir tun wollen, ohne einen Gedanken an unsere Umwelt. An der Allmendstrasse, beim Bau des gewaltigen Baus auf dem Gerberareal, werden Beton-Fertigelemente per Sattelschlepper aus Deutschland hergefahren, um einen potthässlichen Bau hinzustressen, der keinen Bezug zu der industriellen Geschichte des Areals herstellt, der nicht einmal mit der Allmendstrasse kommuniziert, da es schlicht keine Ein- und Ausgänge in diese Srasse geben wird.  Hundert Meter lang, 5 Stöcke hoch.. nur tote Fassade, unten nichts, nicht einmal ein Trottoir und auf ewig keine Sicht mehr auf das Stockhorn. Das Ganze wird als Stadtentwicklung verkauft, natürlich steht Minergie auf der Fahne, das tönt gut, ist aber oekologisch voll Schwachsinn, wenn aus reinem Profitstreben die Isolationen und die Betonelemente aus Deutschland, Polen oder Moldavien mit treibstoffverbrennenden Motoren über Tausende von Kilometern hergekarrt werden.

Nieder mit den Alpen, freie Sicht aufs Mittelmeer!  Aschi, di Cervelat wär nache..

MC ANLIKER für das Thuner Tagblatt   3. August 2013