Januar 2014

ALLES IRGENDWIE KLAR.. LOGISCH, ES IST JA ERST ANFANGS JAHR..!!! EIN PAAR GEDANKEN ZUM JUNGFREULICHEN JAHR 2014…!!

Es trifft mich wieder einmal die grosse Ehre, am Anfang des neuen Jahres einen  Text für unser Old School Programmheft schreiben zu dürfen.. Zum wievielten Mal das ist, kann ich nicht genau sagen, aber es kommt mir vor, dass es schon eine Ewigkeit ist… Ja, CAFE BAR MOKKA ist ja auch eine Art Dinosaurier der CH-Clublandschaft.. Wir sind seit 1987 auf <MOKKA SEXY MOTHERFUCKER TOUR> und der Tourbus wird auch 2014 rollen. Texte schreiben heisst hier, zwischen kochen und dem Publikums-Einlass bei einer ausverkauften Show mit The Tarantinos, noch schnell ein paar Zeilen in den MAC hacken und hoffen, das nach der Show das Hirn noch eine Art Restkapazität hat, die Band nicht zu sehr auf Party mit mir machen will… und sonst kein Ghetto hier in der Death End Strasse herrschen wird. Der Text muss <gschtoche u ghaue> um 7 Uhr morgens im Briefkasten oder in der Mailbox unserer Druckerei liegen, sonst reicht die Zeit, um Euch mit einem aktuellen Programmheft vor der 1. Show im 2014 zu beliefern, nicht aus. Auch schreiben für einen so heissen Club wie CAFE BAR MOKKA ist unsentimentaler als die Leser/innen sich das vorstellen und wie so vieles an der Arbeit mit Kultur… Weil ich kaum Zeit fand, die 10`000 Zeichen neu zu kreieren, habe ich meine alten Texte durchforstet und bin im Juni 2000 fündig geworden… der folgende Textblock ist also über 13-jährig… Ihr könnt selber entscheiden, ob das Alles zum Guten gekommen ist:

Hey, Tschou wo bisch itz grad?? Ig, ig bi itz grad im Mogga u äs schpiut ä Bänd. He i verschtah di schlächt…..Handy macht’s möglich! Nun, blöde Menschen hat es in allen Evolutionsstufen gegeben….zu denken gibt mir diese Situation gleichwohl, denn im Moment läuft auf dem Kommunikationsmarkt weltweit eine gnadenlose Entwicklung in einem Tempo, das selbst unkritische Fortschrittsgläubige zwischendurch in Erstaunen versetzt. Letzte Woche wurde im Mokkakeller das Publiphon von zwei Swisscom Monteuren demontiert und auf die Halde gefahren. Über 20 Jahre war im Haus Allmendstrasse 14 eine solche Münzstation in Betrieb, über CHF 1000.- jährlich war nur schon die Miete des Apparates, vorbei sind die Zeiten wo Mann/Frau noch mit 20-Rappenstücken in der Hand der Mutter zu Hause ein Märchen erzählte, warum es nicht möglich ist, um 01.00 Uhr zu Hause zu sein. Noch vor 4-5 Jahren wurde von diesem Telefon aus in die halbe Welt telefoniert, unsere internationalen Gäste benutzten einen Discobesuch im Mokka, um gleich noch zu Hause anzurufen. Sri Lanka, Ghana, Lyberia, Indien, Bosnien, Kosovo usw. hiessen die Destinationen, die hinten auf der Telefonrechnung fein säuberlich aufgelistet waren (aktuelle Geschichte ist interessant!). Seit Monaten war das Telefon zeitweise tot und seit zwei Monaten ganz abgestellt……In dieser Zeit meldeten sich ca. sechs Personen bei uns…..Der Rest hat sich mit einem Handyhalter befreundet oder selber ein Spielzeug gekauft, das heisst, sich eines schenken lassen. Und somit ist wieder eine Geschichtsepoche angehakt. Fertig, Furt!

Schöne neue Konsumwelt, soweit das Auge reicht und soweit die Ohren hören. 600 SMS monatlich (Short Message Service ist eine Art megakomplizierte Schreibmaschine auf dem Handy, ermöglicht z.B. einem 3/4 Analphabeten eine Nachricht wie: Halo wo bis Du? an einen ebensolchen zu senden) sind für einen Schweizer Teenie keine Seltenheit. Handy Rechnungen zwischen CHF 400.- und 700.- sind Norm. Familiendramen sind vorprogrammiert. Es ist anzunehmen, dass die Mobilanbieter namhafte Beträge, die sie sich bei vielen Kunden ans Bein streichen müssen, in ihre Budgets aufnehmen. Genau wissend, dass sie mit ihren aggressiven Werbemethoden Leichen produzieren… Ist ja alles so easy. …. Das Erschreckende an dieser Entwicklung ist der Umstand, dass in der Schweiz jeder der drei Mobiltelefonanbieter ein eigenes Antennennetz erstellen und betreiben muss. Mit 2100 Antennen für einen Wirkungsgrad von 95%, pro Anbieter wird gerechnet……Das heisst, dass schon 2002 über 6000 Mobilfunkantennen in unserer Alpenrepublik rumstehen werden und 24 Std. senden und empfangen, senden und empfangen……Up and down, Up and down. Was für Auswirkungen diese Strahlendichte dereinst auf uns, unsere Umwelt und unsere Zukunft haben wird, steht in den Sternen und wird im Moment auch ziemlich verniedlicht. Schöne neue Welt! Ich stelle mir manchmal vor, wie das aussehen würde, wenn die Funksignale optisch sichtbar wären, Swisscom in Blau, Orange in Orange und Diax in Gelb, dazu noch der Polizeifunk in Grün und Autonavigationssysteme in Neonblau und satellitengesteuerte Uhren und Maschinensteuerungen in Weiss und alle Wixschüsseln an Häusern und auf Balkonen und Dächern in Pink……Das gäbe ein ziemlich geiles Bild, sind wir ehrlich. Neuerdings werden ja selbst Rinderherden für die EU-Subventionsbehörde mit Satelliten überwacht, indem man jedem Tier einen Sender, der 10 Jahre Lebensdauer hat, in den Körper einführt. Schöne neue Welt! Werden in Zukunft wirklich die Hälfte der Erdbewohner On Line sein! Werden wir wirkliche Virtual Reality Freaks? Cybersex sehe selbst ich als Traditionalist als Zukunftsform, weil ja schon heute Sex mehr beredet und vermarktet als praktiziert wird… Die Technogeneration lebt ja  keuscher als die katholischen Priester in den 50er Jahren. …..

Die Texte wurden damals in 10 Punkt Grösse geschrieben, weil man immer so viel zu schreiben hatte… Die ehemalige Telefonnische war jahrelang die <Galerie Chäpplibuebe>, wo wir die Homies Taggen liessen, und ist nun eine schicke Nische mit einer orientalischen Klunker-Leuchte, in der neuen Damentoilette, die Anfang Dezember 2013 in Betrieb genommen wurde… Die mobile Telefonie ist heute das Mass der Dinge, die Telefone sind Computer geworden und alles ist heute so normal, dass sich niemand mehr irgendwelche Gedanken dazu macht..!!!  Fünf Jahre bevor ich diesen Artikel geschrieben habe, also 1995, habe ich meinen 1. Laptop gekauft, und dessen Daten sahen so aus: PC 486/DX“ 66 Mhz PCI, 8 MB RAM / 540 MB Harddisk, 3.5“ Floppy / Mini Tower Gehäuse / 15“ Monitor, mit DOS 6.22, Windows 3.11 / SDS Ordering System, komplett installiert. Das Teil kostete Fr. 2500.-… und konnte so gut wie nichts, wenn man das mit heutigen Geräten vergleicht. Noch Fragen??? Irgendwie Heavy.. und alles noch nicht wirklich lange her.. und doch von einem anderen Planeten.

Ich habe sicher schon mal erwähnt, das ich seit Jahren Schlafstörungen habe… das wird so eine Rock`n`Roll-Krankheit sein, mit der ich eigentlich relativ gut umgehen kann, und das heisst, dass ich jeweils um 3 Uhr nach dem Arbeiten, um 4 Uhr oder um 6 Uhr, nach 1-2 Stunden Schlaf, auf meinem schönen Balkon sitze und rauchend in die Sterne schaue.. huere schön..!!!  Ausser der rollenden Strasse oder internationalen Güterzügen, die die halbe Welt durch Thun schleusen und laut wie Donnerwalzen vor meinem Balkon vorbeirollen, ist es um diese Zeit richtig friedlich, ja schon fast versöhnlich-festlich.. Irgendwann kommt dann das erste Licht des Tages, und ich döse in meinem Bett vor mich hin und geniesse mit zunehmender Helligkeit die Aussicht auf den Niesen und auf das Blüemlisalp-Massiv… um 8.30 Uhr erstrahlen dann die ganzen Berge im ersten Sonnenlicht… es ist jeden Tag, ohne Nebel, eine Offenbarung, und man wähnt sich fast ein wenig im Paradies… Manchmal gibt es auch ein richtiges Morgenrot in die geflockte Bewölkung.. Wenn das Firmament sich rötet, betet freie Schweizer.. betet.. Wozu noch Drogen nehmen, wenn die Natur in sich schon so bewusstseinserweiternd daherkommt? Am Ende des Jahres müsste man diese Morgenstimmungen eigentlich auskosten können, man hat mehr als genug gearbeitet und könnte sich fahren lassen.. das Weihnachts-Oratorium in den CD Player legen und  auf die <Repeat> Taste drücken… Kaffee kochen, duschen und irgenwelchen Gedanken nachhängen… oder noch 30 Seiten im neuen Buch lesen, quasi dem Müssiggang frönen… Man hätte es verdient.

Kaum bin ich aber vor der Haustüre, ist es vorbei mit Müssiggang oder schon nur mit Gedanken daran.. Als Clubbetreiber bin ich sogar weit davon entfernt.. allein in der letzten Woche vor Weihnachten hatten wir 5 Shows auf dem Programm und das heisst, einkaufen, kochen und sonstige Kleinigkeiten erledigen, die Januar-Werbung muss erstellt werden, inkl. einem gescheiten Text… The Show must go on.. wir hatten mit der Arbeit in und um unseren lebendigen Club also nicht einmal Zeit zum Sterben.. obwohl im Dezember das sogenannte <Thuner Clubsterben> auch im Altersheim Sonnmatt ein Stammtischthema war. <Die Allianz gegen das Clubsterben Thun> hat sich telefonisch gemeldet, um ein Treffen abzumachen, ich musste sie auf Januar vertrösten.. Am Samstag, 21. Dezember 2013, gab es auf dem Rathausplatz eine Demo zum Thema Thuner Clubsterben… Wir lassen die Bässe wummern, bis Thun wieder farbig wird.. Original-Zitat im Bund. Die Liste der Initianten haute mich nicht gerade um… 40 Plus, also eher ältere Leute, die 1x im Monat im Restaurant Schwert am Samstagabend essen gehen und dem <Nachtleben> sagen. In unserem lebendigen Club sind sie zumindest nicht mehr wirklich anzutreffen, irgendwie verständlich, wir haben ja nicht einmal Red Bull im Sortiment.. (u so öppis söu ä Club si?)

Eines muss hier noch klar gestellt werden: Lebendige Clubs brauchen Kundinnen und Kunden, die  ambitionöse Programme eines Provinz-Clubs wahrnehmen und ab und zu auch mit einem Besuch berücksichtigen, es braucht den Support der Medien und dies nicht erst, wenn Clubs geschlossen werden. Im <Bund> z.B. wurde unser Herbst-Winter Programm 2013 so gut wie totgeschwiegen, im TT wurden die gelieferten Konzert-Vorschaus zum Teil gedruckt, doch fehlte meistens das Bild dazu.. und Musik ist halt ganz einfach auch eine visuelle Sache. Also, irgendwie kein Wunder, wenn die Club-Kultur in die Steinzeit driftet.

Steinzeit haben wir zunehmend auch an der Allmendstrasse.. Nie mehr Sonne, nie mehr das Stockhorn sehen… Hey, und das nur, weil der Rex Plus Bunker so dermassen überproportioniert gebaut wird und das wiederum nur, damit ein paar Investoren aus London, Mailand, Singapur und Peking noch reicher werden können. Ich werde nächstes Jahr bei der Stadt Thun den Antrag stellen, die Allmendstrasse in <Dead End Strasse> umzutaufen, ein Name, der besser zu der neuen, unfreundlichen Strassenschlucht passt. Denn mit Allmend, dem Land, das alle benutzen, hat das schon lange nichts mehr zuT(h)un. Keep on Rockin!!!

Das Jahr 2014 steht noch rein und fein vor uns… packen wir die Chance und machen alles noch besser…!!!! Hold the Line…!!!

Liebe Grüsse aus dem Berner Oberland schickt Euch: MC ANLIKER  MONSTER OF CEREMONIES  CAFE BAR MOKKA THUN.