Dezember 2008

ALLE VERPASSTEN BOB DYLAN, VERVAIN TEE AN DER KELLERBAR, VERANSTALTER ALPTRÄUME  UND ANDERES ZUM DEZEMBER 2008

Wenn ich die Tage meinen Briefkasten leere ist definitiv klar, dass nächstens Weihnachten ist und somit wieder ein Jahr zu Ende geht. In einem schwachen Moment schaue ich mir die Flut von Werbesendungen durch, die mittlerweile trotz dem antiken Aufkleber <Stop Werbung> oder so, genau weis ich den Wortlauf jetzt auch nicht, da der Kleber aussen am Briefkasten klebt und es dort im Moment nicht sehr freundlich ist, in meinem Kasten landen. Es wird uns zum tausendsten Mal klargemacht welche Werte wir brauchen und mit was wir uns und <unsere Lieben> zu verwöhnen haben. Für Kinder das ganze Sondermüllprogramm aus China, zu horrenden Preisen, klar nach Rollenverteilung der Vergangenheit und somit wohl auch der Zukunft, eingeteilt. Die Mädchen erhalten Hairstyle Stationen mit dem tollen Namen Bratz, mit Puppe… Originaltext: Fianna nimmt Platz, um sich die Haare machen zu lassen. Vom Waschen mit richtigem Wasser bis hin zum Locken drehen und Haare tönen. Echtes Wasser!!!!! Whau, so kreativ..

Das zukünftige Göttigeschenk stellt man sich als einen Haufen schwarzen Plastic vor, mit drei kleinen Fläschchen Farbe, einer kleinst Haarbürste, einem Coiffeursessel und einer Puppe mit Haaren bis zu den Knien, Highheels an den Füssen und einem schwarzen Lack Hosenrock, die aussieht wie sie 10 Jahre von der rumänischen Mafia als Sex Sklavin missbraucht wurde. Das Ganze gibt es für 59.- Fr, mit der Option noch <Cloe> dazu zu casten, eine Puppe in Rot mit noch längerem Haar und einem Fläschchen Farbstoff mehr, die kostet dann halt auch noch einmal 49.90 Fr, aber man liebt ja Kinder. Da gibt es Diamantenschlösser für 149.- Fr mit den dazugehörenden Puppen für je 50.- Stutz aus der Fernsehsendung von Barbie, mit der Diamantenkutsche für 80.- Fr…… Scheisse ohne Ende, seitenlang. Zum Glück bin ich im Alter, wo man keine kleinen Kinder mehr hat und auch die ehemaligen Göttikinder schon selber erfahren haben was Sperma für Auswirkungen haben kann.

Es ist Montagmorgen, der 23. November 2008, draussen herrscht der Winter in voller Kraft, ein Garten Faschist ist im Nachbargarten mit der Kettensäge am Sexualhormon abbauen, iiiiiihhhhhnnnnnnn, iiiihhhhnnnnnnn….. Arschloch! Auf dem Tisch steht die Latte Macciato mit viel Schaum, die Boxen der Stereoanlage sind gut aufgedreht und Küse Fehlmann von Züri West spielt gerade ein wunderschönes Gitarren Riff, vor dem Fenster sind die Bergdohlen, die in meinem Quartier überwintern, auf Landeanflug, um sich das Futter zu holen, das ich vorhin auf den Sims gekippt habe. Es gibt Äpfel, Käserinde und einen alten Nussgipfel, alles fein geschnitten, dass es für alle reicht. Keine Angst liebe Leser/innen es gibt keine Homestory… und da wir hier auf diesen Textseiten auch keine Bilder abdrucken, komme ich auch nicht in Versuchung.. eine zu machen und sowieso, Badewanne mit Schaum und Freundin habe ich auch nicht anzubieten. Aber schön ist es trotzdem wieder einmal einen Morgen zuhause zu verbringen und die Wohnungsmiete zu amortisieren. Im Keller wäscht die Waschmaschine meine Weisswäsche der letzten Wochen und so werde ich am Ende dieses Textes ein reichbeschenkter Mann sein… einen Datenträger Stick voller Worte und eine Waschküche voller weisser Wäsche… Paradiesische Zustände zeichnen sich ab und ich werde heute wohl direkt in den Single Olymp aufsteigen.

Heute ist wohl der richtige Tag für einen Jahresrückblick… ein Ritual, das mich zwar immer müde macht, weil mir bewusst wird wie viele kraftvolle Momente wir in so einem Jahr produzieren, notabene mit unserer Kraft. Auf der anderen, ganz grossen Seite der Emotionen, aber auch das Wissen, wie viel Freude und Lebenslust wir trotz all dem Wahnsinn erzeugen und somit auch erleben dürfen. Gegen aussen herrscht wohl die allgemeine Meinung das CAFE BAR MOKKA im 2008 seinen Tiefpunkt durchlebt hat… Dem ist aber nicht so: Das Jahr 2008 war ganz klar und wahr, ein gutes Jahr. Sicher auch ein sehr emotionales Jahr, ein langes, intensives Jahr mit Schlagzeilen, die das Bild massiv verzerren, mit Vorfällen, die wir nicht wirklich gebraucht hätten, die uns aber auch wieder  zeigen, dass wir als Club immer noch gesellschaftliche Funktionen wahrnehmen, die andere schon längst nicht mehr machen oder noch gar nie gemacht haben. Wir sind, was leider immer wieder vergessen geht, ein Musikclub, eine Kultur Institution, ein Begegnungszentrum und nicht <nur> eine trümmlige Bar mit Dj Magermilch am Freitagabend und einem Oktoberfest im Dezember. Thun Rolls..!!!!!!

2008 waren wohl nicht mehr ganz so viele Konzerte, wie noch Jahre vorher auf unserer Bühne, gezählt habe ich nicht, aber es macht zeitweise schlicht keinen Sinn in einer kulturellen Wüste, wie es Thun auch nach 20 Jahren Kulturengagement unseres Königs im Rathaus einfach immer noch ist, grossartige Acts hinzustellen. Viele ältere Menschen (ab 24 Jahre) können ja keine Konzerte bei uns besuchen, weil wir ein Raucher-Laden sind, weil es Kids bei uns hat und die Gewalt..!!!! und der Anliker ist der nicht schwul..???? und zudem sind wir ja erst 22 Jahre im Geschäft, da müssen wir wohl auch noch weitere 60 Jahre beweisen, dass wir etwas können. Dass die gesamte Kulturmafia dieser Stadt, und die ist mittlerweile gut gehegt, ziemlich fett geworden…, mit Betonung auf: die gesamte,  uns ignoriert und uns mit dem internationalsten und aktuellsten Musik Programm weit und breit links liegen lässt, schmerzt mich manchmal, aber ändern kann ich es wohl nicht. Uns gut finden, aber Musik in Hunziken, in Bern und Zürich konsumieren und dann einmal im Jahr ein fettes Musikevent namens Honky Tonk Festival in den Thuner Beizen besuchen, das ist eben schon irgendwie Kleinstadt und übel….. Supporten kann man nur mit wirklichem Bekenntnis und das muss gelebt werden, das kann Mann/Frau nicht mündlich oder virtuell machen.

Ein aktuelles Erlebnis dieser Art hatten wir am Samstag, 22. November 2008 mit dem Konzert von Stiller Has im Bärensaal im Dürrenast. Gerade einmal 140 Personen besuchten den rauchfreien Anlass, in einem klassischen Saal mit Platz für 1000 und einer amtlichen Zulassung von 600 Personen. Es waren also die besten Voraussetzungen für alle diese Tränen, die uns im Club nicht besuchen können, wegen all dem oben geschriebenen… Vielleicht fehlten diesmal die Sofas, der Vervain-Tee an der Bar und die Fussbäder…  Scheiss Thuner kann ich da nur sagen..!!!! Das macht mich so was von aggressiv.. denn im Sommer wollten weit über 1500 Personen die gleiche Band am Festival <Am Schluss 08> sehen! What the Fuck is on? Das Konzert war das Beste das Endo Anaconda je auf dem Gemeindegebiet von Thun abgeliefert hat, in 22 Jahren, es war wie eine Show von Bob Dylan in den 90zigern… es war eine Sensation… Punkt Fertig.

Das schon erwähnte Festival Am Schluss 08 war ein grosser Erfolg und es zeigt sich ganz klar, dass wir mit dieser Art von Klein-Event auf dem richtigen Weg sind. Wir bleiben bewusst klein aber fein, nehmen auch weiterhin keine Bewerbungen für Auftritte entgegen, heiters ghört Musiker..? setzen dafür aber an den 11 Abenden genau die Acts, die wir wollen und brauchen, auf unser Programm. So einfach ist es. Das Festival wird auch im 2009 stattfinden, das Datum ist auf WWW.MOKKA.CH, unserer Website die einen modernen Kundenservice liefert und die auch mit viel Augenfutter geladen ist.

Nun gilt mein grosser Dank zum Jahresende all unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den  She-j’s und den Dj’s, die nächtelang in unserer Räuberhöhle das Publikum in andere Welten führen, den auftretenden Künstlerinnen und Künstlern, den Tontechnikern, den Lichttechnikern, dem Webmaster, den Typografen, der Presse, der Stadt Thun, dem Kanton Bern und… Trompeten ertönen… unserem treuen Publikum, für das wir dieses Theater überhaupt machen. Keep on Rocking, 10 more Years! Mokka Rolls Forever!

Auf unser fettes Dezemberprogramm hebe ich den Tresorschlüssel… auf dass es gut kommt!
Alles liebe aus Thunesien, für den Rest dieses und für das neue Jahr, schickt Euch Euer:

MC ANLIKER
Monster of Ceremonies Mokka Thun