Oktober 2013

ACHTUNG, ACHTUNG, EUPHORIE IST ANGESAGT… DAS 27. JAHR DER MOKKA SEXY MOTHER FUCKER TOUR BRICHT AN… ABER DER WAGEN IST SEHR GUT IN FAHRT.. EINE SCHREIBE ZUM SAISONSTART 2013-2014

Irgendwie ist 2013 ein guter Jahrgang.. nach einem mega euphorischen Start und bombastischen Wintermonaten gab es dann schon eine gewisse Phase der Ernüchterung.. es kam ein langer Scheiss-Frühling mit Scheiss-Wetter  und dann lange kein Sommer, aber trotzdem finde ich es ein gutes Jahr, bis jetzt….. auch unsere Geschäftszahlen sind freundlich. Mit dem Festival AM SCHLUSS 13 hatten wir ja wirklich alles Glück des Tüchtigen… (Blöder Spruch… Das Glück des Tüchtigen..!!) Es war ein wirklich grossartiges Festival und der Gedanke daran schüttet immer noch Euphorine oder etwas ähnliches aus. Hey..!!!! Ich mag uns das Glück aber wirklich gönnen und ich bin auch für den Rest des Jahres zuversichtlich, schon fast euphorisch.. Den Sommer 2013 haben wir auch noch genutzt, um den Konzertraum auf Vordermann zu bringen (Vordermann? Eigentlich auch saudoof..) So oder so.. wir sind parat wie schon lange nicht mehr.

Im September und Anfangs Oktober starten wir die Serie: NORTHERN LIGHTS mit grossartigen Künstlern aus dem Norden… ja, warum eine Serie mit dem Titel NORTHERN LIGHTS?  Ganz einfach, weil es sich so ergeben hat.. und weil die Künstler/innen aus den Tiefen ihrer Seelen Musik machen, zum  Teil machen müssen, weil man in Norwegen, auf den Färöern und auf Island  in unfreundlichen Umgebungen leben muss, landschaftlich zwar sowas von schön, aber nirgendwo was wirklich los, es ist lange Monate düster und kalt, da muss man etwas machen, sonst wird Mann/Frau blöde… Das mit den nordischen Künstlern ist durchaus eine ehrliche Sache… zudem sind alle diese Leute nicht nur grossartige Musiker/innen, nein sie sind auch sehr bescheidene Menschen, die wahnsinnig dankbar sind für schöne Hotelzimmer, gutes Essen und professionelle Handhabung  vor und hinter der Bühne, wie wir es hier halt so handhaben…. dann kommt dazu, dass diese Musiker sich alle irgendwie kennen.. diese erzählen denen und die anderen haben es eh schon gehört… dass es da in der Schweiz so Inseln gibt, wo man mit seiner Kunst ernst genommen wird, was schon längst nicht mehr selbstverständlich ist… letztendlich kommen alle diese Künstler über 2-3 kleine Agenturen in die Schweiz, die Deals sind sehr fair und die Gagen eher  klein, darum braucht es umso mehr Respekt in der Durchführung der Shows, das ist generell so. Besiege deinen inneren Scheinehund und zwar tagtäglich.

Wir sind nun seit 1986 auf MOKKA SEXY MOTHERFUCKER TOUR und obwohl die Tour örtlich nicht wahnsinnig üppig ist, ist sie aber inhaltlich immer wieder und immer noch grosses Kino, der Tourbus wird dauerhaft gewartet und die Fahrer halten sich mittlerweile manchmal auch an die Ruhezeiten, etwas, was die Passagiere beruhigen kann. Ich als Monster of Ceremonies nerve mittlerweile meine jüngeren Mitarbeiter mit dem Vorsatz, jetzt wieder Vollgas zu geben.. denn ich merke, ich habe keine 30 Jahre mehr, also keine Zeit, um Daumen zu drehen oder in der Nase zu bohren… Mir geht es immer mehr darum, die Erfahrungen meiner langen Zeit als Betreiber dieses einmaligen Clubs hier in der kleinen Stadt am Rande der grossen Alpen in die Waagschale zu legen, weiter säen um dann toll zu ernten.. Für mich ist heute vieles einfacher, ich muss mir nichts mehr beweisen, ich weiss, zu was ich fähig bin, kann auch mit grossem Druck besser umgehen, weil ich weiss, wie ich diesen Druck verteilen kann.. Am Schlimmsten ist es, wenn man den grossen Druck, der real immer da ist, da muss man sich nichts vormachen.. als Berg vor sich hat und das Gefühl aufkommt, nicht mehr über den Berg sehen zu können. Dann wird es wirklich ernst, dann dreht die Energie nicht mehr rund und da kann man es sowieso vergessen.

Ich will, dass es CAFE BAR MOKKA gibt, und ich will, dass der Club auf dem selbst erklärten hohen Niveau betrieben wird, ich will, dass wir ein richtiger Musikclub sind und bleiben. Also, ich will und ich muss dafür einstehen.. Ich bin MOKKA. Immer mehr plane ich Acts, die ich in Personal-Union, sprich Promotor, Koch, Ton + Lichttechniker, machen kann und unser Team dann die Kasse und die ganze Gastronomie händelt. Es ist wohl auch eine Gesellschaftsfrage, dass wir alten Säcke der Gründer-Generation immer mehr machen und machen müssen. Denn wie vorhin erwähnt.. wir wissen wie und sind das Arbeiten gewöhnt und wissen, dass nach A sagen auch B und C sagen dazu gehört. Auch wenn man dazwischen einmal einen kapitalen Frust fährt und irgendwie weiss nicht was für dunkle Wolkenwände aufziehen.. egal.. Die Arbeit an einem solch komplexen Teil wie CAFE BAR MOKKA über eine solch lange Zeit ist im Grund nur reichhaltig und üppig. All die 1000enden glücklichen Menschen, all die Begegnungen mit den Künstler/innen, die unendliche Vielfalt von Musik, die man in Soundchecks und in kaum beachteten Konzerten gehört hat, ist ein Geschenk des Himmels. In all den Jahren haben wir hier an der Allmendstrasse weit über 2800 Shows gemacht und es war immer alles.. es war Stress, Ärger, Freude, Absturz, Langweile, Staunen, Superglück, und es war immer Arbeit, und das ist wohl gut so.. Als Betreiber einer <Buure Disgo> habe ich mich nie gesehen, und dafür wäre mir auch mein Engagement zu schade, und da wäre ich sicher voll auf irgenwelchen Substanzen abgedriftet und würde heute sicher viel älter aussehen.. Ja Ladies.. chöit froh si..!!!

Die neue Saison gehe ich sehr gelassen an… während ich diese Zeilen in den MAC hacke, liegen in einer wunderbar geputzten und gut riechenden Künstler-Garderobe 24 Plakate für alle Wochen und alle Shows vom September + Oktober 2013 fertig gedruckt parat… das gab es noch nie.. das sind neue Ansätze und <äs isch hueregeil..> Zusammen mit der Grafik für das vorliegende Programmheft habe ich gleich auch noch die Plakate designt und ausgedruckt.. Ich habe mich also selber beschenkt… das wäre mir früher nie in den Sinn gekommen… 18 Stunden Arbeitstage kenne ich als Standart, aber wenn nach 18 Stunden dann eine solch grosse Ausbeute vor einem liegt, fliegt man fast nach Hause … Einkehren kann man ja an einem Dienstag Morgen um 3 Uhr eh nirgendswo… das ist vielleicht  manchmal der grosse Vorteil eines solchen Kaffs wie Thun. Angefangen hat ja alles…. in den 80zigern, damit, dass eben nichts los war hier, tote Hose, die Trottoirs hochgeklappt um 21.00 Uhr und Jugend-Discos, die um 24.00 Uhr schliessen mussten..Das kann sich ein normaler Kid von heute nicht vorstellen, dazu gibt es keine Downloads und keine Apps.. die Ämter, mit denen wir zu t(h)un hatten, hiessen Wehrdienste&Hygiene, deren Büros waren im Grabengut, wo es einen Stall gab, in dem ein Stallwärter des Amtes noch Vieh betreute, das am Morgen früh auf dem Viehmarkt an der Stadtmauer angeboten wurde… wenn man in das Amt musste, standen da Stallstiefel auf der Treppe, da war ein Lavabo mit Sandseife und ein Handtuch, rot-weiss kariert, mit dem Aufdruck: Stadt Thun… ja so war das vor 25 Jahren!! <Huere Bider>, aber wir nahmen uns damals viele Freiheiten, weil die Behörden nicht wirklich mitbekamen und verstanden, was wir eigentlich machten, und sowieso nicht, was wir wollten.. Ja..Ja..Ja.. isch scho rächt.. momou mir luege.. Adiö merci!!!

Es gab natürlich damals auch noch mehr Objekte, die irgendwann einmal abgerissen werden sollten und die man dann zwischennutzen konnte, wenn man clever genug war.. Ich erinnere mich an ein Konzert in einer Abwasser-Katakombe beim Parkhaus Grabengut, die Band war nicht wirklich grossartig, es hat ziemlich gestunken und der Zugang war nur über eine Eisenleiter möglich, das Bier war lauwarm, aber es gab Bier!!! und es war das einzige Mal, dass in Thun ein Konzert wortwörtlich im Untergrund stattfand. Unvergesslich!! und real erlebt. Ja, das war in den 80ziger Jahren, da gab es auch noch Politiker, die wirklich <Füdle> hatten… Kulturprojekte wie der KULTURBAHNHOF im Keller der Hoffmann Fabrik am Bahnhof (ca. 1989-1993) und das legendäre KÜHLHAUS (in der gleichen Zeitspanne) boten grosse Freiheiten, und Thun wäre im kulturellen Bereich nie da, wo die Stadt heute ist, wenn wir damals nicht mächtig am herrschenden System gerüttelt hätten… Die erwähnten Projekte wären heute unmöglich, und an dieser Stelle kommt man nicht darum herum, dem damaligen Regierungsstatthalter Anton Genna einen goldenen Lorbeerkranz zu übergeben.. Er war der letzte Regierungsstatthalter, der mit Bauchgefühl agiert hat und sich die Anliegen der Subkultur wirklich angehört hat. Merci tuusig!!

Eine weiter Musikserie starten wir am Sonntag 20. Oktober 2013: Das COLIN VALLON TRIO spielt jeweils 2x pro Monat an einem Sonntagabend um 20.20 Uhr neue Sounds.. wir freuen uns auf diese Geschichte und hoffen, dass unser Publikum auch mal vorbeischaut.. Die Shows bis Ende November 2013 sind auf WWW.MOKKA.CH aufgeschaltet… auch das ist neuer Standard und macht mich noch euphorischer… Damit es klar ist: Ich nehme weiterhin kein Kokain, kein Speed und kein MDMA… die Euphorie kommt aus dem erfüllten Arbeiten hier in diesem Musikclub. Alles klar???!!!

Auf eine grossartige Konzertsaison 2013-2014.. hebe ich, ausnahmsweise, die Weissweinflasche..!!

EUER MC ANLIKER  MONSTER OF CEREMONIES CAFE BAR MOKKA THUN