September 2011

25 JAHRE LEERE KASSEN UND TROTZDEM GANZ GELASSEN. 

Wenn man Kolumnen schreibt, und dies im Abstand von 2 Monaten wie <hie im Bletli>, muss man dann jeweils den letzten geschriebenen Text durchlesen, um sich nicht allzusehr zu wiederholen, oder um Bezug nehmen zu können zu etwas, was man damals geschrieben hat. Viel ist passiert seit dem Samstag, 2. Juli 2011.. dem Tag meiner letzten Kolumne, die Zeit ist zu einer Plage geworden, unser Lebenstempo ist (zu) hoch, wir haben kaum mehr Zeit, einmal einfach glücklich und zufrieden zu sein mit dem, was wir machen und sind. Wer dauernd Online ist wie ich, erhält so viele Informationen, dass es manchmal schon fast schmerzt, dauernd sind da diese Schnellboote, die noch dieses und jenes Projekt auf den Markt werfen und im Höllentempo neben einem vorbeifahren. Wie die Boote dann am Ende aussehen, ob sie ans Ziel kommen und ihre Mission erfüllt haben, ist mir meistens nicht bekannt, aber vergleichen tut man immer, das ist der Fluch des Internets. Als Kulturschaffender weiss man aber, dass alles, und ist es eine noch so kleine Geschichte, zuerst gemacht werden muss, und dass die meiste Arbeit alleine hinter den Kulissen gemacht werden muss. Klar steht man irgendwann im Rampenlicht und kann die glücklichen Gesichter der Leute vor der Bühne sehen, aber schnell ist dann auch wieder der Alltag mit Nachbearbeitung, Abrechnung und Nachbericht zu bewältigen und auszuhalten und das kann sehr hart sein.

Wir hatten diesen Sommer  mit unserem Festival AM SCHLUSS 11 viele, viele Menschen glücklich gemacht. Es war ein schöner Anlass mit packenden Konzerten und trotz durchzogenem Sommerwetter war es ein richtiges Sommerfestival mit Friede-, Freude- und Eierkuchen-Stimmung. Mir gibt dieser 11-tägige Anlass eine unglaubliche Energie, es ist wie eine Droge, das Adrenalin fliesst in Hektolitern und alles geht wie von selbst, man ist unverletzlich und hat Optimismus, könnte Bäume und Kontinente versetzen… Wenn aber der Anlass vorbei ist, kommt dann meist der grosse Katzenjammer und man ist wie ein Junkie auf Entzug und die Energie ist plötzlich weg und man fühlt sich wie Amy Winehouse.. Alleine und überfordert mit allem, was da noch unerledigt ist, und das ist meistens viel. Nun startet ja  CAFE BAR MOKKA dieses Jahr in die 25. Konzertsaison und das erzeugt Druck auf mich: Hei was machet dir so zum Jubiläum..?? Was für grossi Bands spile..?? Also nichts mit zurücklehnen und die Füsse hochlagern, die Korken knallen lassen und die dicken, konisch gerollten Haschisch-Joints anzünden.. nein, definitiv nichts von dem, nichts von Romantik und Sentimentalität. Wer immer schon viel gemacht hat, muss immer mehr machen, die Kadenz ist hoch, ob selber gemacht oder nicht, the show must go on.. Nun, so ist es und da kann man sich wehren oder nicht, aber durch muss man, auch nach 25 Jahren Herzblut mit vollstem Einsatz. <25 Jahre leere Kassen.. wir können es trotzdem nicht lassen..!!>

Mein Wunsch Line Up für den Jubiläums-Anlass war: The Young Gods, Element of Crime, Züri West und Dieter Thomas Kuhn, an 4 Tagen von Donnerstag bis Sonntag… ein guter Plan, aber wie es so geht.. oder eben nicht geht.. das Jubiläum von CAFE BAR MOKKA wird nun in Tranchen gefeiert. Die ersten 2 Konzerte werden am Freitag, 16. September 2011 mit meinen alten Freunde von Element of Crime aus Berlin und am Samstag, 17. September 2011 mit den beiden jungen Thuner Bands Red Shoes und Undiscovered Soul im Thuner Bärensaal stattfinden. Aber eigentlich ist das Programm sowas von logisch und auch typisch für unsere Arbeit: jemand, der vor 24 jahren als nobody bei uns gespielt hat und heute eine grosse Nummer ist, und 2 junge Bands, die es geniessen werden, in diesem legendären Bärensaal, in dem 1975 die legendären Rumpelstilz der bekannten Deutschen Band Jane die Show gestohlen hat, zu spielen. Der 2. Anlass wird dann anfangs November 2011 mit einem Konzert der Berliner Band 17 Hippies stattfinden und der 3. wird eine Filmpremiere sein, die Premiere des Fernsehfilmes „Planet Mokka“ des ex-Thuner Regisseurs Markus Baumann über MC Anliker und das Mokka.

Ja und sonst? Meine Zuckerwerte sind wieder im unbedenklichen Bereich, geschafft ohne Medikamente, nur mit umstellen der Ernährung, was mir ein grosses Lob meines Arztes einbrachte und, und.. seit heute Donnerstag, 8. September habe ich nun TV Empfang.. das dritte Weltwunder ist passiert: Die Swisscom hat mir einen Techniker vorbeigeschickt, nachdem ich mit einer TOI TOI Toilette vor dem Swisscom Shop auffuhr und ihnen drohte, noch Zelte und Baby-Punks aus dem Reithallen-Vorplatz zu buchen…

Nun Anliker, wie ist es? Beim ersten Durchzappen kam mir das nackte Grauen… nach 4 Monaten ohne Fernseher ist man sich diese Ansammlung von Sch.. nicht mehr gewöhnt und nun überlege ich mir, ob ich die TOI TOI Kiste eventuell gegen die Swisscom TV Box eintauschen soll.. und einfach einen Spiegel an die Wand hänge, in dem sich dann die Lämplis  meiner Wohnzimmer-Beleuchtung so schön spiegeln, wie das in keinem Fernsehprogramm der Welt zu sehen ist.